Feuchte und kalte Luft macht den Piloten zu schaffen

Für die Piloten des Aero-Club Nastätten bedeutete die polare Kaltluft am zurückliegenden Wochenende schwierige Bedingungen.

Am Samstag scheiterten alle Streckenflugversuche aus Nastätten. Junior Marcel Kaspari stand ab Mittag mit seinem Segelflugzeug ‘Oskar Lima Charlie’ am Start und wartete auf eine passende Möglichkeit, musste allerdings am späten Nachmittag erkennen, dass sich diese nicht ergeben würde. 

Blick aus dem Cockpit der Antares während des Fluges

 

Liegt die Wolkenuntergrenze zu tief, so ist das Risiko, die nächste Wolke nicht zu erreichen und eine Außenlandung auf einem Feld durchführen zu müssen, sehr hoch. 

Zwar stellt dies im Normalfall kein Risiko für Pilot oder Flugzeug dar, allerdings bedeutet die Abholung mit Hänger einen hohen zeitlichen Aufwand. 

Umso größer war die Motivation am Sonntagmorgen. Die Wettervorhersagen waren gut, in der kalten Luft sollten sich früh Cumulus-Wolken bilden.

 

Doch alle Vorhersagen nützen nichts, wenn das Wetter sich daran nicht hält. Auf dem Satellitenbild war am Morgen erkennbar, dass ein Feld mit feuchter Luft genau über das Blaue Ländchen gezogen war. Das gute Wetter mit blauem Himmel lag etwas weiter Richtung Süd-Osten. 

Während in Wiesbaden also strahlender Sonnenschein herrschte, staute sich die Bewölkung nördlich des Taunus. Spätestens als ein Schauer über den Flugplatz zog und sich eine kleine Schneeschicht auf den am Start stehenden Segelflugzeugen bildete, war auch den letzten Piloten klar, dass ein entspanntes Frühstück folgen würde. 

Gegen Nachmittag zeigten sich dann allerdings kleine Wolkenlücken. Fluglehrer Sascha Stüber hatte genau darauf spekuliert. Mit dem leistungsstarken Elektrosegelflugzeug ‘Antares’ startete er und konnte im Funk gute Segelflugbedingungen melden. 

Die DG1000 startet zum Bundesliga-Flug

Schnell machten sich die anderen Piloten startklar. Michael Schmitt und Copilot Jochen Back folgten bei noch immer tiefer Wolkenuntergrenze dem flacheren Gelände rund um die Lahn bis nach Gießen. Am Südrand der Stadt konnten Sie dort aus niedriger Höhe einen Aufwind finden. Nach weiteren Abstechern Richtung Taunus und Westerwald kehrten sie nach zweieinhalb Stunden mit einer Geschwindigkeit von 85 Stundenkilometern zurück.

Eine ähnliche Route wählte der Taunussteiner Martin Fuhr mit Copilot Uli Leukel, wobei sie nach ähnlichem Beginn in Richtung Gießen dann ins Neuwieder Becken bei Koblenz flogen. Auch sie hielten sich aus Vorsicht vor Schauern meist über flacherem Gelände. In ihrem Doppelsitzer ‘Delta’ mit mehr als 25 Metern Spannweite und 800 Kilogramm Gewicht erreichten sie einen Schnitt von 91 Stundenkilometern. 

Stüber, der als Erster gestartet war, hatte währenddessen versucht in Richtung Sauerland zu fliegen. Dort traf er allerdings auf mehrere Schauer, die sich über dem höher liegenden Gelände aufgebaut hatten. Stüber wendete, überquerte bei Kaub den Rhein und flog den Kamm des Hunsrück an. Mehrmals konnte er in nur noch 200 Metern über Grund wichtige Aufwinde finden. In dieser Höhe hat man nur noch wenige Sekunden, um den optional im Rumpf eingebauten Motor auszufahren, oder sich zu einer Außenlandung zu entschließen, falls man keinen Aufwind antrifft.

 

Im Gegensatz zur Auto-Industrie stellt die Reichweite der Batterien eines Elektrosegelflugzeuges kein Problem dar, nach einem kleinen Motorlauf zu Beginn des Fluges gelingen an guten Tagen Strecken von mehr als 1000 Kilometern - ohne Zwischenstop an der Ladestation.

In dem gutem Wetter, das etwas weiter südöstlich lag, aber aus Nastätten nicht erreichbar war, konnten die anderen Vereine in Deutschland deutlich schnellere Schnitter fliegen. Für den ACN reichte es in der dritten Runde somit nur für den 23. von 30 Plätzen, insgesamt liegt der Verein bedingt durch die erfolgreiche erste Runde aber weiterhin auf dem 19. Gesamtplatz.