Runde 17 - Start über den Wolken

Fernblick über den Cumuluswolken in Richtung Rheintal. Quelle: Jens-Christian HenkeNach dem herbstlichen Wetter der Vorwochen überraschte der 17. Rundensonntag die Segelflieger der Eliteliga mit frühlingshafter Kaltluft wie im Mai. Es konnten nicht nur sehr schnell, sondern auch sehr weit geflogen werden. Obwohl der Aero Club Nastätten am Ende nur fünf Rundenpunkte einsammelt konnte, bleibt er stabil auf dem 8. Tabellenplatz und kommt seinem Saisonziel immer näher.

Im wechselhaften Wetter der diesjährigen Saison haben sich die Segelfliegerinnen und Segelflieger des Blauen Ländchen daran gewöhnt, überwiegend nur an einem Tag eines Wochenendes zu mehr oder weniger weiten Flügen starten zu können. In der 17. Runde gab es endlich wieder richtig gutes Streckenflugwetter. Dank der eingeflossenen Kaltluft war es wie im Frühling möglich, sehr früh zu starten und sehr spät zu landen. Um 09:30 Uhr sollte es losgehen. Daraus wurde jedoch nichts, weil die Sonne zunächst eine zähe Hochnebeldecke über dem Blauen Ländchen auflösen musste. Der erste Pilot konnte erst um 10:20 Uhr vom grünen Gras des Segelfluggeländes abheben. Aus 1.500 m über dem Meeresspiegel war es möglich, bis zum 29 km entfernten Seibersbach südlich der Windräder auf dem Soonwaldkamm zu gleiten. Dort steht oft der erste nutzbare Aufwind des Tages, der von Nastätten aus erreicht werden kann. Die beiden schnellsten ACN-Piloten nutzen diese Strategie mit Erfolg. Dabei mussten sie jedoch ihren Segelflug weit über den Gipfeln der Cumuluswolken beginnen. Sie wurden mit einem grandiosen Ausblick belohnt, bevor sie die Sorge einholte, ob der kühne Plan wohl aufgehen würde.

Klappt es mit dem ersten Aufwind 29 km von Nastätten entfernt? Quelle: Jens-Christian HenkeMit einer sensationellen Rundengeschwindigkeit von 114,47 km/h führte Moritz Althaus das ACN-Bundesligateam der 17. Runde mit großem Abstand an. Seine "Juliett Oscar", eine LS8 mit 18 m Spannweite und 140 Liter Ballastwasser in den Flügeln, wurde vom vereinseigenen Motorsegler vom Typ Super-Dimona an einem 30 Meter langen Schleppseil über die kleinen weißen Cumuluswolken gezogen. Von Jens-Christian Henke erfuhr er, dass der frühe Aufwind über Seibersbach trug und kreiste unter ihm ein. Beide flogen im Team bis zur ersten Wende, die 10 km nordöstlich des Segelfluggeländes Dillingen lag. Südwestlich von Idar-Oberstein startete das Bundesligazeitfenster. Mit leichter Rückenwindkomponente flog Althaus direkt über Nastätten weiter bis zum Westrand des Thüringer Waldes. In nur 2,5 Stunden legte er mehr als 316 km zurück, was einer Reisegeschwindigkeit von 126,49 km/h entspricht. Bemerkenswert ist aber auch seine Strecke, die er an diesem Flugtag zurücklegte. Nach der dritten Wende im Nordwesten des Sauerlandes flog er zurück ins Saarland, bevor er abends wieder am Heimatflugplatz landete. 926 km flog er an diesem Frühlingstag im August, was auf einem Segelflugzeug mit 18 m Spannweite eine außergewöhnlich gute Leistung ist.

Jens-Christan Henke war der "Schnupperpilot" an diesem Tag, weil er als erster auf seiner "Tango Mike", einer DG-808C mit 18 m Spannweite, auf dem Segelfluggelände des Blauen Ländchens im Eigenstart abhob. Er hatte trotz Triebwerk im Rumpf noch 70 Liter Ballastwasser getankt, um eine ähnliche Flächenbelastung wie Althaus zu erzielen. Die Flächenbelastung berechnet sich aus dem Startgewicht des Seglers geteilt durch die Grundfläche des Flügels. Nur bei starker Thermik wird die Flächenbelastung auf Werte jenseits von 45 kg/qm erhöht. Henkes Flugweg ähnelte sehr der Strecke von Althaus mit Verkürzungen vor den Wenden. Für ihn war es mit 9 ¾ Stunden sein bisher längster Segelflug, seit er vor fast 40 Jahren das erste Mal mit Fluglehrer in einem Doppelsitzer aus Holz mit Stahlrohrrumpf abhob. In Deutschland gelang ihm mit einer Flugstrecke von 850 km an diesem Tag sein bisher punkthöchster Flug. Seine Rundengeschwindigkeit für die Bundesliga betrug 96,21 km/h.

Die Juliett Oscar von Moritz Althaus vor dem Einräumen in die Halle. Quelle: Jens-Christian HenkeDas Bundesligatrio komplettierte der Nastätter Malte Bernhardt auf seinem Elektrosegler Antares 20E "Mike Alpha" mit 20 m Spannweite. Seine erste Wende und der Start seines Bundesligazeitfensters stimmten fast mit denen von Althaus und Henke überein. Er flog einen 252 km langen Bundesligaschenkel in Richtung Nordost. Zwischen Paderborn und Göttingen wendete er ein zweites Mal, um mit Südostkurs zum Thüringer Wald zu sprinten. Auch Bernhardt konnte am Tagesende zufrieden auf eine große Flugstrecke von fast 800 km zurückblicken. Seine Rundengeschwindigkeit betrug 93,89 km/h.

Vor dem Aero Club Nastätten liegen nur noch zwei Bundesligarunden. Danach findet bereits das traditionelle Fliegerfest statt. Mit fünf Tabellenpunkten Abstand zu Platz 10 könnte es mit dem selbstgesteckten Saisonziel klappen, endlich zu den "Top-Ten" der Segelflug-Eliteliga zu gehören. Hoffen wir, dass es gelingt, dieses erfreuliche Ergebnis den Besuchern des Fliegerfestes am 26. und 27. August verkünden zu können.

 

Text: Jens-Christian Henke