Nur ein Trostpunkt für den ACN

Queranflug mit dem Schulungsdoppelsitzer auf Nastätten. Anflug einer Ryan Air-Maschine auf Frankfurt Hahn. Höhe tanken über dem Stahlwerk Dillingen.
Das geglättete Steigen betrug im besten Aufwind des Tages südafrikanische 5,6 m/s. Entspannter Rückflug nach Nastätten. Der Windpark auf dem Grauen Kopf kurz vor der Landung.

Endlich konnte die Piloten des Blauen Ländchens an beiden Tagen des Wochenendes starten. Am Samstagabend lag der ACN mit 20 Punkten auf dem ersten Rundenplatz. Am Sonntagabend musste er sich mit nur einem sehr ernüchternden Rundenpunkt abfinden.

Der Siebenschläfer ist im Sommerurlaub und endlich kann wieder die Sonne scheinen. Über dem Blauen Ländchen konnte an beiden Tagen der 16. Bundesligarunde gepunktet werden. Entgegen den Vorhersagen entwickelten sich am Samstag über dem Saarland und Rheinland-Pfalz hohe Kumuluswolken mit kräftigen Aufwinden. Der Rest der Republik musste sich mit deutlich schwierigerem Segelflugwetter auseinandersetzen. Das schlug sich auch in der Wertung nieder: Der Aero Club Nastätten stand am Samstagabend ganz oben in der Wertungsliste der 16. Runde. Sogar der eher geruhsame Schulungsdoppelsitzer „Yankee Fox“ vom Typ ASK21 fand sich abends in der ACN-Wertung. Auf dem 70 Kilometer langen dritten Bundesligaschenkel sorgte eine perfekte Aufwindreihung für eine bemerkenswerte Reisegeschwindigkeit von 112 km/h. Die Freude auf die Platzierung hielt jedoch nicht lange an, da der Sonntag die Ligaflieger der ersten und zweiten Bundesliga großflächig mit guter bis sehr guter Wolkenthermik erfreute. Nur über dem nördlichen Drittel Deutschlands bremste Blauthermik die Luftrennen. Die Summe der drei schnellsten ACN-Flüge betrug 286 km/h. Das ist kein schlechtes Ergebnis, hat dem Verein auf Platz 21 aber nur einen Trostpunkt gebracht. Die Leistungsdichte war hoch: Der Unterschied zwischen Platz 11 und Platz 21 betrug lediglich 20 km/h, also weniger als 7 km/h pro Pilot.

Entscheidend für hohe Reisegeschwindigkeiten im Segelflug ist das schnelle Auffinden von möglichst kräftigen Aufwindschläuchen. Werden diese am oberen Ende durch Blumenkohlwolken markiert, dann ist die Suche erheblich einfacher als bei Blauthermik, wenn die Aufwindschläuche unsichtbar im Luftraum stehen. Bei Wolkenthermik kann der erfahrene Segelflieger die Stärke der Aufwinde anhand der Wolkenform abschätzen. Perfekte Segelflugbedingungen herrschen, wenn sich die starken, durch Wolken markierten Aufwinde auch noch eng hintereinander aufreihen. Dann kann man sich das zeitraubende Kreisen sparen, indem man im Aufwind langsam und zwischen den Aufwinden schnell fliegt.

Moritz Althaus flog am Sonntag mit Coach und Co-Pilot Jens-Christian Henke die „Yankee Hotel“ des Vereins, eine DG-1001T mit 20 Metern Spannweite. Sie starteten gegen 12:30 Uhr bei lebhaftem Seitenwind von links an der Winde. Ihre Ausklinkhöhe von mageren 260 Metern erlaubte nur ein kleines Zeitfenster für die Aufwindsuche, weil in ca. 180 Metern bereits mit dem Landeanflug begonnen werden muss. Nach nur fünf Minuten rollte der Segler auf der Landebahn aus. Nach dem zweiten Start eine halbe Stunde später gelang der Anschluss an die Thermik. Da der Wind oberhalb von 1.800 Metern über dem Meeresspiegel ungewöhnlich schwach war, spielte er für taktische Überlegungen keine Rolle. Das Team flog unter den Aufwindreihungen über dem Soonwald und Hunsrück bis nach Baumholder. Dort endete die Wolkenthermik und es ging zurück nach Nastätten. Zeit ging verloren, weil hier die Wolken zu riesengroßen Pfannkuchen auseinander gelaufen waren. Auch dann weiß der Segelflieger nicht so recht, wo er den Aufwindschlauch suchen soll. Erst über dem Hunsrück stieg die Reisegeschwindigkeit wieder deutlich an, weil die Kumuluswolken schön kompakt waren. Die Wolkenbasis war mittlerweile so weit angestiegen, dass Flughöhen über 2.500 Metern erreicht wurden. Aus dieser großen Höhe war es kein Problem, den erstklassigen Aufwind über dem Stahlwerk Dillingen anzufliegen.

Fußnote: Industriethermik ist ein fester Bestandteil des Aufwind-Instrumentariums im Segelflug. Dazu gehören zum Beispiel die BASF Ludwigshafen und Kühltürme von Kohle- und Kernkraftwerken. Letztere dürfen seit den 9/11-Anschlägen aus sehr fragwürdigen Sicherheitsargumenten nur oberhalb einer Mindesthöhe oder gar nicht mehr angeflogen werden. Die Kühltürme des französischen Atomkraftwerks Cattenom sind seit vielen Jahren für Segelflieger völlig tabu. Es droht im schlechtesten Fall der Abschuss und im besten Fall ein Bußgeld von 100.000 Euro. Der hohe Temperaturunterschied zwischen der Industrieanlage und der Lufttemperatur produziert fast immer sehr kräftige und sehr zuverlässige Aufwinde.

Auf dem zweiten Rückweg nach Nastätten endete das 2,5-stündige Zeitfenster für die „Yankee Hotel“, so dass das Team den Rest des Tages ganz entspannt in der angenehm kühlen Höhenluft verbringen konnte. Erst nach über 6 Stunden, mehr als 540 Kilometern Flugstrecke und einer Rundengeschwindigkeit von 98,2 km/h rollte der Doppelsitzer vor der großen grünen Halle aus.

Der Nastätter Malte Bernhardt erflog auf seinem Elektrosegler Antares 20E (20 Meter Spannweite) eine Rundengeschwindigkeit von 95,8 km/h. Die schönen Sonntagswolken lockten auch ihn über den Hunsrück. Dort flog er drei schnelle Bundesliga-Schenkel. Er entschied sich für den landschaftlich sehr reizvollen Rückflug über das Moseltal.

Den drittschnellsten Flug erzielte Segelflugreferent Peter Fabian bereits am Samstag auf seiner LS4 „Hotel Papa“ (15 Meter Spannweite). Er hatte ein 350 Kilometer großes Dreieck bereits vor seinem Start in Bad Sobernheim in den Flugdatenschreiber einprogrammiert. Für die dezentrale Deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug (DMSt) ergibt so eine Voranmeldung von Flügen Bonuspunkte, wenn man die Wenden erreicht. Seine deklarierten und auch erreichten Wendepunkte waren der Segelflugplatz Dillingen, der Flugplatz Dahlemer Binz und der Segelflugplatz Laufenselden. Um sich das Abrüsten und die Überführung seines Segelflugzeuges im Transportanhänger zu ersparen, flog er nach dem Schließen des Dreiecks über Bad Sobernheim nach Nastätten. Im Bundesligazeitfenster erreichte er eine Rundengeschwindigkeit von 91,6 km/h.

Leider konnte aufgrund eines technischen Problems der mit 94,9 km/h drittschnellste Bundesligaflug nicht gewertet werden. Das Team Torsten Besser und Martin Fuhr waren am Samstag in dem neuen Vereinsdoppelsitzer „Yankee Delta“ über dem Hunsrück in der Luft.

Obwohl die 16. Runde nur einen Trostpunkt abgeworfen hat, rutscht der ACN in der Tabelle um nur einen Zähler auf den vierten Rang ab. Diese an sich erfreuliche Tatsache darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Abstand auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz dramatisch verringert hat und jetzt nur noch vier Punkte beträgt. Daher wird der ACN während der verbleibenden drei Runden alles geben, um den Aufstieg in die erste Segelflugbundesliga zu sichern. Falls erforderlich wird der Verein auch während des Fliegerfestes am 23. August für die Bundesliga punkten.

Runde 16