Zufriedenstellender Saisonstart für den ACN
 

Dunkle Wolken über der Eifel Mosel, Raps und frisches Frühlingsgrün Schwacher Aufwind trotz Wolkendecke
Bundesliga-Team der ersten Runde: Peter Fabian, Jens-Christian Henke, Jochen Back, Markus Karst (v.l.n.r.)    

 

Von den 30 Erstliga-Vereinen landet der ACN in der ersten Runde auf Platz 20 und erzielt dabei einen Rundenpunkt

Der Start der Segelflugbundesliga fiel in diesem Jahr auf das Osterwochenende, das im Blauen Ländchen mit ungewöhnlichem Wetter überraschte. Am Samstag scheiterten alle Versuche der ACN-Piloten am 50 km/h starken und für Ostern untypischen Ostwind. Die hohen Windgeschwindigkeiten deformieren die Aufwindschläuche so stark, dass sie für einen Höhengewinn im Segelflugzeug kaum genutzt werden konnten. Da außerdem die maximale Thermikhöhe nur 700 m über Nastätten lag, musste man beim Verlassen des Flugplatzbereiches damit rechnen, auf einem Acker landen zu müssen, falls der nächste Aufwind nicht gefunden wird.

Der Wiesbadener Jens-Christian Henke machte sich am Samstagabend wenig Hoffnung auf eine deutliche Verbesserung der Aufwindverhältnisse. Beim Blick aus dem Fenster am Ostersonntag kurz nach 10:00 Uhr standen am blauen Himmel bereits erste vielversprechende Blumenkohlwolken. Er fuhr schnell nach Nastätten und erhielt die Gelegenheit, mit einem Vereinsflugzeug beim Bundesligafliegen dabei sein zu können. Ein sogenannter Kaltlufttropfen über Deutschland sorgte im Tagesverlauf für angenehm hohe Bilderbuchwolken. Es wurden Flughöhen von 2.000m über dem Meeresspiegel erreicht. Der Wind war mit 30 km/h aus Ost bis Südost immer noch sehr lebhaft.

An den Regeln der Segelflugliga hat sich in diesem Jahr nichts geändert. Es werden weiterhin die drei schnellsten Flüge pro Verein addiert. Die Punktevergabe erfolgt wie in der Formel 1: Der schnellste Verein kassiert 20 Punkte, der zweitschnellste 19 Punkte und so weiter. Die langsamsten 10 Vereine müssen sich also mit einem Rundenpunkt zufrieden geben.

In der 1. Bundesligarunde waren Jens-Christian Henke mit Co-Pilot Markus Karst am schnellsten unterwegs. Sie steuerten die DG-1001T „Yankee Hotel“ (20 m Spannweite) gegen den Ostwind. Ihr bester Aufwind hob das 700 kg schwere Segelflugzeug mit 18 km/h senkrecht in die Höhe. Am Vogelsberg angekommen ging es mit dem Wind im Rücken zurück nach Neuwied am Rhein. Leider musste dort der Plan aufgegeben werden, mit dem Rückenwind in die Eifel einzufliegen, weil durch die großen Wolkendecken nur noch wenig Sonne auf den Boden strahlte. Es wurde noch einmal gewendet und mit Gegenwind nach Bad Marienberg im Westerwald gesegelt. Ein weiterer Rückenwindschenkel bis zur Kontrollzone des Militärflughafens Büchel bescherte dem Team keine Verbesserung der Reisegeschwindigkeit, aber einen mühsamen Weg zurück nach Nastätten. In der Nähe des Flugplatzes Koblenz musste lange in einem schwachen Aufwind gekreist werden, bis der Bordrechner eine Ankunftshöhe über Nastätten von 300 m anzeigte. Diese Höhe war jedoch wegen ausgedehnter Abwindfelder schnell verbraucht, so dass für die sichere Rückkehr zum Heimatflugplatz der kleine Motor gezündet werden musste. Im Bundesliga-Zeitfenster von 2,5 Stunden erreichten sie eine Reisegeschwindigkeit von 100,9 km/h. Die Anwendung des Handicapfaktors ergab eine Rundengeschwindigkeit von 93,9 km/h.

Mit einer Rundengeschwindigkeit von 91,1 km/h nur etwas langsamer flog Peter Fabian aus Taunusstein, der Segelflugreferent des ACN. In seinem Einsitzer vom Typ LS4 mit dem Wettbewerbskennzeichen „Hotel Papa“ (15 m Spannweite) flog er zunächst an Montabaur vorbei nach Norden, um dann gegen den Wind unter kräftigen Kumuluswolken bis hinter Gießen zu gleiten. Auf seinem Rückenwindschenkel flog er fast nur im Geradeausflug über die vielen gelben Rapsfelder und war in diesem Abschnitt fast 150 km/h schnell.

Nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren komplettierte der Taunussteiner Jochen Back das Bundesliga-Team durch einen Flug in seiner ASK14. Dabei handelt es sich um einen Oldtimer in Holzbauweise mit nur 14,3 m Spannweite, der von 1967 bis 1972 gefertigt wurde. Ein 26 PS Motor ermöglicht den Eigenstart. Obwohl Oldtimer mit ihrer relativ geringen Vorfluggeschwindigkeit bei stärkerem Gegenwind nur langsam vorankommen, gelang Back ein schneller Bundesligaflug. Er nutze vom Vogelsberg bis nach Koblenz den Rückenwind als „Turbo“. Seine Rundengeschwindigkeit betrug hervorragende 88,1 km/h.

Trotz insgesamt 8 Bundesligaflügen von Pilotinnen und Piloten des ACN konnte mit dem undankbaren 20. Platz und in Summe 273 km/h nur ein einziger Rundenpunkt erzielt werden. Andere Erstligisten waren schlicht und einfach dank stärkerer Aufwinde und Aufwindreihungen deutlich schneller unterwegs als die Piloten des Blauen Ländchens. Beispielsweise erzielten die drei schnellsten Piloten des SFV Mannheim insgesamt 390 km/h. Die aktuellen Wettermodelle prognostizieren für die 2. Bundesligarunde schwieriges Segelflugwetter. Aber das kann sich natürlich noch ändern.

Text: Jens-Christian Henke; Photos: Jens-Christian Henke, Holger Back

Runde 1