Runde 13 bringt Glück

In der 13. Runde konnte der Aero Club Nastätten erneut hervorragende zwölf Rundenpunkte kassieren. Das zum Anfang der Saison ziemlich hoch gesteckte Ziel, die Saison der Eliteflieger unter den "Top 10" zu beenden, wird nun immer wahrscheinlicher zu erreichen sein. Der ACN liegt auf dem 6. Tabellenplatz mit nur noch sechs ausstehenden Runden.

 

Es waren lediglich fünf Flüge, die eine Pilotin und vier Piloten des Aero Club Nastätten am Sonntagabend für die 13. Runde in der 1. Segelflugbundesliga abgelieferten. Das zeugt von insgesamt recht schwierigen Flugbedingungen. Die Auswärtsspieler in der Nähe von Berlin konnte nicht in das Führungs-Trio aufrücken, da das bessere Wetter über dem Blauen Ländchen lag. Der Samstag war der Tag des Wochenendes, an dem am Ende hoch gepunktet wurde. Allerdings mussten die Piloten anfangs viel Geduld aufbringen. Erst am vorgerückten Nachmittag ab etwa 14:30 Uhr stieg die Wolkenbasis innerhalb kurzer Zeit um fast 1.000 m an. Da die drei schnellsten Piloten etwa zwei Stunden vorher starteten, mussten sie zunächst einen anstrengenden und vor allem schweißtreibenden Kampf in niedriger Arbeitshöhe durchstehen. Insbesondere für Holger Back war der erste Teil seines Fluges klar von der Vergnügungssteuer befreit, da er ein reines Segelflugzeug steuerte und eine Außenlandung das vorzeitige Ende des Ligafluges bedeutet hätte. Die beiden anderen Piloten, die es in die Wertung schafften, griffen dankbar auf den Motor hinter dem Flügel zurück, um den Anschluss an das schnelle Wetter zu sichern.

 

Die DG-1001 Turbo am Start. Quelle: Carolin FuhrMit einer sehr guten Thermikvorhersage im Hinterkopf startete Jochen Back mit Co-Pilot Max Karl und 50 Liter Ballastwasser in den 20 m langen Flügeln auf der DG-1001T "Yankee Hotel". Im Norden lockten gut entwickelte Cumuluswolken. Allerdings konnte sich am Startflugplatz Nastätten wegen der Abschirmung durch hohe Wolkenfelder kaum nutzbare Thermik entwickeln. Daher entschloss sich Back das Regelwerk der Bundesliga voll auszuschöpfen, das den Einsatz eines Motors bis 15 Kilometer um den Startflugplatz gestattet. So konnte er mit dem vereinseigenen Doppelsitzer bis nach Elz unter Thermikwolken gleiten, die ihn mit guten Aufwinden in eine angenehme Ausgangshöhe für den Bundesligaflug trugen. Da die Lufttemperatur pro 100 Meter Höhe mit etwa 0,65°C abnimmt, konnte das Team schnell die schweißtreibenden Bodentemperaturen von über 30 °C weit unter sich lassen. Eine sehr willkommene Abkühlung. Unter schattigen Wolken flog Back in Richtung Eifel. Steigwerte bis 4 m/s und Basishöhen über 2.200 m über dem Meeresspiegel bestätigten die Wettervorhersage. Das Team flog über die Nordeifel in Richtung Ardennen. An der Luftraumgrenze von Brüssel wendeten sie den Doppelsitzer. Sie flogen zurück bis südlich Bad Neuenahr mit einer Reisegeschwindigkeit von 122 km/h. Da es in Richtung Westerwald nicht mehr ganz so gut aussah, wendete Back und flog über den Südrand der Eifel in Richtung Bitburg. Dort verlangsamte ein großes Wolkenfeld den Flug, da die gedämpfte Sonneneinstrahlung die Steigwerte verschlechterte. Nördlich von Bitburg wurde ein letztes Mal gewendet und es ging mit Rückenwind nach Hause. Kurz vor dem Rhein endete das 2,5-stündige Zeitfenster für einen Bundesligaflug mit einer hervorragenden Rundengeschwindigkeit von 98,77 km/h.

 

Holger Back lieferte mit 95,62 km/h den zweitschnellsten Ligaflug auf seiner LS10 "Seven One" ab. Nach dem Start hinter dem Schleppmotorsegler des Vereins konnte er sich nur mit großer Mühe in der Luft halten, so schwach waren die Aufwinde. Wie sein Bruder sah auch er im Norden die schönen Wolken. Mehrfach versucht er, diese zu erreichen. Sie waren aber für die geringe Arbeitshöhe schlicht und einfach zu weit weg. Da die LS10 ein reines Segelflugzeug ist, konnte er sich nicht mit Motorkraft in den Gleitbereich zu den guten Wolken "mogeln". Mehr als eine Stunde nach seinem Start flog er mutig und ohne Hilfstriebwerk als Sicherheitsnetz in südwestliche Richtung ab. Es hatten sich Thermikwolken gebildet, doch schienen diese keinerlei Verbindung zu einem Auslöser am Boden zu haben. Er fand kein Steigen unter den Cumuluswolken, die üblicherweise das Ende eines Aufwindschlauches markieren. Über der Loreley segelte er nur noch in knapp 300 m über den reifen Getreidefeldern. In sehr schwachem Steigen mühte er sich wieder nach oben und schlich sich ganz vorsichtig nach Nordwesten. Querab von Koblenz zogen die Wolken endlich zuverlässig und der weitere Weg in die Eifel war unproblematisch und ähnelte dem Flugweg seines Bruders Jochen. Allerdings war die Zeit inzwischen weit fortgeschritten. Erst um 17:40 Uhr endete sein 2,5-stündige Bundesligazeitfenster, als die Aufwinde wieder deutlich schwächer waren. Back berichtete nach dem Flug, dass er froh war, überhaupt noch so einen schnellen Flug abliefern zu können, weil er während der ersten beiden Flugstunden überwiegend unterhalb von 600 m über Grund im heißen Cockpit um das Obenbleiben kämpfen musste.

 

Martin Fuhr und Uli Leukel gelang mit 88,19 km/h der drittschnellste Bundesligaflug für den Aero Club Nastätten. Auch sie verbrachten in ihrer ASH25Mi "Delta" viel Zeit in Platznähe und mussten mehr als einmal das Triebwerk zünden, um in der Luft zu bleiben. Ihre westlichste Wende lag über der Eifel. Mit Rückenwind flogen sie einen 151 km langen Schenkel bis nach Gießen. Dort endete das 2,5-stündige Zeitfenster.

 

Prüfer Helmut Schwägler gratuliert Jasmin Thomas zur bestandenen Prüfung. Quelle: ACN Auch für die 14. Runde wird uneinheitliches Segelflugwetter vorhergesagt. Ein stabiles Sommerhoch über Deutschland wird es wohl in diesem Jahr nicht mehr geben. Was den Urlauber ärgert, freut den Landwirt und die Natur. Auch eine deutlich erhöhte Waldbrandgefahr ist wohl kein Thema mehr für Deutschland. Der Ausbildungsbetrieb im ACN verläuft auch bei mittelprächtigem Segelflugwetter sehr erfreulich. Jasmin Thomas flog kürzlich alleine 50 km Strecke für den Erwerb der Segelfluglizenz. Am vergangenen Wochenende legte sie als letzten Baustein ihrer Ausbildung mit großem Erfolg die praktische Prüfung ab. In wenigen Tagen darf sich über einen Brief des Luftamtes mit ihrer Segelflug-Piloten-Lizenz freuen. Dann darf sie eigenverantwortlich nicht nur über dem Blauen Ländchen, sondern weltweit fast geräuschlos ohne Motor fliegen und den so vielfältigen Ausblick aus großer Höhe genießen.

 

Text: Jens-Christian Henke