Schweißtreibendes Bundesligawetter

Teamflug mit der Die 673 m hohe Sackpfeife im Rothaargebirge. Kräftiger Aufwind über dem Stahlwerk Dillingen.

Photos: Jens-Christian Henke

Der ACN stabil auf dem 21. Tabellenplatz

Das Wochenendwetter war für die Pilotinnen und Piloten aller Bundesligavereine gleichmäßig schweißtreibend. Ungleich waren hingegen die Stärke und Höhe der Aufwinde verteilt. Die Thermik über dem Blauen Ländchen konnte leider nicht mit der über dem Schwarzwald oder der Schwäbischen Alb konkurrieren. Am Sonntag war ein Funkspruch zu hören, dass unter den extrem hohen Wolken der Schwarzwald ziemlich eben ausschaut. Das Ende der oft mit einer weißen Blumenkohlwolke markierten Aufwindschläuche lag dort bei fast 3000 m Höhe über Meeresspiegel. Höher dürfen Segelflugzeuge nur mit Sonderfreigaben steigen, weil oberhalb der Flugfläche 100 (ca. 3000 m) die großen Verkehrsflugzeuge fliegen, die von Radarlotsen geführt werden.

In der 14. Runde der 1. Segelflugbundesliga konnte der Aero Club Nastätten 13 Flüge einreichen – 6 am Sonnabend und 7 am Sonntag. Die Flüge waren schnell, aber nicht schnell genug, insbesondere im Vergleich zu den zahlreichen Bundesligavereinen, die im Süden starten konnten. Dort erreichten gleich mehrere Piloten eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über 150 km/h im 2,5-stündigen Bundesliga-Zeitfenster. Das sind Reisegeschwindigkeiten, die man eher aus dem Motorflug kennt. Im umweltfreundlichen Segelflug werden solche extrem hohen Geschwindigkeiten nur ganz selten über Deutschland erzielt.

Zum vierten Mal in Folge gelang dem zweifachen Vizeweltmeister Holger Back der schnellste ACN-Flug. Nach einem sehr zähen Start um die Mittagszeit entwickelten sich am Sonnabend erst gegen 14:30 Uhr brauchbare Aufwinde über Soonwald und Hunsrück. Back nutzte sie für einen schnellen Jojo-Flug mit drei Schenkeln bis zur französischen Grenze. Er erzielte auf seiner LS 10 „Seven One“ (18 m Spannweite) eine Rundengeschwindigkeit von 108,5 km/h. Die meiste Zeit flog er in einer Höhe um 1.500 m über Meeresspiegel. Also rund 1.000 m weniger als die Erstligisten im Süden, die schon allein aufgrund des Vorteils der dünneren Luft schneller unterwegs waren.

Peter Fabian mit Co-Pilot Jens-Christian Henke lieferten auf der ASH25E „Lima Mike“ (25,6 m Spannweite) am Sonntag den zweitschnellsten Flug ab. Sie flogen zunächst im Teamflug mit der „Delta“ an der Sackpfeife vorbei in das Rothaargebirge. Dort wendeten sie für einen schnellen Spurt mit Kurs Südwest über einen 220 km langen Schenkel bis nach Dillingen im Saarland. Ab dem Rhein hatten sich auch endlich Cumuluswolken entwickelt, die das Ende der Aufwindschläuche markierten und so ein schnelleres Vorankommen ermöglichten. Ihre Rundengeschwindigkeit betrug 87,8 km/h.

Dr. Malte Bernhardt startete mit dem Elektrosegler „Alpha Charlie“, einer Antares 20E (20 m Spannweite) in Unterwössen. Sein Bundesligaflug fand über den Alpen statt und er erzielte mit 86,5 km/h die drittschnellste Rundengeschwindigkeit.

Wieder konnte dem Ligakonto mit dem 22. Rundenplatz nur ein einziger Punkt gut geschrieben werden. Keine Veränderung gibt es mit dem 21. Tabellenplatz, so dass der ACN in der Defensive bleibt. Falls das Segelflugwetter weiterhin die Mitte Deutschlands benachteiligt, wird es für den Verein schwierig, in der Tabelle wieder nach oben zu rücken.

Text: Jens-Christian Henke

Runde 14