Der ACN platziert sich wieder in der Aufstiegszone

Rennklasse-Segler ASW20. Kumuluswolken über der Eifel. Weit oben in fast 2.900 m Höhe.
Der Bordrechner zeigt 10.9°C Außentemperatur an. Landung vor der Regenfront.  

Wie schon im letzten Artikel erhofft, ließ das extrem heiße Wetter wüstenähnliche Aufwinde bis 2.900 m über dem Meeresspiegel entstehen.

Die Temperaturen am vergangenen Wochenende waren in Deutschland wahrscheinlich die höchsten im gesamten Jahr 2015. In einem solchen Fall ist Abkühlung sehr gefragt. Die gibt es aber nicht nur im Schwimmbad. Auch hoch oben am Himmel findet der Segelflieger Erfrischung, weil die Lufttemperatur alle 100 Meter um etwa 1°C abnimmt. Endlich konnten in der 12. Bundesligarunde wieder beide Tage des Wochenendes für Streckenflüge genutzt werden. Die Bodentemperaturen waren allerdings extrem schweißtreibend und das hielt so manchen Piloten des Blauen Ländchens davon ab, ins Cockpit zu steigen. Deshalb fanden sich nur magere sieben ACN-Bundesligaflüge am Sonntagabend auf der Meldeplattform des Online Contests.

Wer die Abkühlung in großer Flughöhe suchte, musste nach dem Start zunächst besonders viel schwitzen. Die Sonne brannte anfangs von einem wolkenlosen Himmel und der Treibhauseffekt unter der großen Plexiglaskuppel verwandelte das Cockpit in eine Sauna. Am Samstag bildeten sich im Laufe des Nachmittags vor allem über der Eifel immer mehr Kumuluswolken, deren Basis kontinuierlich anstieg. Am späten Nachmittag waren Flughöhen von 2.900 Metern über dem Meeresspiegel möglich. Jetzt erinnerte der Luftstrom aus den Frischluftdüsen im Cockpit nicht mehr an einen heißen Fön, sondern an eine gut gewartete Klimaanlage. Nur 10°C betrug die Außentemperatur und die großen Blumenkohlwolken spendeten angenehmen Schatten. Viel weiter hätte man auch nicht steigen dürfen, denn oberhalb von Flugfläche 100 (ca. 3.000 Meter über dem Meeresspiegel) beginnt der „Obere Luftraum“, der für die großen Jets reserviert ist.

Eigentlich wollte der Wiesbadener Jens-Christian Henke nur einen Probeflug auf der ASW20 „Seven X-Ray“ machen. Er fühlte sich auf dem Segler der Rennklasse mit 15 Metern Spannweite so wohl, dass er sich gerne von den schönen Kumuluswolken über die Eifel locken ließ. Auf seinen vier Bundesligaschenkeln zwischen Boppard und Wershofen erzielte er eine Rundengeschwindigkeit von 90,0 km/h. Nach dem Ende des Bundesligazeitfensters landete er nicht, sondern genoss weiter die kühle Luft in großer Höhe, bis ihn eine langsam herankriechende Kette von gewittrig ausschauenden Regenwolken zur Landung mahnte.

Dem Segelflugreferenten Peter Fabian aus Taunusstein gelang mit 81,1 km/h der zweitschnellste ACN-Flug auf seiner DG-800B „Juliett Delta“. Er flog in Richtung Soonwald und Hunsrück ab. Eine sehr anstrengende Stunde lang kämpfte er oft in kritischer Bodennähe mit schwachen, schlecht entwickelten Aufwinden. Erst bei Idar-Oberstein hob ihn eine kräftige Thermik bis auf eine Höhe von fast 2.500 Metern. Da es wegen des Flughafens Hahn nicht möglich ist, von dort direkt in die Eifel zu fliegen, umflog er den für Segelflugzeuge gesperrten Luftraum weiträumig. Seine drei Wendepunkte für die vier Bundesligaschenkel lagen über dem Segelflugzentrum Marpingen, südlich von Weiskirchen und bei der US-amerikanischen Militärbasis Spangdahlem. Wenige Minuten vor Mendig erreichte er auch die erfrischenden 2.900 Meter.

Martin Fuhr und Co-Pilot Jochen Back flogen auf der großen ASH25Mi „Delta“ ebenfalls nach Idar-Oberstein. Auch für das Doppelsitzer-Team ging es erst dort auf eine Flughöhe mit angenehmeren Außentemperaturen. Knapper als die „Juliett Delta“ umflogen sie das Luftsperrgebiet Hahn mit Nordnordwestkurs an seinem westlichen Rand. Nach dem Überfliegen der Eifel lag der letzte Wendepunkt bei Bad Breisig. Abschirmende mittelhohe Bewölkung zwang das Team zu Umwegen. Daher lag ihre Rundengeschwindigkeit bei nur 73,6 km/h.

Von den 30 Zweitligisten schafften es nur 21 Vereine in die Wertung der 12. Runde. Und nur 11 Vereine reichten die maximal möglichen drei Flüge ein. Das zeigt, wie inhomogen das Wetter über Deutschland verteilt war. Lokal gab es sogar schwere Gewitter. Auf dem 7. Rundenplatz konnte der Aero Club Nastätten sein Konto um sehr gute 14 Punkte aufstocken. In der Tabelle liegt der Verein auf einem erfreulichen 6. Platz in der Aufstiegszone. Addiert man die Geschwindigkeiten aller Wertungsflüge, so liegt der ACN mit 2.617 km/h sogar auf Platz 1. Diese Summe spielt aber nur bei Punktgleichheit eine Rolle. Dann läge der Verein mit der höheren Summe der Rundengeschwindigkeiten vorne.

Auf gutes Wetter am kommenden Wochenende freuen sich nicht nur die Bundesliga-Pilotinnen und –Piloten. Auch die Teilnehmer am Sicherheitskurs „Trudeln in jeder Fluglage“ benötigen zumindest trockenes Wetter. Falls es eine geschlossene Wolkendecke gibt, dann muss diese mindestens 1.100 Metern über dem Blauen Ländchen liegen, damit die extremen Flugmanöver sicher trainiert werden können.

Runde 12