Schnelle Luftrennen über Rothaargebirge und Sauerland

Schneereste im Sauerland. Weiße Cumuluswolken und gute Fernsicht. Der eta-Pilot Jens-Christian Henke nach der Landung.

Photos: Jens-Christian Henke; Claudia Gallikowski

Der ACN erzielt 13 Rundenpunkte in der 3. Runde der 1. Segelflugbundesliga. Flüge mit bis zu 131 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.

Petrus hatte an diesem Wochenende ein Nachsehen mit den wettergeplagten Ligapiloten und sorgte endlich in ganz Deutschland für Aufwinde. Die Qualität der Thermik war jedoch ungleich verteilt. Am Samstag regnete es erneut im Süden der Republik und am Sonntag war der Boden dort noch zu nass für wirklich gute Thermik. Das Segelflugwetter über dem Blauen Ländchen war am Samstag kompliziert, da erst über der Eifel gute Bedingungen für schnelle Flüge herrschten.

Der Sonntag hingegen startete mit strahlendem Sonnenschein. Ab Mittag entwickelten sich Bilderbuch-Cumuluswolken, die am Nachmittag immer stärkere Aufwinde anzeigten und zu Flügen über dem Rothaargebirge und Sauerland einluden. Dort konnten unter den aufgereihten Wolken längere Strecken im sogenannten Delphinstil geflogen werden. Dabei wechseln Langsam- und Schnellflugphasen ab und es wird nicht gekreist. Für den langsamen Flug im Aufwind wird das Segelflugzeug steil nach oben gezogen. Lässt das Steigen nach, wird die Nase nach unten gedrückt, um die Sinkgebiete schnell zu durchfliegen. So wird zeitraubendes Kreisen in der Thermik vermieden und die Durchschnittsgeschwindigkeit erheblich gesteigert.

Der ACN konnte an diesem Wochenende insgesamt 21 Flüge über der minimalen Rundengeschwindigkeit von 40 km/h einreichen. Die gute Leistung vom Samstag wurde von den Flügen am Sonntag deutlich übertroffen, so dass am Ende nur die Sonntagsflüge für die Bundesligawertung zählten. Auffällig ist, dass die schnellsten ACN-Flüge der letzten drei Runden immer von Doppelsitzer-Teams erzielt wurden.

Das Wiesbadener Ehepaar Claudia Gallikowski und Jens-Christian Henke nutzte auf ihrer eta „Kilo Lima“ das thermikstarke Rothaargebirge und Sauerland für einen sehr schnellen Bundesligaflug mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 131 km/h. In diesem Zeitraum verbrachten sie nur 21 Minuten kreisend, sonst wurde unter den Wolken delphiniert. Der stärkste Aufwind ließ den großen Doppelsitzer mit bis zu 6 m/s steigen und erinnerte an australische Segelflugbedingungen – dabei gab es am Boden, im Skigebiet Winterberg, noch letzte Schneereste. Nach Anwendung des Handicap-Faktors ergab sich für das „Kilo Lima“-Team eine Rundengeschwindigkeit von 110,5 km/h.

Der Vereins-Leistungsdoppelsitzer „Yankee Delta“ wurde von Nachwuchstalent Max Karl (19) und Segelflugreferent Peter Fabian gesteuert. Die beiden Taunussteiner erzielten auf dem Duo Discus eine Rundengeschwindigkeit von 94,5 km/h und nutzen ebenfalls die hervorragenden Aufwinde über dem Mittelgebirge. Mit 94,3 km/h nur einen Hauch langsamer waren Uli Leukel (70) und Olaf Merbt (71) auf der ASH25Mi „Delta“. Dieser Flug beweist, dass erfolgreiches Segelfliegen keine Frage des Alters ist. Aufgrund ihrer großen Erfahrung halten die „alten Hasen“ locker mit der talentierten Jugend mit.

Die Erfahrung lehrt, dass sich die Wetterchancen der über ganz Deutschland verteilten Erstligisten über den langen Zeitraum von 19 Runden meistens ausgleichen. Aber natürlich tut der hervorragende Saisonstart dem AC Nastätten psychologisch sehr gut. Die aktuellen Wetterprognosen deuten auf Flugwetter am Sonntag hin. Am Samstag ist mit Regenschauern zu rechnen.

Text: Jens-Christian Henke

Runde 3