Dem ACN gelingt der Aufstieg

Völlig unerwartet war die letzte Bundesligarunde für den Aero Club Nastätten gleichzeitig die mit Abstand schnellste der Saison. Der 6. Tabellenplatz konnte mit großem Erfolg verteidigt werden. Am Montagmorgen stand endgültig fest, dass der Aero Club Nastätten wieder ein Erstliga-Verein ist.

Da das Fliegerfest in diesem Jahr um eine Woche vorverlegt wurde, kollidierte dieser Termin mit der letzten Bundesligarunde. Obwohl jede Hand am Samstag für den Aufbau und die Vorbereitung des Fliegerfestes benötigt wurde, konnte ein kleines und am Abend sehr erfolgreiches Team zusammengestellt werden, dass mit drei Doppelsitzern den Platz in der Aufstiegszone verteidigen sollte. Die Aufstiegszone erstreckt sich in der 2. Segelflugbundesliga bis zum 7. Tabellenplatz. Für einen Spätsommertag war die Thermik ganz ausgezeichnet. Die drei schnellsten Rundengeschwindigkeiten lagen alle über 110 km/h. Dass dies zum thermisch üblicherweise deutlich schwächeren Saisonende gelang, ist meteorologisch sehr ungewöhnlich. In der gesamten Saison 2015 gab es nur zwei weitere Flüge mit einer Rundengeschwindigkeit jenseits der 110 km/h.

Die Wettervorhersage gab die Strategie für die Bundesligaflüge vor. Es sollten 20 km/h Ostwind und gute Wolkenthermik bis weit über 2.000 Meter über dem Meeresspiegel geben. Die drei Doppelsitzer-Teams sprachen daher ab, auf dem ersten Schenkel gegen den Wind bis zum Thüringer Wald zu fliegen. So konnte im 2,5-stündigen Zeitfenster überwiegend mit Rückenwind zurück in Richtung Nastätten gesprintet werden. Im losen Team waren die drei Segler unterwegs. Das bedeutet, dass man über Funk im Kontakt steht, sich gegenseitig über besonders gute Aufwinde informiert und taktische Entscheidungen bespricht. Es gibt auch die Möglichkeit des engen Teamfluges, der besonders viel Konzentration verlangt, weil die Segelflugzeuge meistens weniger als 200 Meter voneinander entfernt in der Luft sind. So kann man den Erfolg bei der Jagd nach guten Aufwinden deutlich verbessern.

Die mit 115,3 km/h höchste Rundengeschwindigkeit erzielte Dieter Schäfer mit Co-Pilot und Coach Holger Back auf dem neuen Vereinsdoppelsitzer „Yankee Delta“. Holger Back erzählte nach dem Flug, dass er in Deutschland noch nie einen solch guten Augusttag erlebt hat. Die Thermikverteilung war sehr gleichmäßig mit nur wenigen größeren Abschnitten ohne Kumuluswolken. Auch vermeintlich thermisch schlechte Gebiete wie die Wetterau waren gut entwickelt. Das Bilderbuchwetter erlaubte eine sehr komfortable Reiseflughöhe zwischen 1.500 und 2.500 Metern. Entgegen der Vorhersage gab es auch am Nachmittag Kumulusbewölkung bis in die Eifel, so dass der Rückenwindschenkel deutlich weiter als erwartet verlängert werden konnte. Die kräftigsten Aufwinde gab es über dem Thüringer Wald. Ein Weiterflug entlang des waldreichen Mittelgebirges hätte den ohnehin schon sehr guten Bundesligaschnitt weiter erhöht. Allerdings wäre dann die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Heimflug deutlich gesunken, so dass sich das Team gegen diese Option entschied.

Jochen Back und Co-Pilot Thomas Paulsen flogen die DG-1001T des Vereins mit dem Wettbewerbskennzeichen „Yankee Hotel“. Bereits der erste Aufwind nach dem Windenstart um 12:20 Uhr trug den weißen Vogel auf fast 2.000 Meter über dem Meeresspiegel. Zügig ging es ostwärts zum Thüringer Wald. Das „Yankee Hotel“-Team wählte auf seinem ersten Schenkel eine nördlichere Flugroute als das „Yankee Delta“-Team. Nur einmal begegneten sich die beiden Segler über dem Vogelsberg. Die Fernsicht war so gut, dass man querab der Wasserkuppe bereits den Thüringer Wald sehen konnte. Die „Yankee Hotel“ wendete 210 Kilometer von Nastätten entfernt über der Sprungschanze Oberhof. Auf dem Rückenwindschenkel wurde eine hervorragende Reisegeschwindigkeit von 134 km/h erreicht. Bei Fulda trafen sich die beiden Schwesterflugzeuge erneut. Von nun an flogen sie gemeinsam in Richtung Westen. Da das Wetter mit maximalen Steigwerten bis 5 m/s und einer Wolkenbasis von 2.500 Metern immer noch sehr gut war, wurde erst kurz vor Mendig ein letztes Mal zum Heimflug gewendet. Jochen Back berichtete, dass er nach vielen schwierigen Bundesligaflügen ohne Wolkenbojen oder sehr geringer Arbeitshöhe endlich mal wieder einen schönen, problemlosen und mit 113 km/h sehr schnellen Bundesligaflug erleben durfte.

Martin Fuhr mit Co-Pilot Uli Leukel flogen auf der „Delta“, eine ASH25Mi mit 26 Metern Spannweite, die mit 110,4 km/h drittschnellste Rundengeschwindigkeit des Vereins. Die „Delta“ startete als die beiden DG-1001 bereits fast 2.000 Meter in der Luft waren. Sie flogen noch etwas südlicher als „Yankee Delta“ und „Yankee Hotel“. Die Wenden der drei Segler lagen in einem Kreis mit nur acht Kilometern Radius über dem Thüringer Wald. Auf dem Rückweg steuerte Fuhr den großen Doppelsitzer direkt an der Wasserkuppe, der Wiege des Segelfluges, vorbei. Die Wolkenbasis erreichte dort fast 2.500 Meter und die Steigwerte lagen zwischen 2,5 und 4 m/s. Ab dem Vogelsberg standen die Kumuluswolken immer weiter auseinander und der Segler nahm Kurs auf Butzbach. Bereits in 70 km Entfernung von Nastätten wurde erstmals die sogenannte Endanflughöhe erreicht, die den Heimflug ohne Aufwinde ermöglicht. Da die Stärke der Aufwinde immer noch nicht nachließ, flog das Team über Nastätten hinaus in Richtung des Militärflughafens Büchel. Westlich des Rheins überraschte eine der letzten Wolken mit einem mittleren Steigen von hervorragenden 4,4 m/s. Erst an der Mosel, 50 Kilometer westlich von Nastätten, lag die letzte Wende. Nach der Landung stand das große Segelflugzeug vor einer 4 Tonnen schweren, zweimotorigen Piper Cheyenne, die zum Fliegerfest am Folgetag angereist war. Die Piper Cheyenne gehört zu den größten und schwersten Motorflugzeugen, die bisher in Nastätten gelandet sind.

Punktgleich mit dem LSV Homberg/Ohm beendete der AC Nastätten die Bundesliga-Saison 2015 mit 173 Punkten auf dem 6. Tabellenplatz. Nächstes Jahr wird der Verein des Blauen Ländchens wieder in der 1. Segelflugbundesliga dabei sein. Dann wird es aber wieder deutlich schwieriger, einen vorderen Rundenplatz zu ergattern. Und ein frustrierter Blick auf den Tabellenplatz am Sonntagabend wird wieder wahrscheinlicher. Die Leistungsdichte in der 1. Segelflugbundesliga ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre spürbar höher als in der 2. Segelflugbundesliga. Der Aero Club Nastätten wird nichts unversucht lassen, sich in der Erstliga zu halten.

Runde 19