Sieg in Runde 5

Aero Club Nastätten blickt mit Stolz auf seine bisher erfolgreichste Runde in den vielen Jahren in der 1. Segelflugbundesliga zurück. Für den sensationellen Sieg in der 5. Runde gab es die maximale Anzahl von 20 Rundenpunkten. 

Tragende LinienDer Samstag entwickelte sich entgegen der Wettervorhersage zum deutlich besseren Tag des Wochenendes, sodass alle drei Wertungsflüge des ACN an diesem Tag geflogen wurden. Die schnellen Flüge von Holger Back, Moritz Althaus und dem Team Martin Fuhr/Peter Fabian machten den Sieg des Aero-Clubs in dieser Runde möglich. Die Piloten nutzten dabei sogenannte Aufwindreihungen. Dabei stehen die Aufwindschläuche nicht einzeln mit viel Abstand wie Bäume im Wald, sondern vielmehr eng benachbart wie in einer Hecke. So eine Aufwind-Hecke ist selten gerade, sondern meistens schlangenförmig. Segelflieger sprechen von einer tragenden Linie und es muss kaum noch gekreist werden. Da beim Entstehen von Cumuluswolken Kondensations-Energie freigesetzt wird, ist das Steigen in der Nähe der Wolkenbasis oft am stärksten. Dann kann mit hoher Geschwindigkeit geradeaus geflogen werden. Eine LS10 sinkt bei einer Fluggeschwindigkeit von 150 km/h mit nur 4,3 km/h oder 1,2 m/s. Ist der Aufwind stärker als 1,2 m/s, kann durchaus mit 200 km/h geflogen werden, ohne einen einzigen Höhenmeter zu verlieren.

Holger Back in seiner LS10Holger Back, zweifacher Vizeweltmeister im Segelflug, gelang die Nutzung der tragenden Linien besonders gut. Nur 10% seiner Flugzeit im 2,5-stündigen Bundesligazeitfenster kreiste er zum Höhengewinn in Aufwindschläuchen. Er flog seine LS10 "Seven One" mit 18 m Spannweite fast nur über der Eifel. Ihn erinnerten die tollen Flugbedingungen an seine Flüge über Namibia. Allerdings deutlich tiefer über dem Gelände. Um den Wolken nicht zu nahe zu kommen, musste er einmal sogar absichtlich die tragende Linie verlassen. Im Nachhinein bedauerte er, kein Wasser getankt zu haben. Im Bundesligazeitfenster erzielte Back eine hervorragende Reisegeschwindigkeit von 130,17 km/h und lieferte damit den schnellsten Flug für den ACN in dieser Runde. Wird diese durch seinen Flugzeug-Handicapfaktor von 1,135 geteilt, errechnet sich eine Punktzahl von 114,69 für seinen Flug. 

Moritz Althaus in der LS8Moritz Althaus sprintete im Förderflugzeug "Juliett Oscar" vom Typ LS8 heute mit 18 m Spannweite ebenfalls überwiegend über der Eifel. Er berichtete von einer anfangs tiefen Wolkenbasis, die die ersten beiden Schenkel spannend gestaltete. Weiter nördlich waren die tragenden Linien besser ausgeprägt. Sein letzter Bundesligaschenkel, der bei Montabaur endete, lief dank viel Rückenwind mit einer Reisegeschwindigkeit von 149,33 km/h richtig gut. Die großräumig vorhergesagten Gewitter traten nur einzeln auf und stellten kein Problem dar. US Airbase Spangdalehm von obenDank eines sehr freundlichen Towerlotsen der US Airbase Spangdahlem durfte er mitten durch die Kontrollzone fliegen, um den tragenden Linien folgen zu können. Althaus erzielte mit einer Geschwindigkeit von 115,25 km/h den zweitschnellsten Flug für den ACN.

Martin Fuhr startete mit Co-Pilot Peter Fabian gegen 11:30 Uhr auf ihrer "Delta", einer ASH25Mi mit 26,5 m Spannweite. Sie brauchten etwa eine Stunde, um in das schnelle Wetterfenster über der Eifel zu gelangen. Hier legten sie ihren Flugweg zwischen die Schauer hindurch oder kurz vor den Schauern entlang. Die Basis stieg deutlich an und die Stärke der Aufwinde verbesserte sich. Im Bundesligazeitfenster, das für die "Delta" um 14:00 Uhr begann, flogen Sie zunächst einen 44 km langen Rückenwindschenkel. Martin Fuhr und Peter Fabian in der ASH25 MiNach der Wende folgten sie tragenden Linien, die trotz des lebhaften 30 km/h-Gegenwindes ein schnelles Vorankommen in Richtung Utscheid bis zur französischen Grenze ermöglichten. Der dritte und letzte Bundesligaschenkel brachte das Team mit Rückenwind in die Nähe der Stadt Biedenkopf. Fuhr berichtete nach der Landung von einem reizvollen Wechsel von Schönwetter-Wolken wie aus dem Bilderbuch und dunkelgrauer Schaueroptik. Er war begeistert von der grandiosen 100 km-Fernsicht. Die Flugstrecke der "Delta" summierte sich an diesem Tag auf fast 600 km. Damit hatte das Team nach den morgendlichen Wetterprognosen nicht gerechnet. Mit einer Geschwindigkeit von 114,1 km/h erflogen sie den dritten Wertungsflug in dieser Runde.

Der Aero Club Nastätten verfügt unverändert über einen großen Kreis von hochmotivierten, sehr leistungsbereiten und leistungsfähigen Bundesliga-Pilotinnen und –Piloten, die auch schwierige Wetterlagen für schnelle Flüge nutzen können. Das haben sie am vergangenen Wochenende bewiesen, indem erstmals in der 1. Segelflugbundesliga ein Rundensieg eingefahren werden konnte. Da die Leistungsdichte der Segelflugvereine in der ersten Tabellenhälfte hoch und die Punkteabstände entsprechend gering sind, macht der ACN in der Tabelle einen sehr großen Satz noch oben. Lag er nach der 4. Runde noch auf Platz 12, so findet er sich nun auf Platz 3 wieder. Der Erstligist des Blauen Ländchens hat aktuell einen Kontostand von 54 Punkten. Nur zwei Punkte trennen ihn von der Tabellenführung. Die ersten Ränge belegen der SFG Donauwörth-Monheim, gefolgt vom LSR Aalen. Was die Gesamtsumme der Rundengeschwindigkeiten angeht, so ist der ACN bereits Tabellenführer. Diese Gesamtsumme ist wichtig, weil sie bei gleichem Punktestand entscheidet, wer vorne liegt. Wird dem ACN die Tabellenführung bereits am kommenden Wochenende gelingen? Die Wetteraussichten sind erneut herausfordernd.

Text: Jens-Christian Henke