Runde 19 - Saisonabschluss unter den Top 10

Perfektes Segelflugwetter – Blick in Richtung Nürnberg. Quelle: Jens-Christian HenkeDie letzte Runde der Segelflugbundesliga ging mit einem höchst erfreulichen Ergebnis für den Aero Club Nastätten zu Ende. Das ziemlich hoch gesteckte Ziel, es dieses Jahr unter die Top 10 in der Eliteliga des Segelfluges zu schaffen, wurde mit dem 9. Tabellenplatz tatsächlich erreicht. Das Wetter der letzten Runde war so gut wie selten in dieser verregneten Saison. Es konnte nicht nur die höchste ACN-Rundengeschwindigkeit ersprintet werden, auch die Summe der drei schnellsten Flüge war die beste in dieser Saison. Auf Rang 10 sammelte der ACN die letzten 11 Rundenpunkte in diesem Bundesligajahr. Nächstes Wochenende wird der große Erfolg im Rahmen des Fliegerfestes gefeiert.

Der Wettergott hatte dieses Jahr einen schrägen Humor. Normalerweise ist zwei Monate nach dem längsten Tag des Jahres nicht mehr mit guter Thermik zu rechnen. Aber nach so vielen sehr schwierigen Runden bot ausgerechnet die letzte der insgesamt 19 Bundesligarunden das beste Segelflugwetter. Es wurde mit 117,72 km/h nicht nur die schnellste Rundengeschwindigkeit geflogen, sondern mit 333,17 km/h auch die schnellste Tabellengeschwindigkeit. Die Tabellengeschwindigkeit ist die Summe der drei schnellsten Einzelflüge in einer Runde. 164 Bundesligaflüge wurden von ACN Pilotinnen und Piloten auf die Meldeplattform des Online Contests hochgeladen. Davon lagen 136 Flüge über der Mindest-Rundengeschwindigkeit von 40 km/h. Die Bundesligafliegerei im Aero Club Nastätten steht auf einem sehr soliden Fundament. Es steuerten vier Pilotinnen und 27 Piloten Flüge bei. Und noch eine Zahl, die das schwierige Wetter beweist: An elf der 19 Runden konnte nur an einem Tag des Wochenendes für die Bundesliga gepunktet werden. Auch in dieser Hinsicht machte die letzte Runde eine erfreuliche Ausnahme, da an beiden Tagen sehr schnell geflogen werden konnte. Allerdings musste man sich deutlich in den Süden vorarbeiten, da das Blaue Ländchen nicht so sehr von der Sonne verwöhnt wurde.

Über den Wolken nach einem Steigflug mit Motor auf 2.300 m. Der Neckar bei Heidelberg war durch die Wolkenfetzen zu sehen. Quelle: Jens-Christian HenkeZum Saisonabschluss hatte der Wiesbadener Jens-Christian Henke mit einer Rundengeschwindigkeit von 117,72 km/h klar die Nase vorn. Er startete am Sonntag kurz vor 12:00 Uhr auf seiner "Tango Mike", eine DG-808C mit 18 m Spannweite. Vorsichtig tastete er sich südlich des Soonwaldes und Hunsrücks in Richtung Idar-Oberstein vor. Dabei pendelte seine Flughöhe über dem Meeresspiegel um magere 1.000 m. Nach einem Tiefpunkt 350 m über Grund gelang es ihm, Anschluss an eine dunkelgraue Wolkenwurst zu bekommen. Das 2,5-stündige Bundesligazeitfenster startete so mit einem nur 16 km langen Gegenwindschenkel ohne einen einzigen Kreis. Kurz vor dem Sperrgebiet von Frankfurt-Hahn musste er wenden. Mit dem Wind im Rücken startete nun ein 290 km langer Schenkel mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 136,88 km/h. Das ist Genussfliegen auf höchster Stufe. Ein dritter 27 km langer Gegenwindschenkel konnte ebenfalls ohne Kreis schnell zurückgelegt werden. Der sogenannte Kurbelanteil lag unter 10%. Das bedeutet, dass Henke während der 2,5 Stunden nur 14 Minuten lang in Aufwinden kreiste. Im Nachhinein bedauerte er, keinen Wasserballast mitgenommen zu haben, was die Reisegeschwindigkeit spürbar erhöht hätte. Henke hatte jedoch den Rückenwindschenkel überreizt. Auf dem Rückweg musste er zweimal den Propellerturm im Rumpf hinter den Flügeln ausklappen und den Motor zünden, um wieder an Höhe zu gewinnen. Er landete nach über 8 Stunden Flugzeit kurz vor der Tagesschau.

Am Vortag startete Moritz Althaus ebenfalls kurz vor 12:00 Uhr mit 18 m Spannweite – 15 m wären auch möglich gewesen – und 120 Liter Wasserballast in den Flügeln seiner LS8 "Juliett Oscar". Da das Wetter an beiden Tagen des Wochenendes sehr ähnlich war, flog auch er zunächst in Richtung Idar-Oberstein gegen den lebhaften Wind an. Weniger als 200 m über Grund und somit kurz vor einer Außenlandung musste er die Ventile der Wassersäcke öffnen. Es darf nämlich aus Sicherheitsgründen nicht mit Wasserballast gelandet werden. Im letzten Moment fand er zum Glück einen rettenden Aufwind. Auf seinem Rückenwindschenkel in Richtung Ostnordost war er trotz deutlich reduzierter Masse mit 136,22 km/h sehr schnell unterwegs. Um ohne Motor im Rumpf Chancen auf eine Rückkehr nach Nastätten zu haben, beendete er den schnellen Schenkel bereits nach 208 km. Er flog nach Bad Kissingen und dann am Nordrand des Spessart in den Westen. Über Bad Soden-Salmünster endete sein 2,5-stündiges Bundesliga-Zeitfenster. Althaus musste danach in den "Überlebensmodus" umschalten, weil Aufwinde unter der dichter werdenden Abschirmung nur noch schwer aufzuspüren waren. Auf dem Flugplatz Neu-Anspach endete sein Flug. Mit einer Rundengeschwindigkeit von 109,49 km/h lieferte er den zweitschnellsten Flug ab.

Auch die Tango Mike wurde im Anhänger verstaut, um für das Fliegerfest mehr Platz in der Halle zu schaffen. Quelle: Jens-Christian HenkeDas Bundesliga-Team der letzten Runde komplettierte der Nastätter Malte Bernhardt auf seinem Elektrosegler "Mike Alpha", eine Antares 20E mit 20 m Spannweite. Er startete am Sonntag 20 Minuten vor Henke. Die Flugwege von Bernhardt und Henke waren sehr ähnlich inklusive eines unangenehmen Tiefpunkts im Sperrgebiet von Baumholder. Erst über dem Odenwald trennten sich die Flugrouten. Während Henke am Südrand des umfangreichen Sperrgebiets von Nürnberg sprintete, wählte Bernhardt die schnellen Aufwinde nördlich des Nürnberger Sperrgebiets. Über Funk tauschten sie Informationen aus. Nach ihrer Wende auf Höhe von Nürnberg war beiden schnell klar, dass es ohne Propeller im Nacken nicht nach Hause zurück gehen würde. In punkto Reichweite unterscheiden sich Elektromotor und Verbrennungsmotor nicht nur bei Automobilen recht erheblich, sondern auch bei eigenstartfähigen Segelflugzeugen. Bernhardt hatte zeitweise große Zweifel, ob die Restenergie in den Akkus seine Heimkehr ermöglichen würden. Zum Glück spendete das Rheintal auch noch in den späten Abendstunden schwache Thermik, so dass nach der Landung 20% Restkapazität verfügbar waren. Auch Bernhardts Rundengeschwindigkeit lag mit 105,96 km/h deutlich über der magischen Grenze von 100 km/h.

Nun ist es also vollbracht! Wie am Saisonanfang erhofft, beendete der Segelflugverein des Blauen Ländchens die Saison in der Eliteliga auf Platz 9 und somit klar unter den Top 10. Nur einen Zähler musste der Verein in der letzten Runde abgeben. In Rheinland-Pfalz liegt der Aero Club Nastätten nach Bundesligaregeln auf Platz 1 von 124 Vereinen. Das sind alles sehr gute Leistungen und die sehr aktiven Pilotinnen und Piloten haben bewiesen, dass sie mit schwierigen Wetterlagen besonders gut umgehen können. Und davon gab es wirklich reichlich in dieser Segelflugsaison. Denn leider wurde wieder die Siebenschläfer-Bauernregel bestätigt. Aber auch außerhalb der Bundesliga blickt der Verein auf eine sehr erfolgreiche Saison zurück. In der sogenannten World-League, der weltweiten Vereinswertung nach Bundesligaregeln, liegt der Aero Club Nastätten auf Platz 36 von insgesamt 1161 Vereinen. Es gibt neben den Bundesligaregeln auch die OLC-Plus-Wertung. Hier geht es um möglichst weite Strecken. In der Deutschland-Statistik belegt der ACN Platz 14 von 702 Vereinen und in Rheinland-Pfalz Platz 2 von 125 Vereinen. Wünschen wir uns für die Saison 2018 endlich mal wieder ein stabiles Sommerhoch mit tollem Wetter nicht nur für die Segelflieger.

 

Text: Jens-Christian Henke