Runde 18 - Stabil auf Platz 8

Jens-Christian Henke, Malte Bernhardt, Peter Fabian und Martin Fuhr (v.l.n.r.) Quelle: Felix RahnNach den massiven, tagelangen Regenfällen war es am Sonntag endlich wieder möglich, das Blaue Ländchen von oben zu betrachten. Obwohl das Segelflugwetter sehr uneinheitlich war, konnte der Aero Club Nastätten sechs Rundenpunkte kassieren und seinen 8. Tabellenplatz zum dritten Mal verteidigen. Am kommenden Wochenende findet die letzte Runde der diesjährigen Segelflugbundesliga statt.

Nach ausgiebigen Regenfällen muss meistens ein Puffertag mit trockener Luft abgewartet werden, bevor wieder zu längeren Streckenflügen gestartet werden kann. Das liegt daran, dass ein nasser Boden langsamer warm wird als ein trockener. Die Wärme der Sonne wird einerseits in tiefere Bodenschichten abgeleitet und andererseits für die Verdunstung von Wasser verbraucht. Ein warmer Boden ist aber die Voraussetzung für die Entstehung von Warmluftblasen, die sich irgendwann vom Untergrund lösen und als Thermikschläuche nach oben steigen. Ohne Aufwinde gleitet ein Segelflugzeug wie ein Fahrrad ohne Pedale zurück zur Erde. Die Thermikprognosen waren bereits für den Sonntag trotz der ausgiebigen Regenfälle erstaunlich vielversprechend, so dass sich zahlreiche Segelfliegerinnen und Segelflieger auf dem Fluggelände Nastätten einfanden. Natürlich nicht nur zum Bundesligafliegen. Es wurden Schülerinnen und Schüler ausgebildet, zu Platzrunden gestartet und ein Oldtimersegler startete an der Winde. Das Grunau Baby II wird neben vielen anderen interessanten Flugzeugen übernächstes Wochenende auf dem Fliegerfest zu sehen sein.

Großer Feldberg. Quelle: Jens-Christain HenkeFür die Bundesligafliegerei war es in der 18. Runde vorteilhaft, nicht zu früh zu starten. Bereits um 11:00 Uhr entwickelten sich brauchbare Aufwindschläuche über Rheinland-Pfalz. Das war ausnahmsweise trotz des nassen Bodens möglich, weil die Luftmasse anfangs recht kühl und günstig geschichtet war, so dass kleinste Temperaturunterschiede am Boden die Thermik auslösten. Allerdings war die Unterseite der Cumuluswolken unangenehm tief. Sie lag anfangs bei nur 1.000 m über dem Meeresspiegel und deutlich tiefer über den Hängen des Soonwalds und Hunsrücks. Im Laufe des Tages stieg sie viel langsamer als vorhergesagt an, so dass jeder Überlandflieger mehr als einmal eine Außenlandung auf einem Acker Im Kopf durchgespielt hatte, bevor sich doch noch der rettende Aufwindschlauch fand. Über dem Hunsrück südlich von Hahn lagen schöne Wolkenreihungen. Der schnelle Geradeausflug musste früher als gewollt abgebrochen werden, weil die Unterkante dieser Wolkenwürste in Richtung Südwesten stetig abfiel. Die Höhenrücken des Hunsrücks taten das jedoch nicht, so dass oft nur noch wenige Hundert Meter über den Bäumen mit stetig steigendem Außenlanderisiko gesegelt wurde. Es war nicht möglich, das gesamte 2,5-stündige Bundesligazeitfenster unter den schnellen Wolkenreihungen zu verbringen. Die Bundesligafliegerei glich an diesem Tag – mehr als sonst – einem Schachspiel.

Blick nach Lorch. Quelle: Philipp Rück Mit den strategisch herausfordernden Bedingungen am besten zurecht kam der Wiesbadener Jens-Christian Henke. Er startete erst um 13:00 Uhr mit seiner "Tango Mike", einer DG-808C mit 18 m Spannweite. Dank des späteren Starts und einer bereits leicht angestiegenen Wolkenbasis konnte er die schnelle Wolkenwurst über dem Idarwald bis auf die Höhe von Hermeskeil ausfliegen. Auf seinem ersten 64 km langen Bundesliga-Schenkel in Richtung Ostnordost erreichte er dank Rückenwind eine sehr gute Reisegeschwindigkeit von 131 km/h ohne einen einzigen Kreis fliegen zu müssen. Der Luftraum um Bingen war bis fast 1.400 m über dem Meeresspiegel freigegeben, so dass Henke sich entschied, einen Nordkurs einzuschlagen. Er hoffte auf ähnlich gute Reihungen nördlich des Taunushauptkammes und der Option, weiter mit dem Rückenwind bis zum Vogelsberg und darüber hinaus zu fliegen. Daraus wurde jedoch nichts. Bereits vor Bad Nauheim sackte die Wolkenbasis wieder ab und zwang ihn zur Umkehr. Nun wurde es mit dem 2,5-stündigen Zeitfenster eng, da die Länge des Westschenkels durch den für Segelflieger gesperrten Luftraum um Frankfurt-Hahn begrenzt war. Obwohl er das Bundesliga-Zeitfenster nicht ganz ausschöpfen konnte, erzielte er eine Rundengeschwindigkeit von 86,22 km/h.

Jochen Back und Philipp Rück (v.l.n.r.). Quelle: Jens-Christian HenkeFast eine Stunde vor Henke startete der Taunussteiner Jochen Back mit Co-Pilot Philipp Rück auf dem vereinseigenen Leistungsdoppelsitzer "Yankee Hotel", eine DG-1001T mit 20 m Spannweite. Anders als Henke entschied er sich, die Wolkenaufreihungen mehrfach abzufliegen. Er hoffte auf seinem dritten Bundesligaschenkel auf eine ansteigende Basis, um die Wolkenwurst über dem Idarwald weiter bis zur Saar abfliegen zu können. Leider stieg die Basis nicht an, so dass er ein zweites Mal auf der Höhe von Birkenfeld wenden musste. Back ärgerte sich am Ende des Tages über einen simplen Rechenfehler. Er beendete nämlich zu früh den letzten Bundesligaschenkel in Richtung Ostnordost. Anstatt weiter in Richtung Odenwald zu fliegen, bog er nach Norden mit Kurs Nastätten ab. Trotzdem war er mit einer Rundengeschwindigkeit von 83,16 km/h nur etwas langsamer als Henke.

Martin Fuhr mit Co-Pilot Peter Fabian steuerten auf ihrer "Delta", einer ASH25Mi mit 26,5 m Spannweite, den drittschnellsten ACN-Bundesligaflug bei. Sie starteten bereits vor 12:00 Uhr und kämpften mit tiefen Wolken und unzuverlässigen Aufwinden. Die Wolkenwurst über dem Hunsrück lockte auch Fuhr in den Südwesten. Aber bereits kurz hinter Birkenfeld musste er wegen zu geringer Höhe der Wolken wenden. Auf dem Weg nach Montabaur gab es leider keine spürbare Verbesserung der Aufwinde. Die Überquerung des Rheins gestaltete sich schwierig. Daher startete erst vor Montabauer das optimale Bundesliga-Zeitfenster und der zweite Anlauf in den Südwesten lief ab Idar-Oberstein deutlich besser, da Wolkenaufreihungen mit höherer Basis genutzt werden konnten. So war es möglich, die "Delta" erst kurz vor der französischen Grenze zu wenden. Unweit von Bad Sobernheim endete für Fuhr und Fabian der 80,35 km/h schnelle Sprint für die Bundesliga.

Seit der 15. Runde liegt der AC Nastätten wie festgenagelt auf dem sehr erfreulichen 8. Tabellenplatz. Am kommenden Wochenende wird die letzte Saisonrunde ausgetragen. Wird der Segelflugverein des Blauen Ländchens seine Platzierung unter den Top 10 halten können und sein selbstgestecktes Saisonziel erreichen? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, weil der Abstand zu Platz 11 aktuell 11 Punkte beträgt. Noch ist aber nichts sicher. Auf jeden Fall wird ein erfreuliches Endergebnis in der Eliteliga des Segelfluges im Rahmen des Fliegerfestes am 26. und 27. August verkündet werden können.

Text: Jens-Christian Henke