Frühes Thermikende erschwert ACN Flüge

Flugzeugschlepp des Kunstflugseglers Kunstflugsegler Vor dem Windenstart.
Der letzte Aufwind war 100 Meter zu Vor dem Rückschlepp von Laufenselden nach Nastätten. Dicke Cirrusbewölkung am späten Nachmittag.

Photos: Jens-Christian Henke

Während im Süden der Republik gleich viermal die 1.000 km-Marke geknackt wurde, mussten sich die Piloten mit Startplatz Nastätten beeilen, nach Hause zu kommen.

Erst nach dem Durchzug einer Gewitterfront war es am Samstagnachmittag möglich, auf dem Segelfluggelände Nastätten zu starten. Für Bundesligaflüge war es bereits zu spät und die Thermik zu schwach. Trotzdem wurde der Luftraum über dem Blauen Ländchen intensiv genutzt. Am Wochenende der 11. Bundesligarunde fand nämlich ein Sicherheitsseminar für alle aktiven Pilotinnen und Piloten des Aero Club Nastätten statt. Unter dem Motto „Trudeln in jeder Fluglage“ konnte auf einer MDM-1 Fox „Spucknich“ mit Trainerin Martina Kirchberg ganz Extremes ausprobiert werden. Der Doppelsitzer mit nur 14 Metern Spannweite der Kunstfluggemeinschaft Hessen ist kompromisslos auf den Kunstflug ausgelegt. Alle Teilnehmer waren völlig begeistert von diesem ungewöhnlichen Segelflugzeug und den außergewöhnlichen Flugzuständen, die man damit provozieren kann. Zu den Programmpunkten gehörte sogar das Trudeln in Rückenfluglage. Egal ob Airbus A380 oder Modellflugzeug: Jedes Flugzeug hat eine Geschwindigkeit, die nicht unterschritten werden sollte. Fliegt man trotzdem langsamer als diese Minimalgeschwindigkeit, dann geht der Auftrieb verloren. Geschieht dies an nur einer Tragflächenhälfte, dann kann das Flugzeug ins gefürchtete Trudeln geraten. Während dieser korkenzieherartigen Spiralbewegung verliert jedes Flugzeug innerhalb von kurzer Zeit sehr viel Flughöhe. Es hängt jedoch vom Flugzeugtyp ab, was genau beim Abreißen der Strömung geschieht. Die Ausbildungs-Segler des Aero Club Nastätten sind so gutmütig, dass ein stationäres Trudeln nur mit erheblichen Kunstgriffen möglich ist. Mit normalem Gewicht im vorderen Sitz ist es schlicht und einfach nicht möglich. Deshalb ist es für jeden Piloten ganz unabhängig vom Erfahrungsstand wichtig, das „echte“ Trudeln zu erleben und zu wissen, wie es schnell wieder beendet werden kann. Das war das Ziel des Sicherheitsseminars, das übernächstes Wochenende fortgesetzt wird.

Der Sonntag startete für elf Bundesliga-Pilotinnen und -Piloten mit vielversprechenden Aufwinden. Doch leider behielten die Wettermodelle Recht. Denn bereits am frühen Nachmittag behinderte immer dicker werdende Cirrusbewölkung die Sonneneinstrahlung und damit auch die Stärke der thermischen Aufwinde. Ein früher Start war von Vorteil, um einen schnellen Bundesligaflug abliefern zu können. Die Routenwahl war unter den Teilnehmern erfreulich unterschiedlich. Da es an diesem Tag weitgehend windstill war, spielten taktische Überlegungen hinsichtlich möglicher Rückenwindschenkel keine Rolle. Dem viertplatzierten Team Jens-Christian Henke und Markus Karst fehlten nur 100 Höhenmeter für die Rückkehr nach Nastätten. Sie landeten den Vereinsdoppelsitzer „Yankee Hotel“ auf dem Nachbarflugplatz Laufenselden. Die kräftige Schleppmaschine, die am Wochenende unermüdlich den Kunstflugsegler Fox an den Himmel gezogen hatte, brachte sie am späten Nachmittag zurück nach Hause.

Dem zweifachen Vize-Weltmeister, dreifachen Vize-Europameister und dreifachen Deutsche Meister Holger Back gelang mit einer Rundengeschwindigkeit von 90,12 km/h der schnellste ACN-Flug. Er startete vor 12:00 Uhr mit seiner LS10 „Seven One“ (18 Meter Spannweite). Zunächst folgte er dem Hunsrück bis nach St. Wendel. Dort wendete er, flog an Nastätten vorbei und folgte dem Taunus. Südöstlich des Vogelsbergs endete das Bundesligazeitfenster. Er landete auf dem Heimatflugplatz bevor der dicke Cirruswolkenschirm die Thermik abschnürte.

Der Nastätter Malte Bernhardt startete mit seiner Antares 20m (20 Meter Spannweite) auf dem Flugplatz Stillberghof westlich von Ingolstadt. Er blieb von der Abschirmung verschont und konnte den gesamten Tag für einen mehr als 700 km weiten Segelflug nutzen. Außerhalb des großen Sperrgebiets flog er um den Flughafen Stuttgart herum. Über acht Stunden war er in der Luft und während des 2,5-stündigen Bundesliga-Zeitfensters war er 88,6 km/h schnell.

Der Taunussteiner Jochen Back komplettierte mit 86,3 km/h auf dem Vereinssegler „Yankee Golf“ (15 Meter Spannweite) das Bundesligateam der vergangenen Runde. Er flog dem Soonwald und Hunsrück folgend bis zur freien Wende südwestlich von Idar-Oberstein. Fast wie am Lineal gezogen verlief sein Flugweg in Gegenrichtung 174 Kilometer weit bis zum Fernwald, bevor es zurück nach Nastätten ging.

Immerhin vier Rundenpunkte konnte der ACN auf Platz 17 kassieren. In der Tabelle verbleibt der Verein im ersten Tabellendrittel. Das prognostizierte Wetter für das kommende Wochenende könnte sehr interessant werden. Wüstentemperaturen unweit der 40°C können sehr kräftige und sehr hochreichende Aufwinde mit aufgelockerter Kumulusbewölkung wie aus dem Bilderbuch erzeugen. Alles hängt von der Schichtung der Atmosphäre ab. Es kann aber auch einfach nur heiß werden.

Text: Jens-Christian Henke

Runde 11