Jens-Christian Henke gelingt der schnellste ACN-Flug seit Bestehen der Bundesliga

Segelflugwetter vom Feinsten in Richtung Frankreich. Landung der eta nach dem schnellen Bundesligaflug. Bundesliga-Team der 18. Runde: Ramon Meyer auf der Heide, Jochen Back, Claudia Gallikowski, Uli Leukel, Jens-Christian Henke (v.l.n.r.)

Photos: Jens-Christian Henke, Alfred Perlich

Trotz 12 Rundenpunkten ist die Abstiegsgefahr für den ACN nicht gebannt. In der letzten Runde am kommenden Wochenende fällt die Entscheidung.

Die Wetterprognose für das Bundesliga-Wochenende versprach mäßige Thermik mit Regenschauern für den Sonnabend und einen trockenen, aber weitgehend aufwindlosen Sonntag. Zum Glück kam es aber für die abstiegsgeplagten Piloten des ACN ganz anders: Der Sonnabend entpuppte sich als ein hervorragender Renntag ohne Regen. Letzterer fiel dafür am Sonntag viel intensiver als prognostiziert vom Himmel. Am Sonnabendvormittag gingen acht Piloten hochmotiviert an den Start, um die Abstiegsgefahr zu mildern. Dabei war zunächst nicht klar, wo sich das bessere Wetterfenster entwickeln würde. Die Piloten, die sich gefühlsmäßig für den Hunsrück entschieden, hatten eindeutig die besseren Karten in der Hand. Dort entwickelten sich im auffrischenden Westwind zum Teil sehr mächtige und kräftige Wolkenaufreihungen, die den schnellen, kreisarmen Vorausflug im Delphinstil ermöglichten. Entgegen den Vorhersagen fiel kein Regen. Nasse Flügel verschlechtern nämlich den Auftrieb und erhöhen den Luftwiderstand, so dass sich die Gleitleistung der Segler erheblich verschlechtert.

Mit einer Rundengeschwindigkeit von 127,3 km/h am schnellsten unterwegs waren Jens-Christian Henke mit Co-Pilot Ramon Meyer auf der Heide. Sie flogen den neuen Vereinsdoppelsitzer vom Typ DG-1001T „Yankee Hotel“ mit 20 m Spannweite. Obwohl nur mäßige Thermik vorhergesagt war, entschieden sie sich trotzdem für die Mitnahme von Wasserballast. Das Segelflugzeug startete an der Winde mit dem maximal zulässigen Abfluggewicht von 750 kg. Eine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellte, da die Aufwinde nicht mäßig, sondern gut bis sehr gut waren. Die vier Bundesligaschenkel platzierten sie direkt über dem Hunsrückkamm und wendeten zweimal in der Nähe der französischen Grenze. Da ihr Kreisfluganteil in dem 2,5-stündigen Zeitfenster nur 5,1% betrug (weniger als 8 Minuten), erzielten sie eine im ACN seit Gründung der Segelflugbundesliga im Jahr 2007 bisher unerreichte Reisegeschwindigkeit von 136,9 km/h. Mitentscheidend für den sehr geringen Kreisfluganteil war auch die recht spontan umgesetzte Idee, unter dem für den Segelflug an diesem Tag nicht freigegebenen Luftraumdeckel von Frankfurt-Hahn abzutauchen. So konnte die „Yankee Hotel“ den sehr guten Aufwinden über dem Hunsrück weiter in Richtung auf das Atomkraftwerk Cattenom folgen. Ein Nachteil dieser Entscheidung war jedoch eine relativ geringe Arbeitshöhe über Grund von manchmal weniger als 600 Metern, die das Risiko des „Absaufens“ deutlich erhöhte.

Der mit einer Rundengeschwindigkeit von 104,8 km/h zweitschnellste Flug wurde von Claudia Gallikowski und Jochen Back auf der eta „Kilo Lima“ mit 30,9 m Spannweite erzielt. Auch sie flogen vier Schenkel und hatten Frankreich zweimal direkt vor sich liegen. Dabei verfolgten sie jedoch auf dem ersten Weg nach Südwesten einen deutlich südlicheren und thermisch schwächeren Kurs als die „Yankee Hotel“.

Das Bundesliga-Team der vorletzten Runde komplettierten Uli Leukel und Martin Fuhr. Sie waren auf ihrer ASH25Mi „Delta“ (25,6 m Spannweite) mit einer Rundengeschwindigkeit von 96,3 km/h unterwegs. Nach einer Wende bei Saarlouis-Düren flogen sie nach Nastätten zurück. Ein erneuter Ritt über den Hunsrück erbrachte keine Verbesserung der Ligageschwindigkeit.

Mit dem 9. Rundenplatz und 12 Rundenpunkten konnte der Abstand zur Abstiegszone vergrößert werden. Er beträgt jetzt etwas komfortablere neun statt fünf Punkte. Der ACN hat bewiesen, dass er aus dem Wetter das Optimum herausholen kann. Sollten jedoch die Aufwinde in der letzten Bundesligarunde über der Mitte Deutschlands schlecht sein, dann kann der Abstieg des ACN nicht ausgeschlossen werden. Jetzt ist „Daumen drücken“ für die Pilotinnen und Piloten des Blauen Ländchens angesagt. Gerne auch am Sonntag während des Fliegerfestes auf dem Segelflugplatz Nastätten.

Text: Jens-Christian Henke

Runde 18