Der ACN klettert in der Tabelle einen Platz nach oben

Vorbeiflug an der amerikanischen Flugbasis Ramstein. Schöne geometrische Strukturen des Schlossgartens Schwetzingen. Der Neckar bei Heidelberg.
Der Rhein führt momentan Niedrigwasser. Steinbruch Albersweiler im Pfälzer Wald. Zurück am Heimatflugplatz kurz vor der Landung.

Photos: Jens-Christian Henke, Martin Fuhr

Die Erstligisten des Blauen Ländchens nutzen das gute Segelflugwetter der 10. Runde für sechs Rundenpunkte.

Endlich konnten die Segelflieger des Aero Club Nastätten beide Tage des Wochenendes für weite und schnelle Streckenflüge nutzen. Allerdings riss die Wolkendecke erst gegen Mittag auf, so dass das Loslösen vom Flugplatz bei einem frühen Start schwierig war. Am Samstag überwanden sechs Piloten die 40 km/h-Hürde der Bundesliga und am Sonntag waren es sieben Flüge, die auf der Meldeplattform des Online Contests eingereicht wurden. Pro Runde werden zur Ermittlung der Rangliste die Geschwindigkeiten der drei schnellsten Flüge jedes Bundesliga-Vereins aufaddiert. Obwohl die beiden schnellsten ACN-Flüge an unterschiedlichen Tagen geflogen wurden, waren sie fast gleich schnell.

Der schnellste Flug gelang Dr. Klaus Doubek mit Co-Pilot Martin Fuhr auf dem großen Doppelsitzer vom Typ ASH25Mi „Delta“ (26 m Spannweite). Sie flogen zunächst über die Eifel bis 40 km vor Aachen. Dort schlugen sie einen Südkurs ein und flogen unweit der belgischen und luxemburgischen Grenze bis nach Bitburg. Immer noch mit dem Wind im Rücken ging es auf Südostkurs 170 km weit in das Rheintal. Kurz vor Bruchsal bei Karlsruhe war es Zeit, zurück nach Nastätten zu fliegen, was jedoch nicht so einfach war. Nur noch 260 Meter über Grund kämpfte das Team fast 30 Minuten lang bei Bad Sobernheim um Höhe. Leider vergeblich, so dass sie schließlich aufgeben, den Propellerturm aus dem schlanken Rumpf ausklappen und den Wankelmotor starten mussten. Auf ihrem 485 km weiten Flug überflogen sie fünf Bundesländer. Bei guter Sicht war der Blick auf Köln und das Hambacher Schloss am Rand des Pfälzer Waldes besonders eindrucksvoll. Ihre Rundengeschwindigkeit betrug 95,07 km/h.

Mit 95,03 km/h einen Hauch langsamer unterwegs waren Jens-Christian Henke mit Co-Pilot Sascha Stüber am Tag zuvor auf dem Vereinsdoppelsitzer vom Typ DG-1001T „Yankee Hotel“ (20 m Spannweite). Sie hatten nach dem Start große Schwierigkeiten, mit dem schweren Wasserballast in den Flügeln Höhe zu gewinnen und mussten vier Minuten lang den Hilfsmotor laufen lassen. Das im Flug abgerufene Satellitenbild zeigte einen deutlich geringeren Bedeckungsgrad der Wolken in Richtung Koblenz. Daher segelte das Team bis an den Ostrand der Eifel. Dort verbesserte sich nicht nur die Stärke der Aufwinde, auch die Untergrenze der Cumuluswolken stieg stetig an. Auf Südwestkurs ging es bis nach Bitburg und dann über Trier bis nach Saarlouis. Auf ihrem letzten 151 km langen Bundesliga-Schenkel bestaunten sie die große amerikanische Flugbasis Ramstein. Sie überflogen den Pfälzer Wald mit ausreichend Sicherheitshöhe, da dieser so gut wie keine Flächen für eine eventuell erforderliche Außenlandung anbietet. Dann ging es über das brettebene Rheintal mit seinen zahlreichen großen Feldern, auf denen man problemlos landen kann, wenn kein Aufwind mehr gefunden wird und der Hilfsmotor – sofern vorhanden – nicht anspringt. Eines der optischen Höhepunkte des Fluges war der Blick auf die schöne Geometrie des Schlossgartens Schwetzingen. Der Odenwald produzierte an diesem Samstagnachmittag ausnahmsweise keine überdurchschnittlich guten Aufwinde, so dass das Team wenige Kilometer östlich von Heidelberg beschloss, den Heimweg anzutreten. Die Landung erfolgte nach über sieben Stunden und einer Flugstrecke von 515 km. Der winzige Unterschied in der Rundengeschwindigkeit zwischen der „Delta“ und der „Yankee Hotel“ bedeutet im 2,5-stündigen Bundesliga-Zeitfenster eine Flugstrecke von weniger als vier „Delta“-Flügelspannweiten.

Jochen Back mit Co-Pilot Jens Pötting gelang am Samstag der drittschnellste Flug auf dem Vereinsdoppelsitzer vom Typ Duo Discus „Yankee Delta“ (20 m Spannweite). Ihre Flugroute entsprach weitgehend der der „Delta“ und sie erzielten auf dem 465 km weiten Flug eine Rundengeschwindigkeit von 93,41 km/h.

In der 10. Runde beträgt die Gutschrift auf dem ACN-Rundenkonto erfreuliche sechs Punkte. Der Abstiegskampf ist also noch lange nicht verloren, da der Verein vom zweitletzten auf den drittletzten Tabellenplatz vorrücken konnte. Die verbleibenden neun Runden geben dem Erstligisten des Blauen Ländchens viele Chancen auf den Klassenerhalt.

Text: Jens-Christian Henke

Runde 10