Runde 3

12 Flüge, aber nur ein Trostpunkt

Der Original-Fridolin aus aus alle wetter nimmt Platz auf der Tango MikeEndlich hatte der Wettergott ein Einsehen und spendierte den Segelfliegern am vergangenen Wochenende zwei volle Flugtage. Sie waren allerdings hinsichtlich der Bundesligatauglichkeit ungleich über die Republik verteilt. Nach einem hoffnungsfrohen Samstag musste sich der Aero Club Nastätten am Ende der 3. Runde mit nur einem Trostpunkt zufriedengeben.

Am Samstag war es auch in großer Flughöhe fast windstill. In einer kalten und zunächst sehr wolkigen Luftmasse wurde schon sehr früh gestartet. Im Tagesverlauf ging der Bewölkungsgrad immer weiter zurück, weil sich ein Warmluftkeil über das Saarland schob. Leider musste wegen des geringen Windes die Rückenwind-Karte im Ärmel bleiben. Es galt vielmehr, in Regionen mit 2/8-tel Bewölkungsgrad zu segeln. Unter gut ausgebildeten Cumuluswolken sind nämlich in der Regel die stärkeren Aufwinde zu finden, weil durch das Kondensieren des Wasserdampfes zusätzliche Energie freigesetzt wird. Wachsen die Cumuluswolken zunehmend in die Breite, wird es immer schwerer, die Aufwindkerne zu finden. Die Thermiksuche kostet immer mehr Zeit und daher freuen sich die Segelflieger besonders über kleine bis mittelgroße Blumenkohlwolken. Am Samstagabend freute sich der Verein noch über einen guten 12. Rundenplatz. Sechs Flüge wurden an diesem Tag auf den OLC-Server hochgeladen.

Der Frühling ist da :)Der Grund für den schwachen 25. Platz am Montagmorgen war ein kräftiger, etwa 40 km/h starker Südostwind, der schon in den frühen Morgenstunden des Sonntags blies. Dieser konnte aber vom Erstligisten des Blauen Ländchens nicht im kompletten 2,5-stündigen Zeitfenster genutzt werden. Ein langer Rückenwindschenkel war mit Startort Nastätten schlicht und einfach nicht möglich. Im Norden liegt das komplizierte Luftraumgebilde der Flughäfen Köln/Bonn, das für Segelflugzeuge tabu ist. Im Süden liegt das Sperrgebiet rund um den Flughafen Frankfurt. Am Sonntag gab es überwiegend Blauthermik. Dann sind die Aufwindschläuche unsichtbar. Stellen Sie sich vor, sie müssten mit verbundenen Augen in gerader Linie durch einen Wald laufen. So wie sie immer wieder gegen einen Baumstamm prallen würden, stolpert der Segelflieger in einen Aufwindschlauch. Nur die stärksten Aufwinde waren durch eine Miniwolke markiert. Zwei der sechs ACN-Flüge starteten in Klix als Wettbewerbsflüge. Da eine sogenannte Speed-Aufgabe ausgeschrieben war, konnten die Piloten nicht optimiert für die Bundesliga sprinten. Erfreulich war am Sonntag mit 50% eine vergleichsweise hohe ACN-Frauenquote.

US Airbase Spangdahlem mit der wieder sicherheitshalber Funkkontakt aufgenommen wurde.Jens-Christian Henke gelang am Samstag auf seiner DG-808C "Tango Mike" mit 18 m Spannweite der schnellste ACN-Bundesligaflug. Er startete früh um 11:15 Uhr bei noch starker, recht niedriger Bewölkung. Wie schon am vergangenen Sonntag flog er am nördlichen Rand der Eifel in Richtung Aachen. Er erinnerte sich an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", als es südwestlich von Euskirchen wieder nicht gut in Richtung Aachen ausschaute. Erneut wendete Henke an dieser Stelle und flog stets im Kontakt mit dem Towerlotsen mit Südkurs über die US-Militärbasis Spangdahlem ins Saarland. Anders als am letzten Sonntag wendete er nicht über Saarlouis, sondern schon etwas früher über Merzig. Die Luftmasse war deutlich diesiger als über der Eifel. Henke entschied sich für einen Nordschenkel, der für die Bundesliga den zweiten von maximal vier Schenkeln darstellte. Um ohne Umweg ganz bequem südlich am Luftraumgebilde der Flughäfen Köln/Bonn vorbeifliegen zu können, wendete er bereits über der Schneeeifel. Das ermöglichte ihm, die gute Thermik über der gesamten Eifel nutzen zu können. Dieser Schenkel mit Kurs Ostnordost endete erst nach 208 km. Die Optimierung des OLC-Servers ergab jedoch ein Ende des 2,5-stündigen Zeitfensters nördlich von Montabaur. Henke erzielte eine Reisegeschwindigkeit von 110 km/h. Nach Anwendung des Handicapfaktors für seinen weißen Segler errechnete sich eine Rundengeschwindigkeit von 96,97 km/h. Während des fast 8,5 Stunden langen Fluges flog er eine Strecke von 722 km.

ACN-Segelflugreferent Peter Fabian und Uli Leukel waren im Bundesligazeitfenster fast genauso schnell unterwegs. Da der Handicapfaktor der großen ASH25Mi "Delta" mit 26,5 m Spannweite höher ist als der von der "Tango Mike", errechnete sich eine Rundengeschwindigkeit von 92,15 km/h. Sie hielten sich auf ihrem ersten Schenkel deutlich südlicher als Henke und überflogen das Segelfluggelände Wershofen in der Eifel. Wenig später startete ihr Bundesligazeitfenster und es ging zu einer freien Wende nordöstlich von Aachen. Mit Kurs Südost überflogen sie den großen See des Nationalparks Eifel. Später schlugen sie einen Südkurs ein. Der Flugweg verlief über Utscheid und Trier zur letzten Bundesligawende unweit der Dillinger Hütte. Nordöstlich des Bostalsees endete ihr 2,5-stündiges Zeitfenster. Insgesamt flog das "Delta"-Team an diesem Tag 682 km weit.

Malte Bernhardt komplettierte auf seiner Antares 20E mit 20m Spannweite das ACN-Bundesligateam der 3. Runde. Segelfliegen ist eine Chance-/Risikospiel. Er entschied sich gleich auf dem ersten Schenkel für die stärkere Thermik über der Eifel. Der Nachteil seiner Strategie war jedoch, dass er eine deutlich geringere Flughöhe über Grund in Kauf nahm. Über Mosbruch gelang ihm nur mit großer Mühe der Anschluss an den nächsten Aufwind. Zeitweise flog Bernhardt nur noch 180 m über Grund. Es gelang ihm, einen rettenden Aufwind zu finden. Ähnlich wie die "Delta" flog er in das Saarland. Er wendete westlich von Saarlouis und flog zurück in Richtung Nastätten. Über dem Wispertal endete sein 2,5-stündiges Zeitfenster, das bei Hockai/Belgien begann. Insgesamt war Bernhardts Flug an diesem überdurchschnittlich guten Flugtag 738 km lang, weil er vor der Landung in Nastätten noch weit über das Sauerland flog.

Die Delta mit Martin Fuhr und Uli Leukel punktete auch am Sonntag.Die Luftraumstruktur über Deutschland ist komplex. Soll im Bundesligazeitfenster stets mit einem Rückenwind von 40 km/h geflogen werden, dann ergibt das einen Schenkel von etwa 300 km Länge. So ein langer Schenkel kann aber nur dann verwirklicht werden, wenn der Startflugplatz günstig in Relation zu den Sperrgebieten liegt. Diesbezüglich hatte der Aero Club Nastätten in der 3. Runde einfach Pech. Trotz des großen Einsatzes der zwölf ACN-Pilotinnen und -Piloten und einer Gesamtrundengeschwindigkeit von guten 278,56 km/h konnte mit dem 25. Platz nur ein Trostpunkt erzielt werden. Mehr als die Hälfte der Erstligavereine erflog sogar mehr als 300 km/h Gesamtrundengeschwindigkeit, was nur selten vorkommt. Tröstlich ist, dass der Aero Club Nastätten in der Tabelle nur vier Zähler von Rang 4 auf Rang 8 abgeben musste. Die Wetterprognosen machen nach einer verregneten Arbeitswoche Hoffnung auf gute Segelflugbedingungen am Wochenende. Es bleibt spannend.

Text: Jens-Christian Henke