Der ACN nutzt ein kleines Fenster mit sehr gutem Segelflugwetter und klettert in der Tabelle einen Rang nach oben.

Eigenstart des großen Doppelsitzers ‘Delta‘ Industriethermik über der Dillinger Hütte Burg Pfalzgrafenstein im Abendlicht
Kurz vor dem Sprung über den Rhein zum Soonwald Blick nach Koblenz im Endanflug auf Nastätten Flugplatz Nastätten im Abendlicht kurz vor der Landung

An diesem Wochenende kämpfte ein Tief im Osten, das in Südeuropa für die schlimmen Überschwemmungen verantwortlich war, gegen ein Hoch im Westen. Dazwischen lag das blaue Ländchen und die Bundesligapiloten konnten an beiden Tagen von einem Streifen mit zum Teil sehr guter Thermik profitieren. Am Freitag war noch gar nicht klar, dass das Segelflugwetter so gut werden würde, da die Wettermodelle einen Vormarsch des Regengebiets prognostizierten.

Am Ende fiel die Bilanz der 5. Runde für den Verein erfreulich aus, da 13 Ligaflüge eingereicht werden konnten. Von den drei schnellsten Flügen, die in die Vereinswertung eingehen, lagen zwei sogar über der magischen Rundengeschwindigkeit von 100 km/h.

Jens-Christian Henke mit Coach und Co-Pilot Holger Back waren am Sonntag mit einer Rundengeschwindigkeit von 108,7 km/h am schnellsten unterwegs. Die deutlich angenehmeren Bodentemperaturen lagen auch in der Höhe über dem Gefrierpunkt, so dass endlich Wasserballast zur Optimierung der Reisegeschwindigkeit mitgenommen werden konnte. Das Team nutze diese Möglichkeit und tankte 70 Liter Wasser, um das maximale Abfluggewicht des Doppelsitzers „Yankee Hotel“ (20 m Spannweite) von 750 kg voll auszureizen. Sie nutzen Aufwindaufreihungen von Nastätten über den Hunsrück bis in das Saarland. An der französischen Grenze wendeten sie, um unter den schönen Cumuluswolken bis nach Bad Sobernheim zu fliegen. Erneut ging es bis zum Ende des 2,5-stündigen Zeitfensters nach Südwesten. Ganz gezielt flogen sie mit einer Grundgeschwindigkeit von zweitweise über 240 km/h das Stahlwerk Dillinger Hütte an, um in der turbulenten, aber sehr zuverlässigen Industriethermik Höhe zu gewinnen. Der „Rückenwindturbo“ spielte in den taktischen Überlegungen eine untergeordnete Rolle, weil der Wind am Sonntag recht schwach war.

Am Samstag hingegen blies der Wind recht lebhaft aus Nordost. Holger Back nutze daher den Rückenwind zur Erhöhung der Reisegeschwindigkeit, indem er seine LS10 „Seven One“ (18 m Spannweite) zunächst gegen den Wind in den Westerwald flog. Von dort ging es dann ganz schnell über Nastätten hinweg bis an die französische Grenze. Seine Strategie wurde mit einer Rundengeschwindigkeit von 102,1 km/h belohnt. Das war der zweitschnellste Flug an diesem Wochenende.

Das Bundesligateam komplettierte erstmals in dieser Saison der Nastätter Dr. Malte Bernhardt auf der ASW20 „Seven X-Ray“ (15 m Spannweite). Er flog am Samstag direkt von Nastätten bis zur französischen Grenze und von dort zurück zum Heimatflugplatz. Dadurch konnte er den Rückenwind nur auf der Hälfte des Bundesligafluges ausnutzen. Seine Rundengeschwindigkeit fiel mit 83,8 km/h entsprechend geringer aus.

Mit in Summe 294,7 km/h landete der Verein auf dem 11. Rundenplatz und erzielte zehn wertvolle Rundenpunkte. Ein kleines Rechenbeispiel zeigt, wie hoch die Leistungsdichte in der 1. Segelflugbundesliga ist: Wäre der Verein nur 12 km/h schneller geflogen, dann wäre ein sehr guter 4. Rundenplatz mit 17 Rundenpunkten möglich gewesen. Nicht nur in der Segelflugbundesliga, sondern auch auf internationalen Wettbewerben sind die Piloten des AC Nastätten präsent und sehr erfolgreich: Der Taunussteiner Jochen Back mit Co-Pilot Torsten Besser errang auf dem „22nd International Gliding CUP“ in Klix bei Bautzen Platz 1 in der Doppelsitzerklasse! Der Verein drückt den Piloten des großen Doppelsitzers „Delta“ die Daumen für ein ähnlich erfreuliches Endergebnis. Martin Fuhr, Dr. Klaus Doubek und Peter Fabian fliegen ab dem nächsten Wochenende auf dem internationalen Hahnweide Wettbewerb bei Stuttgart, so dass für die nächsten zwei Bundesligarunden „Auswärtsspieler“ zur Verfügung stehen.

Text & Photos: Jens-Christian Henke

Runde 5