Beste Saisonrunde für den ACN
Die Rundengeschwindigkeiten aller drei Flüge lagen klar über der magischen Marke von 100 km/h. Dieses hervorragende Ergebnis wurde auf Platz 5 mit 16 Punkten belohnt. In der Tabelle springt der Verein des Blauen Ländchens um ganze drei Zähler von Platz 17 in die obere Tabellenhälfte.

Moritz und Robert vor der Wieder sind es die Auswärtsflieger, die die schnellsten Flüge in der 16. Runde der 1. Segelflugbundesliga abliefern. Das komplette Führungstrio startete in Aalen-Elchingen zu den bisher schnellsten ACN-Flügen der Saison. 

Es war ein Glücksfall für den Aero Club Nastätten, dass das Streckenfluglager auf der Schwäbischen Alb noch nicht zu Ende war. Denn hier war die Region mit den besten Aufwinden der vergangenen Segelflugbundesligarunde. Vier Auswärtsflieger lieferten schnelle bis sehr schnelle Flüge ab. Deutlich langsamer kamen die drei Bundesligaflieger mit Startort Nastätten voran. Von dort aus gelangen immerhin drei Flüge über der Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h. Jens-Christian Henke aus Wiesbaden genoss zwei Flüge in einem. Zunächst einen 3-stündigen Segelflug mit einem 211 km langen Rückenwindschenkel von Koblenz bis zum Nordrand des Thüringer Waldes. Und dann noch einen 2-stündigen Motorflug im Sägezahnstil, um nach Nastätten zurück zu gelangen. Dabei stieg Henke mit Vollgas bis in Höhen um die 2.000 m über dem Meeresspiegel. Nach dem Einklappen des Propellerturms in den Rumpf schloss sich eine lange Gleitflugphase an. In etwa 400 m über Grund wurde der Motor erneut gezündet, um erneut zu steigen. Der Sägezahnstil ermöglicht eine etwa doppelt so große Reichweite im Vergleich zu einem kontinuierlichen Motorlauf mit reduzierter Leistung in gleicher Höhe. Gepunktet wurde am Sonnabend in ganz Deutschland. Mehr als 700 Segelflüge wurden auf den Server des Online Contests hochgeladen. Am Sonntag tat sich in der Ligawertung nichts mehr, da die Labilisierung eines Höhentroges für dichtes Gewölk sorgte, in das zahlreiche Regenschauer eingebettet waren. Bundesweit wurden nur 60 Flüge eingereicht.

Moritz Althaus war auf seiner LS8 „Juliett Oscar“ – diesmal mit 18m Spannweite – mit Abstand am schnellsten für den ACN unterwegs. Nach einem frühen Start um 10:45 Uhr musste er fast eine Stunde lang um eine akzeptable Abflughöhe kämpfen. Aber dann konnte er das traumhafte Wetter genießen. Wolkenreihungen mit Basishöhen von bis zu 2.300 m über dem Meeresspiegel luden zu sehr schnellen Bundesligaschenkeln über der Schwäbischen Alb ein. Der Kreisfluganteil von Althaus‘ Flug war mit 12,5 % sehr gering. Im 2,5-stündigen Zeitfenster legte er 330 km zurück. Das ergibt eine Reisegeschwindigkeit von fast 132 km/h. Diese Geschwindigkeit hätte noch höher ausfallen können, wenn ein Schauer den Flug nicht ausgebremst hätte. Mit nassen Flügeln ging es schnell abwärts bis auf 300 m über Grund. Nach Anwendung des Handicapfaktors ergab sich eine Rundengeschwindigkeit von hervorragenden 119,3 km/h.

Frankfurt im Dunst hinter dem TaunuskammWolfgang Turri konnte nach dem Wertungsschluss seinen Bundesligaeinstand feiern. Er flog zusammen mit Co-Pilot und Coach Peter Fabian den Vereinsdoppelsitzer „Yankee Hotel“, eine DG-1001T mit 20 m Spannweite. Gleich nach dem Schleppflug hinter einem Motorflugzeug gelang dem Team in einem kräftigen Aufwind der Anschluss an die Wolkenstraßen über der Schwäbischen Alb. Trotz eines lebhaften Gegenwindes aus westlicher Richtung erzielten sie auf ihrem ersten 107 km langen Schenkel eine Reisegeschwindigkeit von 93 km/h. Da die Alb in südwestliche Richtung topographisch flach bis auf etwa 1.200 m Höhe ansteigt, musste immer ein Auge auf Außenlandemöglichkeiten gerichtet werden. Südwestlich des Klippenecks lag die einzige Wende im Bundesligazeitfenster. Auf Gegenkurs mit dem Wind im Rücken ging es nach Eichstätt. Der zweite Bundesligaschenkel war fast 200 km lang und wurde mit einer Reisegeschwindigkeit von erstaunlichen 146 km/h zurückgelegt. Ungefähr 10 km hinter Aalen-Heidenheim war das Ende der Wolkenstraße erreicht. Der Kurbelanteil im Bundesligazeitfenster betrug genau wie bei Althaus nur sehr geringe 12,5 %. Mittlerweile war jedoch – wie vom Wetterbericht vorhergesagt – Warmluft in das Fluggebiet eingesickert. Je größer der Temperaturunterschied zwischen dem sonnenbestrahlten Boden und dem darüber liegenden Luftpaket ist, desto stärker ist der Aufwind. Warmluft reduziert diesen Temperaturunterschied, so dass der Aufwindschlauch deutlich langsamer aufsteigt und inhomogener ist. Der Segelflieger spricht von „zerrissener“ Thermik, in der das Steigzentrum springt und daher immer wieder neu gesucht werden muss. Ein Rückflug nach Aalen-Elchingen war im Segelflug nun nicht mehr möglich, so dass das Hilfstriebwerk genutzt wurde.

Robert Göbel flog auf seiner DG-808B „Juliett Delta“ (18 m Spannweite) mit 102,4 km/h die drittschnellste Rundengeschwindigkeit. Auch er platzierte seine Bundesligaschenkel über der Schwäbischen Alb und folgte den Wolkenstraßen. Unweit von Tuttlingen konnte er auf eine Flughöhe von 2.600 m über dem Meeresspiegel steigen.

Um üppige 16 Zähler konnte der Aero Club Nastätten in der 16. Runde sein Rundenkonto aufstocken. Damit macht der Segelflugverein des Blauen Ländchens in der Tabelle einen kräftigen Sprung nach oben. Er liegt jetzt sehr erfreulich auf dem 14. Platz in der oberen Tabellenhälfte. Der Abstand zur Abstiegszone beträgt 42 Punkte. Der Verbleib in der 1. Segelflugbundesliga sollte jetzt kein Problem mehr sein.

Runde 16 – Beste Saisonrunde