Der ACN erfliegt den „Anschlusstreffer“
 


Prächtige Cumuluswolken über den Alpen.

Photo: Roland Henz

Am heißesten Pfingstwochenende seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gelingt einer kleinen Gruppe von ACN-Piloten ein sehr erfreulicher 12. Rundenplatz.

Über das Wochenende wurde auf der Vorderseite eines Atlantik-Tiefdruckgebiets immer heißere Saharaluft nach Deutschland gepumpt. In der trockenen Luftmasse waren Cumuluswolken absolute Mangelware. Diese Wolken stehen bei Segelfliegern hoch im Kurs, da sie das obere Ende der Aufwindschläuche markieren und die Suche nach Thermik vereinfachen. Herausragende Segelflugbedingungen lieferten in der 8. Bundesligarunde die Alpen und genau dort flog ein „Auswärtsspieler“ den schnellsten Flug für den ACN.

Malte Bernhardt startete am Samstag auf dem Flugplatz Unterwössen. Aufgrund der sehr guten Wetterprognosen war der Andrang an der Startbahn überdurchschnittlich hoch und konnte nur mit vier parallel im Einsatz befindlichen Schleppmaschinen der Alpen-Segelflugschule gemeistert werden. Im Bundesliga-Zeitfenster von 2,5 Stunden steuerte der Nastätter sein Segelflugzeug vom Typ Antares 18T „Lima Alpha“ (18 m Spannweite) fast 300 km weit. Das schnelle Luftrennen startete für ihn bei Zell am See und führte zunächst in westliche Richtung bis zur Zillertaler Höhenstraße. Von dort ging es nach Osten, vorbei am Hochkönig, Hohen Dachstein bis nach Gröbming und wieder retour nach Westen. Malte Bernhardt erzielte eine Rundengeschwindigkeit von 104,7 km/h.

Am zweitschnellsten unterwegs waren am Sonntag der Taunussteiner Jochen Back mit seinem Co-Piloten Torsten Besser. Sie flogen den Vereinsdoppelsitzer „Yankee Hotel“, ein Segelflugzeug vom Typ DG-1001T (20 m Spannweite). Ihnen gelang es, über der Südeifel die wenigen Gebiete mit Cumuluswolken aufzuspüren. Im Übergangsbereich zwischen überreifen Wolken und der sogenannten Blauthermik, die gar nicht durch Kondensationen markiert ist, gelang in der extrem heißen Luft ein schneller Flug. Bei Utscheid wendeten sie den weißen Segler und flogen bis auf die Höhe von Mayen zurück. Dort erreichten sie in einem kräftigen Aufwind 2.250 m Höhe über dem Meeresspiegel. Ihr Bundesliga-Zeitfenster endete auf erneutem Westkurs bei Daun. Aufgrund der mäßigen Prognosen war das Team leider ohne Wasserballast gestartet. Mit Wasserballast wäre eine noch höhere Rundengeschwindigkeit als die erzielten 92,3 km/h möglich gewesen.

Eine andere Taktik verfolgten am Sonntag Martin Fuhr mit Co-Pilot Dr. Klaus Doubek. Auf ihrer ASH25Mi „Delta“ (25,6 m Spannweite) flogen sie nach einem späten Start ebenfalls zunächst in Richtung Eifel. Über dem Nürburgring waren die Wolken jedoch bereits so breit verlaufen, dass das Steigen nur schwer zu finden war. Daher entschlossen sie sich, mit dem Südwestwind im Rücken über Koblenz, Montabaur, Ailertchen und an Bad Berleburg vorbei bis in das Rothaargebirge zu fliegen. Auf dem Rückweg nach Nastätten endete für sie das 2,5-stündige Wertungsfenster mit einer Rundengeschwindigkeit von 84,8 km/h.

Die in der 8. Runde erzielten 9 Rundenpunkte sind für den ACN sehr wertvoll. Der Erstligist verharrt zwar noch auf dem zweitletzten Tabellenplatz, kann jedoch den Abstand zu den vorausliegenden Vereinen der Abstiegszone deutlich verringern. Im großen Unterschied zur Fußball-Bundesliga steigen in der Segelflug-Bundesliga gleich sieben Vereine auf bzw. ab. Aktuell beträgt die Punktedifferenz zwischen einem Hamburger Verein auf dem 25. Platz und dem ACN auf dem 29. Platz nur 10 Zähler. Daher sind die Chancen gut, dass sich der Verein in den verbleibenden 11 Runden aus der Abstiegszone herauskämpft.

Text: Jens-Christian Henke

Runde 8