Der ACN kann die gute Samstags-Platzierung zum Ende der Runde nicht halten

Die Tief mit laufendem Hilfsmotor über dem Hunsrück. Sonnenstrahlen über dem Rhein.
Abendstimmung mit dem Rhein als glänzendes Wasserband. Endanflug auf Nastätten mit gläsernem Schwingen. Steigen mit bis zu 4 Metern pro Sekunde im Geradeausflug.
Auch auf dem Wasser wird gesegelt.    

 

Trotz guten Wetters mit sehr vielen Flügen auch durch zwei Auswärtsspieler und einer erfreulichen Rundenplatzierung am Samstagabend erntet der ACN am Ende nur einen enttäuschenden Punkt und fällt in der Tabelle schmerzhaft vom 20. auf den 25. Platz zurück

Die Kombination aus kalter Luft und vielen Sonnenstunden lässt jedes Segelfliegerherz höher schlagen, weil es kräftige Aufwinde von morgens bis abends verspricht. Am vergangenen Wochenende wurden fast 3.000 Segelflüge auf den Server des Online Contests hochgeladen. Beim Betrachten der Flugspuren fällt ins Auge, dass am Samstag fast nur im Norden und Westen geflogen wurde. Das erklärt auch die gute Platzierung des ACN am Samstagabend, weil die Vereine im Süden und Osten wegen einer dichten Wolkendecke nicht starten konnten. Am Sonntag wendete sich das Blatt und bescherte den Vereinen im Westen erneut gutes und im Süden sogar sehr gutes Segelflugwetter. Hier gelangen fünf Flüge über der magischen Grenze von 1.000 km. Zwei Piloten knackten sogar die 1.100 km-Marke. Die Erstligisten im Süden überholten deshalb die Vereine, die überwiegend in der guten, aber schwächeren Mitte Deutschlands ihren Startplatz hatten.

Die Pilotinnen und Piloten des Aeroclub Nastätten fanden sich hochmotiviert und in reicher Zahl an beiden Tagen des Wochenendes auf dem Flugplatz ein, um für die Bundesliga zu punkten oder einfach nur das Blaue Ländchen aus der Vogelperspektive zu genießen. 22 Flüge lagen oberhalb der Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h. Vier Flüge fanden auswärts statt. Bei guter und sehr guter Thermik ist es zur Steigerung der Reisegeschwindigkeit ratsam, Wasserballast mitzunehmen. Manche Segelflugzeuge können bis zu 200 Liter in ihren Flügeln aufnehmen. Diese Option musste jedoch verworfen werden, da die Flüge überwiegend in Höhen mit einer Außentemperatur unterhalb des Gefrierpunktes stattfanden. Wasserballast muss aus Sicherheitsgründen vor der Landung abgelassen werden. Das ist natürlich nicht mehr möglich, wenn Eis den Ablass verstopft. Im schlimmsten Fall kann die Volumenzunahme des Wassers zu Zerstörungen an der Flugzeugstruktur führen, die die Festigkeit des Segelflugzeuges gefährlich beeinträchtigen. Eine Lösung des Problems wäre die Zugabe eines Frostschutzmittels, doch dieser Aufwand wird selten betrieben. Am Sonntagabend wartete ein Pilot aus Kirn auf seinen Rückholer, was an sich nichts Ungewöhnliches ist. Der Grund für seine Landung war hingegen außergewöhnlich: Es handelte sich nämlich um eine sehr seltene Sicherheitslandung nach einem technischen Defekt, der während des Fluges auftrat. Nach dem Start konnte der Steuerknüppel noch wie gewohnt mit zwei Fingern bewegt werden. Im Verlauf des Segelfluges konnten die Querruder immer schwerer betätigt werden, so dass sich der Pilot nach wenigen Stunden Flugzeit zur Landung auf dem Flugplatz Nastätten entschloss. Der Grund für die sehr schwergängige Querruder-Steuerung muss noch in der Werkstatt ermittelt werden.

Wieder mit Abstand am schnellsten unterwegs war der zweifache Vizeweltmeister Holger Back am letzten Tag des Trainingslagers der deutschen Nationalmannschaft in Neustadt-Glewe. Er fand einen Streifen mit hervorragenden Aufwinden am Nordrand des für Segelflugzeuge gesperrten Luftraums über Berlin. Im 2,5-stündigen Zeitfenster erreichte er am Samstag eine Reisegeschwindigkeit von 130,3 km/h und Flughöhen bis 2.000 m über dem Meeresspiegel. Nach Anwendung des Handicap-Faktors für seine LS10 „Seven One“ (18 m Spannweite) konnte er eine hervorragende Rundengeschwindigkeit von 114,8 km/h zum Vereinsergebnis beisteuern.

Jens-Christian Henke mit Co-Pilot Sascha Stüber gelang mit einer Rundengeschwindigkeit von 93,9 km/h der schnellste Flug von Nastätten aus. Ihr Plan bestand darin, die DG-1001T „Yankee Hotel“ (20 m Spannweite) gegen den Wind bis nach Kassel zu fliegen, um dann mit dem Wind im Rücken und auf Südwestkurs schnell bis an die französische Grenze zu spurten. Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Bei Idar-Oberstein wurde die Wolkendecke so dicht, dass nur noch wenige Sonnenflecken auf dem Boden ausgemacht werden konnten. Da kein rettender Aufwind mehr gefunden wurde, musste der an einem 30 PS starken Motor befestigte Propeller aus dem Rumpf ausgeklappt und in Betrieb genommen werden. Fast 400 km waren sie bis zu diesem Punkt geflogen. Zurück im guten Wetter wurde der Flautenschieber wieder eingeklappt. Ganz entspannt glitten sie noch 170 km über dem Blauen Ländchen und Westerwald. Im letzten Aufwind erreichten sie mit 2.200 m über dem Meeresspiegel die höchste Flughöhe des Tages. Eine Außentemperatur von unter ‑7°C sorgte jedoch dafür, dass die ohnehin schon kalten Füße recht taub wurden. Sie landeten kurz vor der Tagesschau nach fast 8 Stunden Flugzeit.

Erstmals bei einer Erstliga-Runde unter den drei schnellsten Piloten des Vereins dabei war Dieter Schäfer mit Co-Pilot, Motivator und 2. Vorsitzenden des Vereins Thomas Paulsen auf dem hinteren Sitz des Duo Discus „Yankee Delta“ (20 m Spannweite). Sie flogen über Montabaur unter einer herrlichen Wolkenautobahn bis nach Siegerland. Von dort ging es mit einer Reisegeschwindigkeit von 127 km/h über Nastätten hinweg bis in den Soonwald. Da dort die Wolkenbasis deutlich absank wurde gewendet und die Wolkenautobahn erneut für einen schnellen Ritt in den Westerwald genutzt, die mit Steigwerten von bis zu 4 Metern pro Sekunde im Geradeausflug überraschte. 70 km von Nastätten entfernt wurde in einer Ausgangshöhe von 2.200 m über dem Meeresspiegel der letzte der vier Ligaschenkel in Angriff genommen. Der Flug von Schäfer und Paulsen mit einer Rundengeschwindigkeit von 93,0 km/h zeigt, dass man sich nicht immer weit vom Heimatflugplatz entfernen muss, um ganz vorne dabei zu sein.

Die Enttäuschung war groß, als zum Wertungsschluss am Montag um 10:00 Uhr trotz des großen Einsatzes der ACN-Pilotinnen und -Piloten nur der 21. Rundenplatz erreicht werden konnte. Der Kontostand erhöhte sich um nur einen mageren Rundenpunkt. Viel kritischer ist jedoch, dass der Aeroclub Nastätten vom 20. auf den 25. Tabellenplatz abgerutscht ist. Für die kommende 4. Runde wird wechselhaftes Wetter vorhergesagt. Ein kleines Wetterfenster über dem Blauen Ländchen wäre sehr hilfreich, damit der ACN in der Tabelle wieder nach oben rückt.

Text: Jens-Christian Henke; Photos: Jens-Christian Henke, Thomas Paulsen

Runde 3