ACN vor der Abstiegszone
Das ungewöhnlich schwierige Segelflugwetter hält an. Nur zwei der vier Bundesligaflüge des ACN knacken die Mindestwertungsgeschwindigkeit.

YH im F-SchleppIn der 1. und 2. Segelflugbundesliga treten jeweils 30 Vereine in 19 Wochenend-Runden gegeneinander an. Da jeder Verein seine besten drei Flüge einreichen darf, ergeben sich pro Runde normalerweise 90 Flüge. Selbst mittelprächtiges Wetter ermöglicht ganz problemlos drei Wertungsflüge pro Verein, da oft mehr als 10 Pilotinnen und Piloten zu den Luftrennen antreten. Nur bei wirklich schlechtem Wetter gelingen weniger als drei Flüge über der Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h. Die Qualität des Segelflugwetters lässt sich also leicht, direkt und objektiv an der Anzahl der eingereichten Flüge ablesen. In gar keiner der sieben ersten Runden der Saison 2016 wurde das Kontingent von 90 Wertungsflügen ausgeschöpft. Weder in der 2. noch in der 1. Segelflugbundesliga! Das ist wirklich ungewöhnlich und die Erstligisten des Blauen Ländchen wünschen sich sehr, dass dieser Trend vom Wettergott bald durchbrochen wird. Verantwortlich für die unerfreulichen Überschwemmungsbilder im Fernsehen war ein Tiefdruckgebiet über der Biskaya, das hochlabile Luft in die südliche Hälfte des Wettbewerbsgebiets schaufelte. Am Sonntag entstanden über Süddeutschland extreme Gewitterkomplexe, die jeden Gedanken an einen Segelflug im Keim erstickten. Der Norden und Osten profitierte von trockeneren, deutlich weniger explosiven Luftmassen, die erstaunlich schnelle Ligaflüge bis zu 115 km/h ermöglichten.

Nachwuchstalent Moritz Althaus gelang der schnellste Bundesligaflug für den Aero Club Nastätten im Rahmen des D-Kader-Trainings des Landesverbandes. Moritz konnte kürzlich seinen ersten internationalen Wettbewerb in Hockenheim nach sieben Wertungstagen mit einem hervorragend 4. Platz abschließen. Am Sonnabend startete er auf dem Flugplatz Landau zur Wende über dem Flugplatz Weinheim. Er musste seinen Segelflug deutlich unter der Marke von 1.000 Metern über dem Meeresspiegel meistern. Das ist trotz des niedrig gelegenen Rheintals eine sehr geringe Arbeitshöhe. Wegen der uneinheitlichen Bedingungen musste Moritz viele zeitraubende Haken schlagen, um den Anschluss an den nächsten Aufwind sicherzustellen. Als die „Juliett Oscar“, eine LS8 mit 15 m Spannweite, über Weinheim wendete, tobte bereits über dem Taunus das erste Gewitter. Der Rückflug in südwestliche Richtung zum Startflugplatz Landau erfolgte gegen den Aufzug eines weiteren großen Gewitters, das über dem Pfälzer Wald empor schoss. Vor einem Gewitter entstehen meist hervorragende Aufwinde, die sehr schnelle Bundesligaschenkel ermöglichen würden. Allerdings darf der Bogen nicht überspannt werden, weil Turbulenzen, Blitze und Hagel lebensgefährlich werden können. Aus diesem Grund hat Moritz den Flug vor dem Ende des Bundesligazeitfensters vorzeitig abgebrochen, um sicher auf dem Startflugplatz Landau landen zu können.

Klaus und Martin vor dem StartKlaus Doubek mit Co-Pilot Martin Fuhr gelang der zweite Bundesligaflug für den ACN. Das Team startete vor dem Aufzug des Taunusgewitters auf ihrem großen Doppelsitzer „Delta“ (26,5 m Spannweite). Sie flogen zunächst in nordnordwestliche Richtung, um den großflächigen Abschirmungen zu entfliehen. Trotz des im Vergleich zum Rheintal deutlich höher gelegenen Geländes, mussten sie sich mit Arbeitshöhen um 1.000 Meter über dem Meeresspiegel zufrieden geben, was den Flug sehr herausfordernd machte. Über Grund ist man dann oft noch weniger als 500 Meter hoch, was höchste Konzentration erfordert, um den nächsten Aufwind zu finden. Das Bundesligazeitfenster konnte noch durch einen Abstecher in den Westerwald ausgefüllt werden. Nun war allerdings der Rückweg nach Nastätten thermisch tot. Wegen einsetzenden Regens bei Montabaur musste sogar das Hilfstriebwerk für wenige Minuten gezündet werden, um den Gleitflug zu verlängern.

Malte Bernhardt auf seiner Antares 20m mit Elektroantrieb und Holger Back mit Co-Pilot Torsten Besser auf dem Vereinssegler „Yankee Hotel“ gaben ebenfalls alles. Beide blieben aber knapp unter der Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h. Der Kommentar von Malte: „Fette Schauer und Gewitter inmitten unserer durch die Kontrollzonen eingeschränkten Lufträume – irgendwann gibt’s dann keine Lücke mehr.“ Holger traf in der Luft ein sehr seltenes Schwarzstorchpaar. Ein Erlebnis, dass er ohne die Bundesliga verpasst hätte.

Gewitter am HimmelDer Erstligist des Blauen Ländchens gehört immerhin zu den 20 von 30 Vereinen, die sich überhaupt in die Wertung der 7. Runde hineingearbeitet haben. Auf Platz 19 gibt es immerhin zwei Punkte. Die Tabellenplatzierung sorgt jedoch für Sorgenfalten: Platz 23 liegt genau vor der Abstiegszone. Es gibt aber einen Lichtblick, da der Abstand mit acht Punkten recht groß ist. Für einen noch optimistischeren Ausblick sorgt der Punkteabstand zu den unmittelbaren Konkurrenten, der sehr eng ist. Nur acht Punkte mehr und der AC Nastätten befände sich recht komfortabel in der Tabellenmitte. 

Runde 7