Erneut südafrikanische Thermik
 

Der Nürburgring aus niedriger Höhe. Die Wolkenbasis lag über 2.700 m hoch. Frankfurt mit Wolkenkratzern.
Großer Feldberg. Jens-Christian Henke und Moritz Althaus. Martina Kirchberg kontrolliert die Ruder der MDM-1 Fox.
Deutsches Eck Koblenz. Bad Nauheim und der Flugplatz Ober Mörlen. Ungewöhnliche Wolkenstrukturen.
Nebensonne während des Rückschlepps von Anspach nach Nastätten.    

In einem kleinen Bereich westlich von Koblenz genossen die Piloten des Blauen Ländchens am Samstag sehr gute Segelflugbedingungen.

Es war nicht ganz so heiß, aber sonst erinnerte das Segelflugwetter sehr stark an die 12. Bundesligarunde. Erst am Nachmittag entwickelte sich kräftige und hochreichende Thermik, die mit Kumulusbewölkung markiert war. Leider standen die schönen Wolken zum Teil innerhalb des für Segelflugzeuge gesperrten Luftraums um den internationalen Verkehrsflughafen Hahn. Mit eingeschaltetem Transponder ließen sich jedoch bestimmte Abschnitte des Luftraumes befliegen. Es gelang sogar, oberhalb des Luftraumes zu segeln, weil die Thermik die leisen Flugzeuge in Flughöhen bis 2.800 Meter über dem Meeresspiegel trug. Am Sonntag zog bereits gegen Mittag dichte mittelhohe Bewölkung über Nastätten auf, so dass dieser Tag für Ligaflüge ausfiel. Pech hatte Segelflugreferent Peter Fabian mit Co-Pilot Michael Schmitt. Sie kamen dem Nürburgring viel näher als gewünscht. Bei hochreichender Thermik ist es besonders schwierig und zeitraubend, sich aus weniger als 400 Metern über Grund wieder nach oben zu arbeiten. So gelangen jedoch spektakuläre Aufnahmen der berühmten Rennstrecke aus einem Segelflugzeug.

Parallel zum normalen Flugbetrieb in Nastätten lief die Fortsetzung des Sicherheitsseminars „Trudeln aus jeder Fluglage“. Martina Kirchberg und ihr Team zeigten weiteren Interessenten, wie man das Trudeln vermeidet und wie man es schnell ausleitet, wenn doch einmal in diese Situation gerät. Zum Einsatz kam wieder das reinrassige Kunstflugsegelflugzeug vom Typ MDM-1 Fox „Spucknich“ der Kunstfluggemeinschaft Hessen. Nach einer sehr ausführlichen Einweisung schleppte die kräftige Aviat Husky des Nachbarvereins Laufenselden den Segler mit jetähnlichen Flugeigenschaften auf eine Höhe von 1.100 Meter über Nastätten. Jeder absolvierte zwei Starts, um das Ein- und Ausleiten des Trudelns aus verschiedenen Fluglagen zu üben. Höhepunkt der Übungen war das Rückentrudeln, das besondere Anforderungen an das Können der Pilotinnen und Piloten stellt.

Für den Wiesbadener Jens-Christian Henke war das ein intensiver Flugtag. Nach seinen beiden Starts auf dem Kunstflugdoppelsitzer setze er sich in die DG-1001T „Yankee Hotel“ des Vereins, um noch für die Bundesliga zu punkten. Mit Co-Pilot Moritz Althaus startete er erst um 14:45 Uhr an der Winde. Gleich nach dem Ausklinken ging es in einem kräftigen Aufwind aufwärts bis auf die über Nastätten maximal mögliche Flughöhe von knapp 2.000 Metern. Auf dem Weg in Richtung Koblenz gab es die ersten Wolkenquellungen bereits vor dem Rhein. Die Aufwindsuche ist erheblich einfacher, wenn die aufsteigenden Warmluftschläuche durch Kumuluswolken markiert sind. Dieser Luxus hielt jedoch nicht lange an. 50 Kilometer nordwestlich von Nastätten wurden der Himmel zunehmend blau und die Cirrusbewölkung immer dicker. Das Team entschied sich zur Umkehr und flog 44 km weit nach Nastätten zurück, um den dritten Bundesligaschenkel wieder unter den schönen Quellwolken platzieren zu können. Unweit der ersten Wende lag die dritte Wende und es begann der vierte und damit letzte Bundesligaschenkel. Um das 2,5-stündige Zeitfenster mit dem lebhaften Wind als Rückenwindturbo auszuschöpfen, gab es nur einen Weg: Einen fast 100 Kilometer weiten Gleitflug aus über 2.700 Metern bis nach Bad Nauheim. Nachteil dieser Strategie war der Heimflug, der zu so später Stunde, dem Gegenwind und der deutlich abnehmenden Sonneneinstrahlung kaum möglich war. Eine Landung auf dem Flugplatz Ober Mörlen war schon über Funk vereinbart, als es doch noch gelang, auf 1.500 Meter zu steigen. Dieses Höhengeschenk erlaubte den Gleitflug zum Verkehrslandeplatz Anspach unweit des Großen Feldbergs. Erst um 20:30 Uhr rollte die „Yankee Hotel“ nach dem Rückschlepp auf der Nastätter Landebahn aus. Mit einer Rundengeschwindigkeit von 86,4 km/h war das Doppelsitzer-Team sehr zufrieden. Der Aufwand hatte sich gelohnt.

Mit 82,5 km/h erzielten Martin Fuhr und Uli Leukel auf der ASH25Mi „Delta“ die zweitschnellste Rundengeschwindigkeit. Sie flogen weit in die Vulkaneifel hinein. 10 Kilometer südwestlich des für sein Mineralwasser bekannten Ortes Gerolstein wendeten sie den großen Doppelsitzer. Die zweite Wende lag direkt über dem Rhein bei St. Goarshausen. Am westlichen Ende des Soonwaldes traten sie den vierten Bundesligaschenkel an. Das Barogramm zeigte eine maximale Flughöhe von mehr als 2.700 Meter.

Der Nastätter Malte Bernhardt komplettierte auf seiner Antares 20E das Bundesligateam der 13. Runde mit einer Rundengeschwindigkeit von 75,4 km/h. Nach dem fast lautlosen Elektrostart zog es ihn ebenfalls in die Nähe von Gerolstein. Und wie die „Delta“ wendete er bei St. Goarshausen. Dazwischen lag jedoch eine weitere Wende in der Nähe des Ortes Oberfell an der Mosel. Sein Bundesligazeitfenster endete unweit des Flugplatzes Mendig. Als Kommentar zu seinem Flug schrieb Bernhardt im Online Contest, dass er ohne die Segelflugbundesliga wahrscheinlich nicht geflogen wäre und so einen hochinteressanten Flug mit hochreichender Thermik und seltenen Wellenaufwinden verpasst hätte.

Eine Konstante der diesjährigen Bundesligasaison ist das insgesamt unterdurchschnittlich gute Segelflugwetter. Auch in der 13. Runde reichten nicht alle Zweitligisten wenigstens einen Ligaflug ein. Am Sonntag zog der Streifen mit den südafrikanischen Thermikbedingungen weiter nach Südosten. Die dortigen Vereine profitierten sehr davon und zogen am AC Nastätten vorbei, der sich am Sonntagmorgen bereits über den zweiten Rundenplatz mit 19 Punkten zu früh gefreut hatte. Am Montagmorgen sah das nicht mehr so gut aus. Mit Platz 13 und 8 Rundenpunkten ist der ACN aber zufrieden, da er sich auf dem 8. Tabellenplatz weiter im oberen Tabellendrittel halten kann. Es werden in dieser Saison nur noch sechs Runden ausgetragen und der Abstand auf Platz 3 beträgt lediglich 8 Punkte, so dass der Traum vom Wiederaufstieg weiter geträumt werden darf.

Runde 13