Der Klassenerhalt wird immer wahrscheinlicher
Wie festgenagelt präsentiert sich der Aero Club Nastätten seit vier Runden auf dem erfreulichen 17. Tabellenplatz. In der 15. Runde konnte wieder zweistellig gepunktet werden. Die Auswärtsflieger auf dem Streckenflugtraining in Aalen-Elchingen konnten leider keine Flüge beisteuern. Zwei Flüge mit Startort Lüsse südlich von Berlin waren ganz vorne dabei. Weitere zwei Flüge gelangten am Sonntag von Nastätten aus.

Kumulanten vor dem Start zur WettbewerbsaufgabeDas gute Segelflugwetter über Deutschland blieb auch in der 15. Runde sehr inhomogen verteilt. Am Sonnabend konnte nur im Norden gut geflogen werden. Am Sonntag im Norden und in der Mitte. Zum Glück war der ACN mit Auswärtsfliegern sehr gut aufgestellt. Südlich von Berlin nahm ein Doppelsitzer-Team am Qualifikationswettbewerb „Lilienthal Glide 16“ teil. Im Süden warteten zahlreiche Piloten des Streckenflugtrainings vergeblich auf Rennwetter über der Schwäbischen Alb. In der Mitte über dem Blauen Ländchen war die Thermik am Sonnabend erfreulich gut und erheblich besser als vorhergesagt. Ein zentrales Hochdruckgebiet ist immer noch nicht in Sicht. Es ist unglaublich, dass auch nach dem Ende der 15. Runde das maximale Kontingent von 90 Rundenflügen immer noch nicht ausgeschöpft werden konnte. Aber vielleicht gelingt das ja noch in einer der bevorstehenden vier Runden der Bundesliga-Saison.

Peter Fabian und Olaf Merbt lieferten auf der „Lima Mike“, eine ASH 25 E mit 25,6 m Spannweite, im Rahmen des Qualifikations-Wettbewerbs die beiden schnellsten Bundesligaflüge für den ACN ab. Am Sonntag waren sie im Bundesliga-Zeitfenster mit einer Reisegeschwindigkeit von 111 km/h unterwegs. Ausgeschrieben war eine für die Stärke der Thermik eher zu klein ausgeschriebene sogenannte Racing Task über 315 km. Bei einer Racing Task gibt es exakt definierte Wenden, die über die Navigationsgeräte gefunden und möglichst eng umrundet werden müssen. Die schnellsten Piloten erzielten sogar Reisegeschwindigkeiten von mehr als 138 km/h. Die Wendepunkte der Racing Task waren Nahrstadt und Vogelberg. Nach Anwendung des Handicap-Faktors für den großen Doppelsitzer ergab sich eine Rundengeschwindigkeit von 95,3 km/h.

Der Flugplatz Lüsse am oberen Rand des BildesAm Sonnabend sah es zunächst nicht danach aus, als könnten die ausgeschriebenen Aufgaben schnell absolviert werden. Die Clubklasse wurde in der Luft neutralisiert. Das bedeutete, dass die Wettbewerbsleitung wegen zu geringer Steigwerte die zuvor gestellte Aufgabe stornierte, damit keine unnötigen Risiken für die Pilotinnen und Piloten entstehen. Anders als in der Offenen Klasse und in der Doppelsitzer-Klasse dürfen die leichten Einsitzer mit maximal 15 m Spannweite nicht motorisiert werden. Dann bleibt nur die Außenlandung, wenn kein rettender Aufwind mehr gefunden wird. Jede Außenlandung stellt aber auch ein Risiko dar. Hochspannungsleitungen lassen sich zumeist gut aus größerer Höhe ausmachen. Zäune und Gräben werden oft erst im Endanflug erkannt, wenn es zu spät ist, sich für einen anderen Acker zu entscheiden. Passt die tatsächliche Aufwindqualität nicht mehr zur gestellten Aufgabe, wird neutralisiert. Ziel ist es, dass mindestens 30% der Piloten wieder zum Startflugplatz zurückkehren. Wird der Tag in der Luft neutralisiert, dann können die Piloten landen oder zum Vergnügen weiterfliegen. Eine Wertung gibt es dann vielleicht noch für die Bundesliga, aber nicht mehr für die gestellte Tagesaufgabe. Der Himmel präsentierte sich grau in grau als das „Lima Mike“-Team am Seil hinter einem Motorflugzeug auf Höhe geschleppt wurde. Ihre Aufgabe führte sie aber in Gebiete mit guten Steigwerten. Es ging nach Spremberg im Spree-Neiße Landkreis, über das polnische Rzepin unweit der deutsch-polnischen Grenze und vorbei an der großen Luftschiffhalle bei Brand zurück nach Lüsse. Im Bundesligazeitfenster war das Team 91,9 km/h schnell.

Niedrige Wolken...Der drittschnellste Bundesligaflug startete auf dem Segelfluggelände Nastätten. Jochen Back mit Co-Pilot Axel Bubenik starteten spät gegen 13:40 Uhr in der „Yankee Delta“, eine DG-1001 mit 20 m Spannweite. Der Wetterbericht versprach nur geringe bis mäßige Thermik, die im Laufe des Tages von Schauern und Gewittern gestört werden sollte. Trotz der wenig aussichtsreichen Prognose ging das Team an den Start. Der Blick in den Himmel zeigte Back, dass sich über dem Blauen Ländchen eine Luftmassengrenze befand. Im Nordwesten war die Luft sehr feucht und diesig mit deutlich niedrigerer Wolkenbasis. Die Aufwinde auf der anderen Seite der Wettergrenze reichten deutlich höher und die Wolkenobergrenzen ließen nicht vermuten, dass sich in den nächsten Stunden noch Schauer oder Gewitter entwickeln würden. Für Back und Bubenik gab es einen zähen Start. Bei Katzenellenbogen wurde mangels Aufwinden lieber umgekehrt, um den motorlosen Doppelsitzer nicht nach 10 km Flugstrecke auf einem Acker außenlanden zu müssen. Ein leichter Aufwind über Holzhausen nur noch 280 m über Grund bewahrte das Team vor einer Zwischenlandung auf dem Heimatflugplatz. Beim zweiten Abflugversuch lief es deutlich besser. Über dem Jammertal ging es auf 1.400 m über dem Meeresspiegel. Nun konnte nach Limburg in das deutlich bessere Wetter geglitten werden. An der Luftmassengrenze bildete sich eine Wolkenstraße, die mit der Zeit immer zuverlässigere Aufwinde spendete. Mehrfach lag nun die Flughöhe über 1.500 m über dem Meeresspiegel. Nordwestlich von Marburg war das gute Wetterfenster zu Ende. Auf Gegenkurs flog Back nach Weilburg zurück, um dann noch einmal unter den kräftigen Aufwinden bis an den Südrand von Marburg zu sprinten. Jetzt war es Zeit für den Rückflug direkt nach Nastätten. Backs Rundengeschwindigkeit betrug 84,3 km/h.

Gelandeter Segler vor der SonneAuch in der 15. Bundesligarunde lieferten die Auswärtsflieger die schnellsten Flüge ab. Auf dem 10. Rundenplatz wurden dem Rundenkonto des Aero Club Nastätten erneut elf Punkte gutgeschrieben. Damit verbleibt der Erstligist des Blauen Ländchens zum vierten Mal in Folge auf dem komfortablen 17. Tabellenplatz unweit der Tabellenmitte. Da nur noch vier Runden geflogen werden, sollte es mit dem Verbleib in der 1. Segelflugbundesliga klappen. Das Streckenflug-Trainingslager auf dem Flugplatz Aalen-Elchingen endet erst am übernächsten Wochenende, so dass wieder Auswärtsflieger für die 16. Runde zur Verfügung stehen. Die Wetterprognosen favorisieren jedoch momentan Nastätten als den besseren Startort für hurtige Luftrennen. 

Runde 15