Der ACN im Aufstieg?


Peter Fabian und Alfred Perlich (v.l.n.r.)

In einer schwierigen 14. Bundesligarunde erflog der Aero Club Nastätten 16 Rundenpunkte.

Die Siebenschläfer-Regel scheint sich leider auch in diesem Jahr wieder zu bewahrheiten. Der Sonntag fiel in der 2. Segelflugbundesliga als Wettkampftag komplett ins Wasser. Da jeder der 30 Vereine pro Runde beliebig viele Flüge einreichen kann, aber nur die drei schnellsten gewertet werden, ergibt sich eine maximale Anzahl von 90 Ligaflügen pro Runde. 33 Flüge wurden bis zum Wertungsschluss am Montag um 10:00 Uhr eingereicht. 14 Vereine tauchten überhaupt nicht in der Wertung auf. Auf den Satellitenbildern des Sonntags waren nur wenige Wolkenlücken zu erkennen, die für einen Ligaflug geeignet waren. Multipliziert die minimale Rundengeschwindigkeit von 40 km/h mit den 2,5 Stunden des Zeitfensters, dann erhält man eine Flugstrecke von 100 Kilometern, die sich laut Reglement auf bis zu vier Schenkel verteilen darf. Je nach Handicap-Faktor des Segelflugzeuges ergeben sich Mindestflugstrecken zwischen 82 und 118 Kilometern. In der Atmosphäre war viel Energie, die zum Teil sehr gute Aufwinde entstehen ließ. Auf der Kehrseite der Medaille waren breitflächige Abschirmungen ohne Thermik, Regenschauer und ein sehr lebhafter Wind aus westlichen Richtungen. Von der Flugtaktik und auch vom Glück hing es ab, ob man möglichst viele Zonen mit hoher Energie in das 2,5-stündige Zeitfenster legen konnte, so dass am Ende ein schneller Bundesligaflug herauskam.

Dem Nastätter Malte Bernhardt gelang dies ganz vorzüglich. Auf seiner Antares 20E (20 Meter Spannweite) flog er mit wenig Risiko gegen den mit 35 km/h sehr lebhaften Wind 125 Kilometer weit bis zur französischen Grenze. Dort wendete er zum Start des Bundesligazeitfensters in den Rückenwind. Zurück nach Nastätten benötigte er mit einer hervorragenden Reisegeschwindigkeit von 126 km/h nur 57 Minuten. Hier gab es die erste schwierige Entscheidung. Nordöstlich standen zwar verlockende Kumuluswolken, doch dahinter breitete sich Stratusbewölkung aus, die keine Hoffnung auf Aufwinde machte. Bernhardt entschied sich für eine Routenwahl entlang des Taunuskamms bis zum Vogelsberg, die mit überreifen Kumuluswolken und vereinzelten Gewitterwolken deutlich mehr Energie in der Atmosphäre versprach. Seine Entscheidung war völlig richtig, da er zum Teil sehr gute Aufwinde überwiegend im Geradeausflug nutzen konnte. Dazu musste er zwar zick zack fliegen, doch das ist fast immer zeitsparender als das Kreisen im Aufwindschlauch. Mehrfach wurde sein Flugzeug in kurzen Regenschauern nass. Die Aufwindreihung ging mit der Zeit in eine sogenannte Konvergenzlinie über. Bei einer Konvergenzlinie strömen Luftmassen aus unterschiedlichen Richtungen zusammen. Im Bereich der Linie des Zusammenströmens kann die Luft nur noch nach oben ausweichen. Das bedeutet für den Segelflieger, dass entlang der Energielinie Aufwinde fast ohne Unterbrechung für den sehr schnellen Geradeausflug ohne Höhenverlust genutzt werden können. Auf dem zweiten Schenkel war Bernhardt 133 km/h schnell. Gut 10 Kilometer östlich von Bad Hersfeld lag seine zweite freie Wende und es begann der Rückflug nach Nastätten. Die Energielinie konnte Bernhardt weitere 34 Kilometer ohne Kreis nutzen, bevor sie in Richtung des für Segelflugzeuge gesperrten Frankfurter Luftraumes verschoben wurde. Im Bereich der A3 gab es keine Wolken mehr und er musste für den Heimflug zweimal den Elektromotor starten. Nach Anwendung des Handicap-Faktors ergab sich eine Rundengeschwindigkeit von 111 km/h.

Etwa eine Stunde später waren die meteorologischen Bedingungen nicht mehr ganz so gut. Segelflugreferent Peter Fabian flog auf seiner DG-800B „Juliett Delta“ (18 Meter Spannweite) ebenfalls gegen den Wind zur französischen Grenze. Auf dem Rückweg nach Nastätten erzielte er eine Reisegeschwindigkeit von fast 100 km/h. Anders als Bernhardt entschied er sich jedoch unweit von Nastätten für einen weiteren Gegenwindschenkel. Ohne weiteren Rückenwindturbo lag seine Rundengeschwindigkeit am Ende bei nur 74,2 km/h.

Das Team der 14. Runde komplettierte Alfred Perlich auf seiner DG-200 „Echo Lima“ (17 Meter Spannweite). Er startete erheblich später als seine Teamkollegen und wendete bereits bei Idar-Oberstein in den Rückenwind. Seine Hoffnungen auf einen schnellen Rückenwindschenkel wurden jedoch durch breitflächige Abschirmungen über dem Soonwald zunichte gemacht. Um eine Außenlandung zu verhindern, musste Perlich kurz nach der Überquerung des Rheins auf Höhe des Soonwaldes nach Süden ins Rheintal abgleiten. Über dem Flugplatz Langenlonsheim betrug seine Flughöhe nur noch 300 Meter über Grund. Mit etwas Glück konnte er wieder Höhe tanken, um über Rüdesheim nach Nastätten zurückzufliegen. Seine Rundengeschwindigkeit von 45,9 km/h war zwar vergleichsweise langsam, für die gute Platzierung des ACNs in der 14. Runde aber sehr hilfreich.

Wieder bewahrheitete sich die langjährige Erkenntnis, dass die Segelflugbundesliga an den schwachen Tagen gewonnen wird. Obwohl der DJK Landau nur einen Flug einreichte, konnte der Verein auf dem letzten Rundenplatz fünf Rundenpunkte erzielen. Der ACN auf Platz 5 sammelte 16 Zähler und arbeitete sich in der Tabelle von Rang 8 auf Rang 5 hoch. Damit steigen wieder die Chancen des Vereins auf den Wiederaufstieg in die 1. Segelflugbundesliga, da nur noch fünf Runden an den kommenden Wochenenden ausgetragen werden.

Das traditionelle Fliegerfest des Aero Club Nastätten findet in vier Wochen statt, da es vom letzten Wochenende im August auf das vorletzte Augustwochenende vorverlegt wurde. Notieren Sie sich daher bitte den 23.08.2015! Am bisher üblichen Fliegerfest-Wochenende können Sie zwar auch gerne das Segelfluggelände des Blauen Ländchens besuchen. Allerdings haben Sie dann bedauerlicherweise die fliegerischen Attraktionen, die erfrischenden Getränke, den leckeren Kuchen und die herzhaften Bratwürste mit Pommes verpasst.

Runde 14