ACN-Aufstieg wird immer wahrscheinlicher

Früher Schlepp hinter dem Vereinsmotorsegler mit Blick auf Nastätten. Zweifacher Vizeweltmeister Holger Back im vorderen Sitz. Zwei Segler teilen sich einen Aufwind bei Idar-Oberstein.
Großer Doppelsitzer Grauer Himmel über dem Grauen Kopf. Neuer Vereinsdoppelsitzer
Rückholaktion der ASK21 aus Ailertchen. Rückschlepp nach Ailertchen. In Nastätten gestrandete Segelflugzeuge des Streckenflugtrainings in Bad Sobernheim.

Wild entschlossene 13 Pilotinnen und Piloten des Aero Club Nastätten flogen vor einer aufziehenden Regenfront in der 15. Runde auf einen hervorragenden dritten Rundenplatz.

Auch in der 15. Bundesligarunde grüßte der Siebenschläfer die Pilotinnen und Piloten des Blauen Ländchens. Dieses Mal mit einem sehr stürmischen und regnerischen Samstag, der jeden Gedanken an einen Wertungsflug im Keim erstickte. Am Sonntag erfreute ein kleines Zwischenhoch mit sehr guter Fernsicht, Bilderbuchwolken und sehr guten Aufwinden. Allerdings musste man sich mit dem Heimflug beeilen, da die Wettermodelle schon am frühen Nachmittag die Ankunft der nächsten Regenfront vorhersagten. Vielen Teilnehmern am Streckenflugtraining des Landesverbandes in Bad Sobernheim gelang dies nicht. Als dicke Schichtbewölkung die Sonneneinstrahlung abschnürte, entschlossen sie sich zur Landung in Nastätten. Es regnete bereits, als die letzten Schleppzüge am Abend abhoben. Um den Heimflug nach Bad Sobernheim doch noch zu ermöglichen, waren schließlich drei Ultraleichtflugzeuge sowie der ACN-Motorsegler im Einsatz.

Während die Bundesligaflieger in der Luft waren, kam es zu einer ungewöhnlichen Rückholaktion. Von dem im Westerwald gelegenen Flugplatz Ailertchen war ein Schulungsdoppelsitzer zu einem „Schnupperflug“ gestartet. Der Segelfluginteressierte bekam ein ganz besonderes Programm geboten, nachdem wegen ausbleibender Thermik auf dem ehemaligen Segelfluggelände Singhofen gelandet werden musste. Da ein Rückschlepp wegen der fehlenden Flugplatzzulassung nicht möglich war, wurde das Segelflugzeug demontiert und im großen Anhänger des ACN verstaut. Nur eine gute Stunde später startete der Doppelsitzer in Nastätten hinter der Super Dimona des ACN. Segelflieger sind halt sehr hilfsbereite Menschen und durch diese extrem schnelle Aktion konnte der Ausbildungsbetrieb in Ailertchen mit einer vergleichsweise kurzen Unterbrechung fortgesetzt werden.

Am Sonntag starteten sieben ACN-Piloten in Bad Sobernheim und nur sechs in Nastätten. Die erzielten Rundengeschwindigkeiten lagen zwischen 47 km/h und 102 km/h. Dabei war der Startort Nastätten klar im Vorteil, weil er deutlich später von der Abschirmung der aufziehenden Regenfront erfasst wurde. Das zeigt sich auch in der Rangliste. Der Startort der fünf schnellsten Flüge war Nastätten.

Pünktlich zum Beginn des ACN-Sommerfluglagers wurde der neue Doppelsitzer des Vereins ausgeliefert. Die DG-1001T „Yankee Hotel“ hat eine Schwester bekommen, da die neue „Yankee Delta“ ebenfalls eine DG-1001 ist. Allerdings fehlt das „T“ in der Typbezeichnung, da es sich um ein reines Segelflugzeug ohne Triebwerk handelt.

Mit dem neuen Segler lieferten Holger Back mit Co-Pilot Jens-Christian Henke gleich den schnellsten Bundesligaflug ab. Bereits kurz nach 11:00 Uhr waren sie in der Luft. Den hintereinander gereihten Cumuluswolken folgten sie zunächst mit wenigen Kreisen nach Limburg. Dort ging es gegen den Südwestwind über Nastätten zurück bis zum Rhein. Eigentlich war jetzt ein langer Rückenwindschenkel geplant, doch schauten die Wolkenentwicklungen über dem Soonwald vielversprechend aus. Die Entscheidung war richtig und es wurde erst über dem Ort Baumholder gewendet. Jetzt folgte ein 236 Kilometer langer Schenkel mit Rückenwind und Kurs Nordnordost bis nach Bad Wildungen. Dabei wurde vom Team bewusst in Kauf genommen, dass wegen des nahenden Schlechtwettergebietes der Rückflug nach Nastätten nicht gelingen würde. Die Navigation auf diesem Flug musste wie in alten Zeiten mit Kompass und den offiziellen Flugkarten durchgeführt werden, da das neue Segelflugzeug noch nicht mit einem Bordrechner ausgestattet ist. Zum Glück ist das Umfalten der großen Karten in einem Doppelsitzer unproblematisch, weil man sich ja mit dem Fliegen abwechseln kann. Auf dem Rückflug wurden Flughöhen knapp über 2.000 Meter über dem Meeresspiegel erreicht. Die Regenfront kam langsamer als prognostiziert voran und mit dem letzten Aufwind weit vor dem Flugplatz war der Endanflug auf Nastätten möglich. Allerdings hätte die Entscheidung zum Rückflug nicht wesentlich später getroffen werden dürfen. Der Einstand für das neue Mitglied im ACN-Flugzeugpark kann sich sehen lassen: Holger Back erzielte eine hervorragende Rundengeschwindigkeit von 102,3 km/h.

Martin Fuhr mit Co-Pilot Uli Leukel steuerten ihre „Delta“ mit ähnlicher Strategie unter den zahlreichen Cumuluswolken wie aus dem Bilderbuch. Ihre erste Wende lag kurz vor Idar-Oberstein und ihre zweite auf der Höhe des Edersees. Im Endanflug auf Nastätten begegneten sie der „Yankee Delta“. Ihr Beitrag zum Rundenkonto betrug 93,9 km/h.

Der Nastätter Malte Bernhardt startete auf seiner Antares 20E als erster Bundesligaflieger bereits um 10:30 Uhr. Er schaute zunächst bei den Vereinskameraden in Bad Sobernheim vorbei. Dort lag seine erste Wende. Auf seinem Rückwegschenkel flog er deutlich nördlicher als „Delta“ und „Yankee Delta“. Er überflog das komplette Sauerland und wendete erst 10 Kilometer nördlich von Brilon. Im 2,5-stündigen Zeitfenster betrug seine Rundengeschwindigkeit 83,8 km/h.

Mit einem sehr guten dritten Platz in der 15. Runde und weiteren 18 Zählern auf dem Rundenkonto macht der ACN in der Tabelle zwei Schritte nach vorne. Er liegt jetzt auf Platz 3 und damit klar in der Aufstiegszone, die die ersten sieben Plätze umfasst. Da nur noch vier Runden ausgeflogen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für den Rückaufstieg in die 1. Segelflugbundesliga weiter an.

Keine vier Wochen dauert es mehr bis zum Fliegerfest am 23. August. An diesem Sonntag wird auch die neue DG-1001 „Yankee Delta“ getauft. Sind Sie dabei?

Runde 15