Auswärtsflieger sichern die Tabellenmitte
Von Nastätten aus wäre es wohl nicht möglich gewesen, in der 14. Runde der 1. Segelflugbundesliga zu punkten. Im Rahmen eines Streckenflug-Trainingslagers auf der Schwäbischen Alb gelangen jedoch sehr schnelle Flüge. Elf Rundenpunkte sichern zum dritten Mal in Folge den erfreulichen 17. Tabellenplatz unweit der Tabellenmitte ab.

Über dem Blauen Ländchen standen am Sonnabend beim Blick in den Himmel weniger das Studium der Blautöne im Vordergrund, sondern vielmehr das gesamte Spektrum an Grautönen. Unter dem dicken Wolkenschirm war die Luft für die Segelflieger mausetot. Am Sonntag gab es deutlich mehr blau und durch die Sonneneinstrahlung auch etwas Thermik. Diese war für einen Bundesligaflug aber zu schwach und zu unzuverlässig. Wie gut, dass momentan das Streckenflugtraining des Landesverbandes Rheinland-Pfalz in Aalen-Elchingen auf der Schwäbischen Alb stattfindet. Jeweils fünf schnelle Bundesligaflüge gelangen an den beiden Tagen des Wochenendes. Am Sonnabend gab es einen weiteren ACN-Flug mit Startplatz Bruchsal, der klar über der 40 km/h-Hürde lag. Die Bundesligaregeln schreiben vor, dass pro Pilot nur der schnellste Rundenflug eingereicht werden darf. Aus diesem Grund taucht ein Pilotenname nie doppelt in der Rundenwertung auf.

Moritz Althaus kehrte in seinem Förderflugzeug „Juliett Oscar“ nicht zum Startflugplatz zurück. Etwa 10 km nordwestlich von Ingolstadt endete sein Flug auf einer Wiese. Auch sehr guten Piloten gelingt es nicht immer, einen rettenden Aufwind zu finden. Wenn dann kein Flugplatz in der Nähe ist, bleibt dem Piloten eines reinen Segelflugzeuges als letzte Option nur noch die Außenlandung. So eine Außenlandung wird im Rahmen der Ausbildung geübt und ist im Segelflug nichts Ungewöhnliches. Bevorzugt wird ein Getreidefeld mit niedrigem Bewuchs, in dem möglichst gegen den Wind und gerne auch bergauf gelandet wird. Althaus‘ Außenlandung in der LS8 – heute mit nur 15 m Spannweite in der Luft – war völlig unproblematisch. Nach dem Rücktransport des Segelflugzeuges im Anhänger gab es eine freudige Überraschung. Obwohl keine Zeit mehr war, Wasserballast zu tanken und sein Flug bereits nach nur drei Stunden im Acker endete, erzielte er mit 103,6 km/h die mit Abstand schnellste Rundengeschwindigkeit. Er folgte zunächst den tragenden Linien über der Schwäbischen Alb in südwestlicher Richtung bis zu seiner Wende über Fridingen an der Donau. Auf Gegenkurs ging es am Nördlinger Ries vorbei bis zu seinem ungewollten Landeort. Althaus berichtete, dass er unglaublich viel Spaß hatte, obwohl ein von ihm geplanter raumgreifender Flug nicht realisiert werden konnte.

Den zweitschnellsten Flug lieferte Robert Göbel in seiner DG-808B „Juliett Delta“ mit 18 m Spannweite ab. Seine erste Wende lag unweit der von Althaus und auch er flog südlich am Nördlinger Ries vorbei. Seine zweite Wende lag 10 km nördlich von Ingolstadt. Auf Gegenkurs ging es über Ulm nach Blaubeuren und von dort direkt zurück zum Startflugplatz Aalen- Elchingen. Göbels Flughöhe lag fast immer über 1.500 m. Ein großer Teil seines Fluges fand sogar sehr komfortabel oberhalb von 2.000 m über dem Meeresspiegel statt. Im 2,5-stündigen Bundesligazeitfenster war er 97,6 km/h schnell.

Das Bundesligateam der 14. Runde komplettierte Sascha Stüber aus Miehlen auf seiner DG-300 „Sierra Tango“ mit 15 m Spannweite. Auch er nutzte die kräftigen Aufwind am Südrand der Alb bis zu seiner 110 km entfernten ersten Wende bei Leipertingen. Auf Gegenkurs ging es zum Nördlinger Ries. Diese Ebene besteht aus den Überresten eines 14,6 Millionen Jahre alten Einschlagkraters eines Meteoriten mit einem Durchmesser von etwa 1,5 km. Im Vergleich zur höher gelegenen Schwäbischen und Fränkischen Alb ist dieses Gebiet für magere Aufwinde bekannt. Deshalb nutze Stüber die Aufwinde am Westrand des Einschlagskraters zur Rückkehr auf den Rücken der Schwäbischen Alb. Die Thermik trocknete jetzt zunehmend ab. Das bedeutete, dass die Aufwindschläuche nur noch selten mit einer Cumuluswolke markiert waren. Stüber musste daher auf dem nur 25 km vom Startort entfernten Flugplatz Gerstetten landen. Nach einer Tasse Kaffee unternahm er den Heimflug, da sich wieder vereinzelt Cumuluswolken am Himmel zeigten. Obwohl an der Winde nur 300 m Ausklinkhöhe möglich waren, gelang es Stüber, in einem schwachen Aufwind so viel Höhe zu tanken, so dass er ohne weitere Thermik nach Aalen-Elchingen zurückgleiten konnte. Er erzielte eine Rundengeschwindigkeit von 79,6 km/h.

Immerhin profitierte die südöstliche Hälfte der Bundesrepublik in der 14. Bundesligarunde voll und ganz vom lang ersehnten Sommerwetter. Mit Hilfe der Auswärtsflieger konnte der Aero Club Nastätten sein Rundenkonto mit sehr wertvollen elf Zählern aufstocken. Das änderte zwar erneut nichts am 17. Tabellenplatz, erhöhte aber die Wahrscheinlichkeit auf den Verbleib in der Top-Liga ganz erheblich. Denn jetzt werden nur noch fünf von insgesamt 19 Runden ausgeflogen. Immerhin konnten in der aktuellen Runde alle 30 Erstligisten punkten. Sollte es in der 15. Runde der 1. Segelflugbundesliga erstmals gelingen, die maximale Anzahl von 90 Wertungsflügen auszuschöpfen? Die aktuellen Wetterprognosen lassen leider Raum für Zweifel. Es bleibt also spannend.

Runde 14 – Tabellenmitte sicher