Aero-Club Nastätten erfliegt sechs Rundenpunkte in Starkwindthermik
Wegen schwieriger Wetterbedingungen liegen nur drei ACN-Flüge oberhalb der Mindestwertungsgeschwindigkeit.

DonnersbergDie Eisheiligen regierten die fünfte Runde der ersten Segelflugbundesliga im gesamten Wettbewerbsgebiet. Die kalte Luftmasse wäre perfekt für schnelle Flüge geeignet gewesen, wenn sie deutlich weniger Feuchtigkeit enthalten hätte. Feuchte lässt die schönen Blumenkohlwolken entstehen, die den Segelfliegern zeigen, wo die Aufwindschläuche stehen. Zu viel Feuchte bedeutet jedoch, dass die Blumenkohlwolken sich kaum noch auflösen und in die Breite zerlaufen. Dann gelangen nur noch wenig Sonnenstrahlen auf den Boden und die Zahl der Aufwinde nimmt drastisch ab. Malte Bernhardt und Jens-Christian Henke besprachen sich vor dem Start am Samstag. Geplant war ein Flug zunächst gegen den sehr lebhaften Nordwestwind in Richtung Aachen. Danach wäre ein langer Rückenwindschenkel möglich gewesen, der eine hohe Rundengeschwindigkeit garantiert hätte. Der Plan ging jedoch nicht auf. Trotz früher Starts gegen 12:30 Uhr und zunächst sehr guten Aufwinden, wurden beide Piloten durch immer seltener werdende Sonnenflecken unter dem Wolkenteppich ausgebremst, so dass die Wende bei Aachen aufgegeben werden musste. Holger Back und Moritz Althaus starteten im Rheintal, das nur für wenige Stunden mit brauchbaren Aufwinden ausgestattet war. Am Sonntag war die kalte Luftmasse immer noch da. Noch mehr Feuchte ließ sie im Laufe des Tages Regenschauer produzieren. Weitere Bundesligaflüge waren nun nicht mehr möglich.

Jens-Christian Henke kombinierte den Bundesligaflug mit einem Ausbildungsflug. Für Philipp Goebel, der kurz vor der praktischen Prüfung für den Segelflugschein steht, war es mit über sechs Stunden sein bisher längster Segelflug. Die beiden starteten auf dem Vereinssegler „Yankee Hotel“ (20 m Spannweite) an der Winde. Problemlos gelang ihnen über Nastätten der Anschluss an kräftige Thermik. Es musste gegen einen mit über 40 km/h sehr lebhaften Nordwestwind geflogen werden. Ohne Aufwinde schmolz die Höhe schnell dahin. Bei Bad Ems war zu viel Höhe verbraucht, um das Weitergleiten in ansteigendes Gelände verantworten zu können. Das Team schaltete nun in den Überlebensmodus. Das bedeutet bei Starkwind, nur noch mit Rückenwind zu gleiten, damit die vorhandene Höhe in wesentlich mehr Strecke umgesetzt werden kann. Nur noch gut 300 Meter über Grund fand sich über dem Wald zwischen Schweighausen und Oberwies ein sehr starker, aber extrem turbulenter Aufwind. Ein neuer Plan bestand nun darin, in das flache Rheintal zu fliehen, das bei nur 1.500 m Wolkenbasis mehr Arbeitshöhe erlauben würde. Mit der starken Rückenwindkomponente konnten die ersten beiden Bundesligaschenkel mit einer erfreulichen Reisegeschwindigkeit von fast 100 km/h Jens und Philipp vor der DG 1001 Turbozurückgelegt werden. Ein direkter Einflug in das Rheintal ist wegen der komplizierten Luftraumstruktur nicht möglich. Daher musste ein Flugweg über Bad Sobernheim gewählt werden. Gerne wäre das Team mit dem schönen Rückenwind bis nach Heilbronn geflogen. Die Bewölkung wurde jedoch immer dichter und somit aufwindärmer. Bereits südlich von Grünstadt musste in den kräftigen Gegenwind gewendet werden, der die Reisegeschwindigkeit fast halbierte. Über Lauterecken lag die dritte Wende vor dem vierten und damit letzten Bundesligaschenkel. Die abschirmende Bewölkung über dem Rheintal hatte sich mittlerweile in Richtung Süden verzogen. Jetzt war für die DG-1001T der Weg bis nach Heidelberg frei. Dort gelang in nur noch 350 Metern über Grund der Anschluss an einen Aufwind. Im reinen Segelflug ging es noch bis nach Pfeddersheim. Nur noch gut 200 Meter über Grund musste das Hilfstriebwerk erstmals in Betrieb genommen werden. Es folgten zwei weitere Motorläufe, ohne die eine Rückkehr nach Nastätten nicht möglich gewesen wäre. Der Wind frischte weiter auf und blies oft mit mehr als 50 km/h. Ab Heidelberg dauerte es drei Stunden, bis die „Yankee Hotel“ kurz vor den 19:00 Uhr Nachrichten auf dem Heimatflugplatz ausrollte. Der Lohn der Mühe war der schnellste ACN-Flug mit 76,6 km/h.

Heidelberg aus der LuftEbenfalls auf einer DG-1001 (20 m Spannweite) flogen Holger Back mit Co-Pilotin und Ehefrau Ilka Elster-Back. Sie starteten in Bruchsal mit Nordkurs, um schnell zu den aufwindversprechenden Blumenkohlwolken über der Bergstraße zu gelangen. Auf dem Schenkel zwischen Heppenheim und Heidelberg waren sie mit einer Reisegeschwindigkeit von 146 km/h am schnellsten unterwegs. Zwei Gegenwindschenkel reduzierten die Rundengeschwindigkeit jedoch erheblich. Das Team lieferte mit 61,3 km/h die zweitschnellste Rundengeschwindigkeit für den ACN ab.

Malte Bernhardt startete auf seinem Elektrosegler Antares 20m (20 m Spannweite) in Nastätten. Über Koblenz versuchte er den Einstieg in die Eifel, was jedoch aufgrund großflächiger Abschirmungen nicht gelang. Um überhaupt in der Luft bleiben zu können, musste er viele Haken schlagen und auch sehr schwache Aufwinde nutzen. Über Montabaur flog er zurück nach Nastätten. Seine Rundengeschwindigkeit betrug 43,6 km/h.

Blick in Richtung WiesbadenDas Wetter der 5. Runde war für fast alle Erstligisten eine große Herausforderung. Nur wenige Flüge lagen in Regionen mit homogen starken Aufwinden. Der schnellste Flug gelang Alexander Müller vom LSG Bayreuth über dem Thüringer Wald. Seine Rundengeschwindigkeit betrug 122,85 km/h. Nur 17 der 30 Vereine in der 1. Liga gelang es, die maximale Anzahl von drei Wertungsflügen einzureichen. Fünf Vereine schoben die Hallentore erst gar nicht auf. Mit einem 15. Rundenplatz kassiert der ACN wertvolle sechs Punkte. Trotzdem muss er drei Tabellenplätze aufgeben und liegt jetzt auf Platz 17 im Mittelfeld. Wie das Segelflugwetter am kommenden Wochenende wird, ist noch nicht so sicher. Es soll aber endlich wieder deutlich wärmer werden.

Runde 5