Wieder nur ein enttäuschender Rundenpunkt
 

Tief über den sanften Hügeln der Ostrhön Thermikquelle im Sonnenlicht Letzte thermische Aufwinde über dem Westhang des Rheins
Hinteres Cockpit der DG-1001T mit Bordcomputer und Motor-Bedieneinheit Die Abendsonne hat sich hinter dünnen Wolken versteckt Eine ASH25 aus Betzdorf landet für den Rückschlepp in Nastätten
Alleinflieger Peter Hasse putzt seine Schulmaschine vom Typ ASK13    

Obwohl der Aero Club Nastätten in der 7. Runde ganze 16 Bundesligaflüge abliefern konnte, rutscht der Erstligist auf den zweitletzten Tabellenplatz ab.

Seit mehreren Wochenenden fällt auf, dass das deutsche und das amerikanische Wettermodell nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig keine zuverlässigen Vorhersagen mehr liefern. Erwartet wurde, dass beide Rundentage von guten Aufwinden profitieren. Am Sonntagabend stand jedoch fest, dass der Vortag deutlich größere Flüge und etwas höhere Bundesliga-Geschwindigkeiten ermöglichte. Die Beteiligung der ACN Pilotinnen und Piloten ließ nichts zu wünschen übrig, denn insgesamt wurden 16 Bundesliga-Flüge eingereicht. Die drei schnellsten Flüge fanden jedoch alle am Samstag statt. Dabei waren die Rundengeschwindigkeiten trotz jeweils unterschiedlicher Startflugplätze erstaunlich ähnlich. Sie lagen in einem engen Intervall zwischen 92,11 km/h und 93,07 km/h.

Die ASH25Mi „Delta“ (25,6 m Spannweite) kam nach fünf Schlechtwettertagen am letzten Wertungstag des 48. Hahnweide Wettbewerbs bei Stuttgart endlich wieder in die Luft. Die 527 km große Aufgabe mit drei Wenden führte großräumig und im Uhrzeigersinn um den internationalen Verkehrsflughafen Stuttgart herum. Normalerweise liefern die Schwäbische Alb und der Schwarzwald die kräftigsten Aufwinde. An diesem Tag war das jedoch nicht so und Martin Fuhr mit Co-Pilot Peter Fabian erzielten erst nördlich von Stuttgart die höchste Reisegeschwindigkeit im Bundesliga-Zeitfenster. Ihre Rundengeschwindigkeit betrug 93,1 km/h.

Auf dem Heimatflugplatz Nastätten starteten Sascha Stüber mit Coach und Co-Pilot Jens-Christian Henke mit dem Vereinssegler DG-1001T „Yankee Hotel“ (20 m Spannweite). Sie hatten aufgrund der guten Wetterprognose eine große Aufgabe von 750 km um die Sperrgebiete der Flughäfen Frankfurt und Stuttgart geplant und starteten deshalb relativ früh kurz nach 11:30 Uhr. Da der Gegenwind gering war und die Abflugmasse am oberen Limit lag, ließen sie das Hilfstriebwerk des Segelflugzeugs mit maximaler Drehzahl laufen, während der Vereinsmotorsegler sie auf 600 m Höhe über Grund schleppte. Leider konnte das Team die selbst gestellte Aufgabe nicht erfüllen. Während der ersten zwei Stunden auf dem Schenkel in Richtung Rhön blieb die Wolkenbasis mit weniger als 1.400 m über Meeresspiegel unerwartet niedrig. Sie verloren viel Zeit, als sie sich zweimal in sehr schwachen Aufwinden mit dem schweren Wasserballast in den Flügeln aus unter 300 m über Grund wieder nach oben kämpfen mussten. Bei Schwäbisch Hall nutzen sie zusammen mit zahlreichen Segelflugzeugen des Hahnweide Wettbewerbs einen guten Aufwind, der sie auf 1.700 m über dem Meeresspiegel trug. Von dort ging es nach Idar-Oberstein. Bis zum Westrand des Rheintals konnten sie kräftige Aufwinde bis auf 2.200 m nutzen. Ab dem Donnersberg wurde es jedoch schwierig. Die Cumuluswolken sahen nicht mehr wie ein Blumenkohl, sondern durchweg wie ein riesiger flacher Pfannkuchen aus. Die wenigen Aufwindschläuche waren somit schlecht markiert und die Suche nach ihnen war zeitraubend. Die Geduld und Vorsicht zahlte sich aus. Nach acht Stunden Flugzeit und einer motorlosen Flugstrecke von über 600 km gelangten sie zurück in die Platzrunde von Nastätten und freuten sich über den gelungenen Flug. Im Bundesliga-Zeitfenster, das nach dem Flug von einem Computerprogramm optimiert wird, erzielten sie eine Rundengeschwindigkeit von 92,2 km/h.

Fast genauso schnell war Alfred Perlich mit seiner DG-200 „Echo Lima“ (17 m Spannweite) unterwegs. Er startete als Teilnehmer am 29. Dannstadter Vergleichsfliegen auf dem Flugplatz Ludwigshafen im Rheintal. Die Wettbewerbsaufgabe führte ihn zunächst in den Spessart und dann nach Aalen-Elchingen am Nordrand der Schwäbischen Alb. Auf dem Rückweg nach Ludwigshafen ließ die Gleitleistung seines Segelflugzeuges deutlich nach, weil die Tragflächenvorderkante stark mit Insekten verschmutzt war. Auf seinem Flug erzielte er eine Rundengeschwindigkeit von 92,1 km/h. Perlich denkt jetzt über die Anschaffung von Mückenputzern nach, die mit einem dünnen Perlonfaden die Unebenheiten auf der Nasenleiste beseitigen.

Trotz der vielen Flüge von ACN Pilotinnen und Piloten muss sich der Verein erneut mit nur einem Rundenpunkt zufrieden geben. Er rutscht in der Tabelle auf den 29. Rang ab. Die Chancen auf den Verbleib des ACN in der 1. Segelflugbundesliga nehmen somit erneut ab.

Der 14-jährige Peter Hasse absolvierte am Samstag unter der Obhut von Fluglehrer Jan Brill seine ersten drei Alleinflüge. Mit dem bestehen der A-Prüfung darf er jetzt die blaue Anstecknadel mit einer Möwenschwinge tragen. Sicherlich werden weitere Anstecknadeln in naher Zukunft folgen. Wer Interesse hat, das Segelfliegen kennen zu lernen, ist herzlich eingeladen, sich am Wochenende auf dem Segelflugplatz Nastätten zu informieren und vielleicht einen Gaststart zu machen. Neben der regulären Ausbildung zum Segelflugpiloten kann man dem Verein für wenig Geld auch als „Co-Pilot“ beitreten. Dann fliegt man mit einem erfahrenen Piloten auf dem hinteren Sitz eines Doppelsitzers. Jederzeit kann Mann oder Frau in den Schülerstatus wechseln. Ganz egal, ob man auf dem vorderen oder hinteren Sitzplatz festgeschnallt ist: Gemeinsam mit den Rotmilanen unter einer weißen Cumuluswolke im Aufwind zu kreisen, ist immer wieder ein grandioses Erlebnis und der Blick von oben auf das Blaue Ländchen ist immer schön.

Text & Photos: Jens-Christian Henke; Photo „Peter’s A-Flug“ Thomas Paulsen

 

Runde 7