Runde 4

Flüge im Schönwetterstreifen

 

Die beste Thermik lag über dem RurseeNach den vielen Flügen der 3. Runde hielt sich der Aero Club Nastätten am vergangenen Wochenende angesichts der komplizierten Wetterlage mit Bundesligaflügen stark zurück. Obwohl das Potential im Verein nicht ausgeschöpft wurde, konnten 7 Punkte erflogen werden.

Der Sonntag fiel als Flugtag komplett und im Wortsinn ins Wasser. Dauerregen von morgens bis abends ließen noch nicht einmal Schulflüge an der Winde zu. Die Wetterprognose für den Samstag machte nicht allzu viel Hoffnung auf schnelle Flüge: Starker Ostwind, eine sogenannte Warmluftadvektion und immer dichter werdende Abschirmung durch die aufziehende Regenfront waren die Faktoren, die es bei der Flugplanung zu berücksichtigen galt. Mit Sonnenschein war nur in einem Streifen zu rechnen, der sich von den Niederlanden bis nach Ostbayern erstreckte. Da nicht klar war, ob man es abends wegen des heranrückenden Regengebiets ohne einen Motorlauf zurück nach Nastätten schaffen würde, standen zunächst nur drei Eigenstarter am Start. Ein hoher Temperaturunterschied zwischen dem Boden und der Luftmasse sorgt in der Regel für kräftige Aufwinde. Eine hohe Temperatur des Bodens wird durch eine starke, ungestörte Sonneneinstrahlung erreicht. Die Temperatur der Luftmasse hat mit seiner Herkunft zu tun. Fließt polare Kaltluft über das Blaue Ländchen, dann lässt das die Segelfliegergemeinde aufhorchen. Bei einer Warmluftadvektion wird jedoch zunehmend wärmere Luft herangeführt, so dass der Temperaturunterschied auch bei gleichbleibender Sonneneinstrahlung immer kleiner wird. Das sorgt dann für schwächere, kurzlebigere Aufwinde und außerdem wird es meist schwieriger, den Kern des Aufwindes zu finden und zu halten. Ein lebhafter Wind bietet für die Bundesligafliegerei grundsätzlich Vorteile, weil er als Rückenwind die Reisegeschwindigkeit erhöht. Ist die Thermik jedoch schwach, dann kostet es sehr viel Zeit, sich gegen den Wind vorzuarbeiten. Am Samstag musste überdies damit gerechnet werden, dass die Thermik im Laufe des Tages durch die dichten Schichtwolken der heranziehenden Regenfront komplett abgeschnürt wird. Der Startzeitpunkt war also nicht einfach zu bestimmen. Für einen frühen Start sprach die noch ungestörte Sonneneinstrahlung. Gegen einen frühen Start sprach der starke Wind und vor allem die anfangs sehr niedrige Basis der Cumuluswolken. Malte Bernhardt startete als erster sehr früh um 10:36 Uhr mit seiner Antares 20E. Seine Ausgangshöhe von 1.300 m über dem Meeresspiegel war 50 km von Nastätten entfernt ohne nachhaltige Höhengewinne auf nur noch 300 m zusammengeschmolzen. Er entschied sich zum Abbruch des Bundesligafluges, weil die Akkus seines Elektroseglers nach dem recht langen Steigflug für den Rückflug weniger als halb voll waren. Gegen 11:00 Uhr startete die "Delta" und eine halbe Stunde später die "Tango Mike". Auch diese beiden Kandidaten mussten ihr Triebwerk mindestens einmal zünden, weil die Thermik noch zu schwach und unzuverlässig war. Während der Mittagszeit startete die motorlose "Hotel Papa" zu einem erfolgreichen Bundesligaflug, so dass bei Sonnenuntergang die maximale Anzahl von drei Flügen auf den Server des Online Contests hochgeladen werden konnte.

Der Schönwetterstreifen im NordenWie am vergangenen Wochenende war Jens-Christian Henke auf seiner DG-808C "Tango Mike" im 2,5-stündigen Bundesligazeitfenster für den ACN am schnellsten unterwegs. Die Cumuluswolken machten optisch einen vielversprechenden Eindruck. Nur war darunter kaum Steigen zu finden. Ganz vorsichtig tastete sich Henke nach Elz, um dort zu parken, weil es einfach nicht höher als 900 m über dem Meeresspiegel hinausgehen wollte. Als endlich 1.000 m Flughöhe erreicht waren, flog er vorsichtig gegen den Wind mit Kurs Nordost. Wegen einer schon dichter werdenden hohen Abschirmung drehte er früher als geplant in den Wind. Kontinuierlich wurde die Thermik zuverlässiger und kräftiger. Der Rückenwind schob Henke mit fast 94 km/h Reisegeschwindigkeit 137 km weit zur belgischen Grenze. Über dem Nationalpark Eifel mit dem Rursee und der Rurtalsperre zeigte der Integrator des Variometers zeitweise mehr als 4 m/s. Auf dem Rückweg nach Nastätten beschloss der "Tango Mike"-Pilot, ein zweites Mal dorthin zurückzukehren. Auf diesem Rückenwindschenkel ging es aber erstaunlicherweise mit nur knapp 80 km/h am langsamsten voran. Der Rückweg lief trotz hoher Abschirmung verblüffend gut. Über der Eifel unter gut entwickelten Blumenkohlwolken erreichte Henke fast 2.000 m MSL. Weit nach Ablauf des Bundesligazeitfensters flog in noch über das abgeschattete Wispertal. Dort traf er in enger Formation die ersten zwei Mauersegler der Saison. Nach der Landung war er zufrieden, weil der Tag mit einer Rundengeschwindigkeit von 80,54 km/h viel schneller als von ihm erwartet war.

Grauer Himmel, wenig Sonne.Peter Fabian startete mit Co-Pilot Martin Fuhr auf der ASH25Mi "Delta". Sie mussten nach zweimaliger Benutzung des Triebwerks wieder in den großen Kuchen mit 15 km Radius zurückfliegen, damit der Flug für die Bundesliga zählt. Jetzt ging es in Richtung Nordwest zum Flugplatz Mönchsheide. Dort überquerten das Team den Rhein und es ging weiter in Richtung Aachen. Die Basis stieg an, die Thermik wurde kräftiger und es wurde einfacher, im Zentrum des Aufwindes zu kreisen. Offensichtlich war hier weniger Warmluft eingeflossen. Zwischen Düren und Aachen beendete die "Delta" den Rückenwindschenkel. Fabian und Fuhr flogen nun gegen den Wind zurück ins Blaue Ländchen. Da die Basis entgegen den Erwartungen und Prognosen weiter anstieg, stellte der etwa 25 km/h starke Gegenwind kein ernsthaftes Problem dar. Zwischen Neuwied und Koblenz war die Endanflughöhe bereits erreicht. Hier präsentierte sich das Wetter sehr zweigeteilt: Blickte man links aus dem Cockpit, dann sah man eine schöne Wetteroptik mit vielen Cumuluswolken. Der Blick nach rechts zeigte die herannahende Regenfront mit hoher, dichter Bewölkung und deutlich schlechteren Bedingungen. Nach Anwendung des Handicapfaktors errechnete sich eine Rundengeschwindigkeit von 69,44 km/h.

Thomas Paulsen, der 2. Vorsitzende des Aero Club Nastätten, startete auf seiner LS4 "Hotel Papa" zu einem Flug, deren nördlichster Punkt etwa 40 km von Nastätten entfernt war. Da Paulsen, um das Außenlanderisiko klein zu halten, auf einen langen Rückwindschenkel verzichtete, war seine Rundengeschwindigkeit mit 48,82 km/h geringer als seine Mitstreiter. Sie lag aber klar über der Mindestwertungsgeschwindigkeit von 40 km/h.

Der Regenfront kommt näher.Beim Schließen der Hallentore ist der Pilot und die Pilotin immer schlauer als am Morgen. Wahrscheinlich hätte die Summe der drei schnellsten Bundesligaflüge deutlich höher liegen können, wenn sich mehr Piloten für einen Flug entschieden hätten. Die Wetterlage war jedoch kompliziert und in der Prognose wenig aussichtsreich. Trotz der aufziehenden Regenfront und nur noch geringer Sonneneinstrahlung war der Rückflug von der belgischen Grenze problemlos möglich. Damit hatte niemand gerechnet. Der Kontostand des Erstligisten aus Nastätten erhöht sich um sieben Rundenpunkte. In der Tabelle geht es allerdings erneut um vier Zähler nach unten. Der ACN liegt nun auf dem 12. Tabellenplatz. Die Hoffnung ist groß, dass der Verein bald wieder einen großen Sprung nach vorne macht. Die Punktedifferenz zwischen Platz 7 und Platz 12 beträgt nämlich nur zwei Punkte. Das Aprilwetter hat sich leider ziemlich penetrant im Wonnemonat Mai eingenistet. Auch in der kommenden Runde muss mit wechselhaftem Wetter gerechnet werden. Immerhin sollen die Temperaturen die 20°C-Marke erreichen. 

Text: Jens-Christian Henke