Sommer-Intermezzo über dem Blauen Ländchen
In der 13. Bundesligarunde gab es endlich mal wieder zwei vollwertige Flugtage. Am Samstag lagen sechs Flüge über der Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h und am schwülwarmen Sonntag waren es vier Flüge. Der schnellste der zehn Bundesligaflüge startete jedoch nicht in Nastätten, sondern in Bruchsal im Rheintal.

Schwarzwald aus der LuftDie Segelfliegerinnen und Segelflieger des Blauen Ländchens sind ja mittlerweile froh, wenn es am Wochenende nicht regnet. An Kaiserwetter mit locker verteilten, strahlendweißen Kumuluswolken wagt in dieser Saison niemand mehr zu glauben. Die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes stellten sich für beide Tage als zu optimistisch heraus. Die Basishöhe der Blumenkohlwolken lag mit 1.500 m über dem Meeresspiegel mehr als 400 m niedriger als versprochen. Die Vereinskameraden waren nach dem Morgenbriefing am Sonnabend uneinig, ob nun dieser oder der Folgetag die schnelleren Flüge ermöglichen würde. Beim Zuschieben der Hallentore, kurz vor dem Endspiel der Fußball-Europameisterschaft, war aber klar, dass für die Erstligisten des Blauen Ländchens der kühlere Sonnabend der bessere Thermiktag der 13. Runde war. Es gab nämlich deutlich mehr Kumuluswolken, die die Aufwindschläuche markierten. Die Aufwinde waren außerdem insgesamt etwas zuverlässiger und kräftiger. Immerhin konnte über Deutschland sehr verbreitet geflogen werden, was die Flugspuren an beiden Tagen des Wochenendes deutlich zeigten. Wieder musste ein Verein der 30 Erstligisten beim Hochladen auf die Online-Plattform komplett passen. Das bedeutet erneut – das Murmeltier lässt grüßen –, dass bisher in jeder der 13 von 19 Runden immer noch nicht das Maximalkontingent von 90 deklarierten Flügen ausgeschöpft werden konnte. Diese Segelflugsaison ist wirklich eine große Herausforderung.

Schwarzwald Nr. 2Der einzige Bundesligaflug außerhalb des Heimatflugplatzes Nastätten war mit einer Rundengeschwindigkeit von 84,6 km/h gleichzeitig auch der schnellste. Ilka Elster-Back startete um 12:10 Uhr mit Co-Pilot Holger Back in einer DG-1001M (20 m Spannweite) auf dem Flugplatz Bruchsal im Rheintal. Da die Wolken in Richtung Westen gut aussahen, wollte sich das Ehepaar zuerst gegen den 20-25 km/h starken Wind vorarbeiten, um dann nach der Wende mit dem Wind im Rücken einen guten Bundesligaschnitt erzielen zu können. Schon bald zeigte sich aber, dass die Wolkenoptik irreführend war. Unter schönsten Wolken fanden die beiden Backs manchmal nur einen knappen Meter Steigen pro Sekunde, um dann wieder plötzlich und unerwartet 3 m/s zu erwischen. Bei Pirmasens drehten sie daher um. Bis zu ihrer Wende querab von Karlsruhe lief es sehr gut. Hinderlich war der Luftraum vom Baden Airport, der die Flughöhe einschränkte. Als die beiden wieder maximal steigen durften, fanden sie unter schönsten Wolken kein gutes Steigen mehr. Entnervt gaben sie nördlich von Mühlacker den Rückenwindschenkel auf und flogen den Schwarzwald an. An seiner Westkante ging es in einer Mischung aus Thermik und Hangaufwind bis zur Hornisgrinde und weiter bis querab Offenburg mit deutlich steigender Reisegeschwindigkeit gut voran. Auf ihrem Rückweg wählten sie die gleiche Taktik. Sie nahmen an, dass auch der durch den Westwind angeströmte Odenwald ähnlich gute Aufwinde bereithalten könnte. Also flogen sie weiter in den Norden, vorbei an Baden-Baden, Germersheim und die kleine Hügelkette östlich von Karlsruhe. Bis nach Walldorf fanden sie verlässliche Aufwinde. Ab Heidelberg bis zum Melibokus bei Bensheim, dem höchsten Berg an der südhessischen Bergstraße, waren die Steigwerte sehr gut. Auch auf dem Rückweg nach Süden war der Flug Genussfliegen pur.

Dem Wiesbadener Jens-Christian Henke gelang mit 78,0 km/h der zweitschnellste Bundesligaflug. Er startete um 12:20 Uhr auf seiner DG‑808C „Tango Mike“ (18 m Spannweite) erstmals nicht im Eigenstart, sondern an der Winde. Sein Plan bestand darin, mit Gegenwindkomponente bis nach Aachen zu fliegen. Dort sollte das 2,5-stündige Bundesligazeitfenster beginnen. Wegen der komplizierten Luftraumstruktur der Flughäfen Köln und Düsseldorf konnte er keinen reinen Ostkurs fliegen. Überdies standen über der Eifel kräftigere Aufwinde als über dem Flachland. Das Kraftwerk Weisweiler flog Henke niedrig an, weil er über den Kühltürmen sehr gute Aufwinde erwartete. Vier Minuten verbrachte er über der beeindruckenden Wasserdampfshow, ohne an Höhe gewinnen zu können. Er musste wenig später nur noch gut 400 m über Grund den nächsten verfügbaren Aufwind annehmen. Immer noch viel zu niedrig, um direkt in das Bergland einfliegen zu können, tastete er die optisch schönen Wolken ab, die über dem Naturschutzgebiet Drover Heide standen. Er musste sich mit mäßigen Steigwerten zufriedengeben. Südlich des Ortes Nideggen gelang endlich der Einstieg zurück in den Nationalpark Eifel. Schnell stieg er auf 1.500 m über dem Meeresspiegel. Den 60 km langen Bundesligaschenkel zurück nach Mendig legte er mit einer Reisegeschwindigkeit von erfreulichen 80 km/h zurück. Der zweite Schenkel in den Nordosten war 144 km lang und 92 km/h schnell. Homogene Aufwindverhältnisse stellen sich aber immer noch nicht ein. Immer wieder galt es, unter breitgelaufenen Kumuluswolken die Aufwindkerne zu entdecken. Erst zum Ende des zweiten Schenkels lockerte die Bewölkung auf und das Auffinden der Aufwindschläuche wurde einfacher. Östlich von Stadtallendorf um 17:30 Uhr wurde es nun Zeit, den Rückweg nach Nastätten anzutreten. Gegen den Wind in der immer schwächer werdenden Abendthermik waren die 105 km nach Hause nur schwer zu bewältigen. Jede Chance zum Obenbleiben wurde genutzt. 35 km vor dem Ziel fiel das elektronische Variometer aus, das die Vertikalbewegung des Seglers akustisch anzeigt und die Moving Map mit Positionsdaten versorgt. Das Problem konnte im Flug nicht mehr gelöst werden, so dass nach Ortskenntnis und offizieller Flugkarte weitergeflogen wurde. Letztendlich fehlten nur wenige Hundert Höhenmeter für den Heimflug. In der Platzrunde des Segelfluggeländes Michelbach musste das Triebwerk für zwei Minuten gestartet werden, was keinen Einfluss auf die Rundengeschwindigkeit der Bundesliga hat. Es gibt aber weitere Wettbewerbskategorien, die viele Bonuspunkte geben, wenn der Startort im reinen Segelflug erreicht wird. Das ist aber nicht der Hauptgrund, warum Segelfliegerinnen und Segelflieger bis zuletzt um den Heimflug kämpfen. Es geht vielmehr um die Genugtuung, einen großen Flug allein mit Sonnenenergie nach Hause zu bringen.

 

Das Bundesligateam der 13. Runde komplettierten Martin Fuhr mit Co-Pilot Uli Leukel. Sie starteten gegen 13:30 Uhr. Auch dem Team des großen Doppelsitzers „Delta“ vom Typ ASH25Mi (26,5 m Spannweite) gelang es ganz selten, Flughöhen oberhalb von 1.500 m über dem Meeresspiegel zu erklimmen. Bei Lauterecken startete sie nach einem Tiefpunkt ihr Bundesligazeitfenster. Mit Nordkurs überquerten sie den Hunsrück, um dann diesem bis nach Hermeskeil zu folgen. Auf Gegenkurs ging es bis nach Taunusstein. Ihre Rundengeschwindigkeit betrug 77,8 km/h.

Grauer Kopf nahe dem HeimatflugplatzDer Sommer machte sich am vergangenen Wochenende erfreulich deutlich mit ganzen 10 Bundesliga-Segelflügen bemerkbar. Auf dem 24. Tabellenplatz gibt es aber leider nur einen Trostpunkt. Trotzdem kann sich der Aero Club Nastätten in der Tabelle auf Rang 17 halten. Nächstes Wochenende soll es nach einer ziemlich wechselhaften und regnerischen Arbeitswoche wieder wärmer und trockener werden. Das lässt erneut auf viele schöne Flüge hoffen.

Runde 13