Der ACN punktet weit von Nastätten entfernt
Zwei Wettbewerbe, drei Piloten und vier Rundenpunkte

Yankee Hotel vor dem Start

Das inhomogene Wetter sorgte im Verlauf des Wochenendes für einen gewissen Ausgleich. Am Samstag wurde der Süden der Republik mit den besseren Aufwinden ausgestattet und am Sonntag der Norden. Die prächtigsten thermischen Blüten entfalteten sich am Samstag über dem Bayerischen Wald. Dort reihte sich Cumulus an Cumulus, so dass geradeaus geflogen werden konnte. Vor Anwendung des Handicap-Faktors lag die schnellste Reisegeschwindigkeit bei 155 km/h. Der Westen wurde vom Wettergott quasi vergessen. Die Thermik über dem Blauen Ländchen war am Samstag gar nicht vorhanden und am Sonntag recht lausig. Zum Glück war der ACN in der 3. Runde der 1. Segelflugbundesliga durch seine drei Auswärtsspieler gut aufgestellt. Die „Delta“ nimmt zurzeit am internationalen Hahnweide Wettbewerb bei Stuttgart teil und die „Yankee Hotel“ sowie „Seven One“ am Wettbewerb in Klix/Oberlausitz. Die drei schnellsten Flüge gelangen bereits am Samstag. Zwei weitere Flüge am Sonntag in Klix und Nastätten waren etwas langsamer.

Martin Fuhr mit Co-Pilot Peter Fabian lieferten mit 96,8 km/h auf der „Delta“ den schnellsten Flug für den ACN ab. Sie starteten in der ASH25Mi (26 Meter Spannweite) auf dem Flugplatz Hahnweide. Allerdings nicht zu einer Wettbewerbsaufgabe, weil die Wettbewerbsleitung wegen ungünstiger Bedingungen den Massenstart für zu unsicher befand und daher den Flugtag absagte. Ohne „Aufgabenzwang“ konnte das Team nun einen lupenreinen Bundesligaflug in Angriff nehmen. Das gestaltete sich anfangs äußerst kompliziert, da die Wolkenbasis am Nordhang Delta wieder am Bodender Schwäbischen Alb extrem niedrig lag. Zweimal musste das Triebwerk gezündet werden, als der große Doppelsitzer nur noch 200 Meter über Grund flog. Die Bundesligaregeln schreiben vor, dass sich das Segelflugzeug mit Motorkraft nur maximal 15 Kilometer vom Startflugplatz entfernen darf. Fast eine Stunde lang kämpften die Piloten um den Einstieg in die deutlich höher gelegene Alb. Schließlich gelang das Vorhaben und die thermischen Verhältnisse entwickelten sich immer besser. Die Aufwinde trugen den großen Segler im 2,5-stündigen Bundesligazeitfenster mit durchschnittlich 2 m/s nach oben. Zwischen dem Klippeneck und Münsingen wurden mehrfach Flughöhen von 2.500 Meter über dem Meeresspiegel erreicht. Nach der Landung auf dem Flugplatz Hahnweide war das Team sehr zufrieden. Der neutralisierte Wettbewerbstag konnte optimal für einen sehr schnellen Bundesligaflug genutzt werden.

In der Doppelsitzerklasse genossen Jochen Back mit Co-Pilot Torsten Besser einen landschaftlich äußerst reizvollen Flug im Vereinsseglers „Yankee Hotel“. Die Aufgabe der Klixer Wettbewerbsleitung führte sie auf dem ersten Schenkel in südöstliche Richtung entlang der polnisch/tschechischen Grenze über die Schneekoppe bis zum Ende des Riesengebirges. Dort erreichten sie in der DG-1001T (20 Meter Spannweite) eine maximale Flughöhe von deutlich über 2.000 Meter über dem Meeresspiegel. Nach der Wende bei Nowa Ruda flogen sie mit Kurs Nordwest weiter über polnisches Hoheitsgebiet. Leider ging die Reisegeschwindigkeit wegen nachlassender Aufwinde immer weiter zurück. Unter einem großflächigen, die Aufwinde abschnürenden Wolkenteppich mussten sie 50 Kilometer vor dem Flugplatz das Hilfstriebwerk zünden, um eine Außenlandung zu vermeiden. Sie erzielten eine Rundengeschwindigkeit von 89,8 km/h.

In der Offenen Klasse startete Ilka Elster-Back auf der LS10 „Seven One“ (18 Meter Spannweite). Die Wettbewerbsaufgabe stimmte mit der Doppelsitzerklasse weitgehend überein. Da es sich bei der „Seven One“ um ein reines Segelflugzeug handelt, musste Ilka mangels Aufwinden auf dem letzten Schenkel der Aufgabe auf einem Getreidefeld landen. Ihre Rundengeschwindigkeit betrug 78,5 km/h.

Eine Außenlandung ist nichts Ungewöhnliches im Segelflug. Eine Versicherung bezahlt einen eventuell entstandenen Flurschaden. Bereits im Rahmen der Ausbildung werden Außenlandungen mit einem Motorsegler geübt. Dabei muss der Flugschüler zeigen, dass er in der Lage ist, schnell ein geeignetes Feld auszuwählen. Kurz vor dem Aufsetzen gibt der Fluglehrer wieder Gas, so dass nach dem Erreichen der Reiseflughöhe die Übung so lange wiederholt werden kann, bis sie sicher vom Schüler beherrscht wird. Es sollte möglichst bergauf und gegen den Wind gelandet werden. Niedriger Bewuchs ist hohem Bewuchs vorzuziehen. Wiesen sollten wegen schwer zu erkennender Zäune und versteckter Entwässerungsgräben möglichst nicht als Landeplatz ausgewählt werden. Nur im Notfall wird in einem reifen Rapsfeld gelandet, weil die Pflanzen äußerst robust sind, sich ineinander verhaken und daher ein Segelflugzeug extrem schnell abbremsen können. Das kann zu schweren Verletzungen des Piloten und erheblichen Beschädigungen Außenlandung auf der Kartedes Segelflugzeuges führen. Fragen sie einen routinierten Segelflieger oder eine routinierte Segelfliegerin nach Außenlande-Erlebnissen. Sie werden ganz sicher sehr unterhaltsame, spannende Geschichten erzählt bekommen.

Vier Punkte konnte der ACN in der 3. Runde einsammeln, so dass sich der Erstligist des Blauen Ländchens auf Platz 12 komfortabel im oberen Bereich der Tabelle halten kann. Für das kommende Wochenende wird deutlich mehr Sonne vorhergesagt. 

Runde 3