Ungewöhnlich scharfe Wetterteilung. Quelle: MeteosatAm Ende der 10. Runde konnte der Aero Club Nastätten auf eine sehr erfolgreiche erste Hälfte in der Eliteliga des Segelfluges zurückblicken. Weil nur fünf Punkte erflogen wurden, muss der Verein in der Tabelle drei Zähler abgeben und liegt nun auf dem 9. Platz. Diese Tabellenposition ist allerdings recht gut abgesichert, da der Abstand zum 10. Platz satte sechs Punkte beträgt. Nach oben schaut es vielversprechend aus. Nur fünf Punkte trennen den Erstligisten vom 5. Platz.

 

Recht ungewöhnlich sahen die Satellitenbilder des Samstages aus. Die westliche Hälfte Deutschlands lag unter einer dichten Wolkendecke. Die östliche Hälfte und der Süden ließen hingegen weite Überlandflüge unter aufgelockerter Cumulusbewölkung zu. Der Übergang zwischen den beiden Wettergebieten war von Norddeutschland bis zum Main ungewöhnlich scharf gezeichnet. Nur ein Wertungsflug gelang einem ACN-Piloten am Sonntag mit Startort Paterzell am Alpenrand. Am Sonntag gab es am späten Vormittag in der Wolkendecke ein paar Löcher, die die Sonnenstrahlen bis auf den Erdboden durchließen. Im Laufe des Tages trocknete die Wolkendecke immer weiter ab. Neun verschiedene Flugzeuge wurden am Sonntag eingesetzt. Dabei wurde die Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h problemlos bewältigt. Bis auf einen Flug starteten die Bundesligapilotinnen und –piloten auf dem Segelfluggelände Nastätten. Die Flugstrategien unterschieden sich deutlich. Einzige Gemeinsamkeit war der Versuch, möglichst viel mit dem moderaten Wind aus Nordost zu sprinten.

 

Der Flugplatz Koblenz in der Bildmitte. Quelle: Dr. Peter FabianJochen Back flog mit einer Rundengeschwindigkeit von 88,51 km/h am schnellsten. Er startete um 13:00 Uhr auf der „Yankee Golf“ des Vereins. Der Einsitzer vom Typ LS4 hat 15 m Spannweite. Fast hätte sein Ligaflug vorzeitig auf einem Acker geendet. Nach ein paar guten Wolken und tragenden Linien fand er sich nordwestlich von Butzbach nur noch 260 m über Grund in einem Tal wieder. Es kostete ihn eine halbe Stunde, um sich „auszugraben“. Extrem schwache Steigwerte zwischen 0,1 m/s und 0,3 m/s ließen in Back die Hoffnung aufkeimen, doch noch weiterfliegen zu können. Aus der Hoffnung wurde bei 0,8 m/s Steigen Überzeugung und nach sehr vielen Kreisen glitt der weiße Segler wieder in mehr als 1.000 m Höhe über dem Meeresspiegel. Etwas vorsichtiger flog Back weiter in Richtung Vogelsberg. Dort wurde das Wetter deutlich homogener und die Aufwinde kräftiger. Etwa 10 km nordöstlich des Taufsteins entschloss sich Back mit Rückenwind in Richtung Eifel zu fliegen. Er erwischte tragende Linien, die bis kurz vor Weilburg eine Reisegeschwindigkeit von 115 km/h ermöglichten. Daher entschloss er sich zur Umkehr, um die guten Aufwinde ein zweites Mal nutzen zu können. Blick auf die Bergstraße kurz vor Heidelberg. Quelle: Martin FuhrEr wendete ein letztes Mal südlich von Grünberg und flog mit Rückenwind nach Montabaur. Dort verschlechterte sich die Thermik. Deshalb bog Back rechtwinklig nach links in Richtung Nastätten ab und beendete so schlagartig den Ligaflug, da dieser nur aus maximal vier Schenkeln bestehen darf.

 

Mit einer Rundengeschwindigkeit von 87,22km/h war Moritz Althaus etwas langsamer als Back unterwegs. Er startete in Zwickau zu einem Trainingsflug für die Deutsche Meisterschaft im Segelflug in der Standardklasse, für die er sich letztes Jahr qualifiziert hatte. Am stärksten waren die Aufwinde über dem Fichtelgebirge und dem Frankenwald. Althaus wendete auf Gegenkurs über dem Thüringer Schiefergebirge. Auf dem Rückweg ging es für ihn nicht mehr so schnell voran, weil mittlerweile Warmluft eingeflossen war, die die Thermikstärke drosselte. Am Westrand des Erzgebirges endete das 2,5-stündige Bundesligafenster. Althaus berichtete, dass das Überfliegen des Erzgebirges in relativ niedriger Flughöhe besonders eindrucksvoll ist.

 

Auf dem großen Doppelsitzer „Delta“ flogen Peter Fabian und Martin Fuhr mit 83,82 km/h am drittschnellsten. Das Doppelsitzer-Team startete bereits gegen 11:30 Uhr und hatte anfangs Schwierigkeiten, unter den breitgelaufenen Cumuluswolken und großflächigen Abschattungen Anschluss an die Thermik zu bekommen. Daher wurde der Beschluss gefasst, unterhalb des für Segelflugzeuge gesperrten Luftraums über Bingen direkt nach Süden ins Rheintal zu fliegen. Dort waren die Lücken in der Wolkendecke nämlich deutlich größer und es sollte hier einfacher sein, gute Aufwinde zu finden. Zunächst war es schwierig, die Höhe zu halten. Oft flog die „Delta“ weniger als 500 m über Grund. Über den Steinbrüchen nördlich des Donnersberges stieg die Wolkenunterkante endlich an und es formierten sich tragende Linien. Die Idee war, möglichst weit gegen den Wind nach Osten vorzufliegen, um dann im Bundesliga-Zeitfenster überwiegend mit Rückenwind zu sprinten. Bereits kurz hinter Heidelberg musste gewendet werden, weil es kaum noch Cumuluswolken gab, die das Ende der Aufwindschläuche anzeigten. Ein fast 150 km langer Schenkel nach Dillingen verlief mit einer hohen Reisegeschwindigkeit ganz nach Plan. Jetzt schlug das Team einen Nordkurs ein, dem sie bis zum Ende des Ligafluges 56 km weit folgten. Entspannt ging es über die Eifel und Koblenz zurück zum Heimatflugplatz.

 

Über den Rheinhängen mit Blick auf die Loreley. Quelle: Jens-Christian HenkeFür den Aero Club Nastätten könnte es in den kommenden beiden Runden bedeutsam werden, ein Ass im Ärmel zu haben. Moritz Althaus hat sich letztes Jahr für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in der Standardklasse qualifiziert, die vom 20.06. bis zum 01.07.2017 in Zwickau ausgetragen wird. In der Standardklasse ist die Spannweite der Segelflugzeuge auf 15 m limitiert. Wölbklappen am hinteren Ende des Flügels sind in dieser Klasse verboten. Sie können nach oben oder unten geschwenkt werden, um das Flügelprofil auftriebssteigernd und widerstandsmindernd an unterschiedliche Fluggeschwindigkeiten anzupassen. Althaus fokussiert sich natürlich primär auf ein gutes Abschneiden im Rahmen dieser zentralen Meisterschaft. Ein schneller Bundesligaflug ist nur ein Nebenprodukt, das aber sehr wichtig für den Erstligisten des Blauen Ländchens werden kann. Nicht nur die Pilotinnen und Piloten des ACN drücken Moritz fest beide Daumen!

 

Text: Jens-Christian Henke

 

Runde 10 – Stabil im oberen Tabellendrittel